Carlo Conti ist der Vielflieger der Regierung

Die Hälfte der absolvierten Flugkilometer ging auf das Konto des Gesundheitsdirektors. Conti hat im Flugzeug fast eine halbe Weltumrundung absolviert.

In China. Carlo Conti (2.v.r.) mit Generalkonsul Heinrich Schellenberg, Ren Youqun, East China Normal University Shanghai, und Uni-Rektor Antonio Loprieno (v.l.n.r.) in Shanghai.

In China. Carlo Conti (2.v.r.) mit Generalkonsul Heinrich Schellenberg, Ren Youqun, East China Normal University Shanghai, und Uni-Rektor Antonio Loprieno (v.l.n.r.) in Shanghai.

(Bild: Matthias Geering)

Franziska Laur

Im Vergleich zum Bundesrat kommt die Basler Regierung bei ihren Auslandreisen vergleichsweise gut weg. Der Gesundheitsdirektor Carlo Conti gilt mit seinen zwei längeren und einem kürzeren Flug im Jahr 2013 schon als Vielflieger. Mitte Mai flog er für fünf Tage nach Shanghai, um die Städtepartnerschaft zu pflegen, die er selbst im Jahr 2007 unterzeichnet hatte. Man habe dort verschiedene Universitäten und Spitäler besucht und sich mit den Behörden getroffen, lässt Regierungssprecher Marco Greiner dazu verlauten. Mit im Geleit waren Vertreter der Universität Basel und des Unispitals Basel. Reise und Aufenthalt von Conti kosteten 8800 Franken. Er war denn auch von allen Regierungsräten im Jahr 2013 am meisten unterwegs. Insgesamt ist die Regierung rund 34'500 Kilometer geflogen. Mit fast 19'000 Flugkilometern hat Conti also über die Hälfte für seine Reisen gebraucht.

Vernarrt in China

Auch im August 2013 ging Conti für sechs Tage nach China, und zwar nach Peking und Shanghai. Damals war er Mitglied der Begleitung von Bundesrat Alain Berset, der sich für offizielle Treffen mit den dortigen Behörden auf diese Reise machte. Da sich auch der Bund an diesen Reisekosten beteiligt, beläuft sich der Betrag aus der kantonalen Kasse auf 5300 Franken. «Vielleicht zahlt der Bund noch etwas mehr daran», sagt Greiner dazu. Anfang Juli schliesslich flog Conti nach Dresden zum Treffen der deutsch-schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik. Diese kleine Reise kostete 1700 Franken.

Insgesamt scheint es jedoch, dass die Regierungsräte sich eine neue Zurückhaltung bezüglich Ausflügen in die ferne weite Welt auferlegt haben. Im Jahr 2012 hatte die grossrätliche Finanzkommission noch festgestellt, dass die Flugreisen in den Departementen stark zugenommen hätten.

Die Sparsame

Doch auch Regierungspräsident Guy Morin liess es sich in diesem Jahr nicht nehmen, China-Luft zu schnuppern. Er flog im Mai für sechs Tage an die Art Basel Hongkong. Kosten samt Aufenthalt: 8000 Franken. Da kommt der Steuerzahler mit 2000 Franken für drei Tage Amsterdam, in denen Morin die Museumspolitik erörterte, mit einem Schnäppchen davon.

Viel Gespür für die Staatskasse zeigte Finanzdirektorin Eva Herzog bei ihrer Reise nach Boston. Damals, im Februar 2013, musste sie den zuständigen Wirtschaftsminister Christoph Brutschin vertreten und war Teil einer Delegation mit Vertretern der Universität Basel. Besucht wurden Hochschulen und Forschungsinstitutionen wie beispielsweise das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Doch die sparsame Finanzdirektorin verweigerte sich jeglicher Klotzerei und flog ebenso wie alle anderen Economy-Class. Dies, obwohl die Spesenverordnung den Regierungsräten Flüge in der Businessklasse ab einer Flugzeit von fünf Stunden erlaubt. Ausserdem bezog man budgetbewusst im Vorort Cambridge Zimmer eines einfachen Hotels. Dieses bescheidene Auftreten schlägt sich auch in der Rechnung für die Reisekosten der Finanzdirektorin nieder: 2900 Franken.

Die Flugverächter

Am günstigsten waren die Regierungsräte Christoph Eymann, Baschi Dürr und Christoph Brutschin. Sie flogen im Jahr 2013 gar nicht.

«Insgesamt haben die Flugreisen im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre konstant sicher etwas zugenommen, wir haben ja jetzt auch mehr Städtepartnerschaften», sagt Marco Greiner. Die Finanzkommission anerkannte denn auch schon 2012 die zunehmende Bedeutung des internationalen Austausches ausdrücklich. Allerdings dürften diese internationalen Partnerschaften nicht überschätzt werden. «Die regionalen und nationalen Kooperationen sind für den Kanton von grösserer und direkterer Bedeutung», schrieb die Kommission damals.

Basler Zeitung

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