BVB wählen interne Lösung

Die Basler Verkehrs-Betriebe haben ihren neuen Direktor bereits gefunden: Bruno Stehrenberger, bisheriger Leiter der Abteilung Verkehr, übernimmt nach Erich Laglers Abgang den heiklen Posten.

Der neue BVB-Direktor Bruno Stehrenberger verzichtet vorerst auf Interviews.

Der neue BVB-Direktor Bruno Stehrenberger verzichtet vorerst auf Interviews.

(Bild: Bettina Matthiessen)

Alessandra Paone

Nur wenige Tage nachdem die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats ihren Bericht zu den Basler Verkehrs-Betrieben vorgestellt hatte, verliess Direktor Erich Lagler das Unternehmen. Er informierte nicht selbst über seinen Rücktritt. Zu hart war die Kritik von Politik und Medien gewesen, zu gross die Schmach, so schien es. Lagler überliess die Aufgabe Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler, die die Nachricht an einer Medienkonferenz bekannt gab. Ein Abgang durch die Hintertür.

Durch dieselbe schleicht sich nun, nur zwei Wochen später, Laglers Nachfolger hinein. Der Verwaltungsrat hat Bruno Stehrenberger, den bisherigen Leiter der Abteilung Verkehr, zum ­neuen Direktor gewählt. Eine Nachricht, die es nach dem Sturm der vergangenen Wochen verdient hätte, dass sie in einem geeigneten Rahmen angekündigt wird. Gross angerichtet an einer Medienkonferenz. Um ein Zeichen zu setzen, den Neuanfang zu signalisieren.

Stattdessen entschieden sich die BVB für eine Standardmitteilung. Als wollten sie möglichst wenig Aufmerksamkeit ­erregen. Der neue Direktor verzichte vorerst auf Interviews, heisst es denn auch im Communiqué. In den kommenden Wochen werde Bruno Stehrenberger in seiner neuen Funktion sämtliche Geschäftsfelder der BVB vertieft analysieren und seine Ziele und Stossrichtungen erst dann der Öffentlichkeit präsentieren.

Erneut ein SBB-Mann

Bei so viel Zurückhaltung kommt der Verdacht auf, dass sich die BVB ihrer Sache nicht sicher sind. «Im Gegenteil», sagt Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler. «Wir haben uns diese Wahl sehr gut überlegt. Es ist ein fundierter Entscheid.» Der Verwaltungsrat habe sich in den letzten zwei Wochen intensiv mit der Frage der Nachfolge beschäftigt und die Optionen externe Lösung, Übergangslösung und interne Lösung genau geprüft. Nach Gesprächen mit Bruno Stehrenberger habe sich bald bestätigt, dass er der ideale Kandidat für diesen Posten sei. Er verfüge über eine mehr als ­dreissigjährige Erfahrung in ­verschiedensten Kaderfunktionen im öffentlichen Verkehr, sei kompetent und geniesse im Verwaltungsrat, der Geschäfts­leitung wie auch bei der Belegschaft hohes Vertrauen.

«Bruno Stehrenberger soll die Möglichkeit haben, zuerst eine Auslegeordnung zu machen, ­bevor er sich den Medien stellt», sagt Hunkeler. Er habe jetzt eine andere Optik: Bisher sei er ­Mitglied der Geschäftsleitung gewesen, neu trage er die Gesamt­verantwortung für die ganzen BVB.

Der 53-Jährige stiess 2016 zu den BVB. Er übernahm zuerst die Leitung der Abteilung Infrastruktur und wechselte später in die Abteilung Verkehr, wo er für rund 800 Mitarbeiter verantwortlich war. Dazu gehörte auch das gesamte Fahrpersonal. Wie sein Vorgänger Erich Lagler und der frühere BVB-Verwaltungsratspräsident Paul Blumenthal hat auch Bruno Stehrenberger eine berufliche Vergangenheit bei den SBB. Dies passt nicht ­allen. «Ich erachte einen SBB-­Manager als nicht geeignet, einen städtischen Verkehrsbetrieb zu führen. Es braucht Herzblut, um die BVB wieder auf Kurs zu bringen», sagte SP-Grossrat und Verkehrsspezialist Jörg Vitelli unlängst in der «Basellandschaftlichen Zeitung». Immerhin wird Stehrenberger, der jetzt im Kanton Bern wohnt, für seine neue Funktion als Direktor nach Basel ziehen, wie die BVB mitteilen.

Schwerpunkt Mitarbeiter

Die hohe Unzufriedenheit des Personals ist eine der grössten Baustellen innerhalb der BVB. Darauf werde der neu gewählte Direktor auch den Schwerpunkt legen, heisst es im Communiqué. Zudem wolle er die Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern weiterentwickeln und den Dialog mit Vertreterinnen und ­Vertretern der Politik ausbauen.

Dieser letzte Punkt ist zwingend nötig – das Vertrauen der Politik in die BVB ist stark gestört. Das zeigen die aktuellen Diskussionen über die Zukunft des Verkehrsunternehmens. Man solle die BVB wieder in die kantonale Verwaltung eingliedern, fordern die einen. Andere wiederum wünschen sich eine Fusion mit der BLT. Aber alle sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann.

Dazu sagt Hunkeler: «Wir ­mischen uns nicht in politische Prozesse ein. Uns geht es einzig darum, die beste Lösung für die BVB zu finden.» Sie spüre aber, dass durch die anspruchsvolle Situation in den vergangenen Wochen der Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung und auch die Belegschaft noch näher zusammengerückt seien.

Basler Zeitung

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