BVB organisierte Luxusreisen für «Goldhelme»

Eine Kadergruppe um den gefeuerten Direktor Jürg Baumgartner durfte auf Kosten der Basler Verkehrsbetriebe aufs Jungfraujoch. Derweil schaltet der ehemalige BVB-Vize einen Anwalt ein.

«Top of Europe»: Unter der Leitung von Jürg Baumgartner wollten die BVB hoch hinaus – wie hier aufs Jungfraujoch, wo ein Kaderanlass stattfand.

«Top of Europe»: Unter der Leitung von Jürg Baumgartner wollten die BVB hoch hinaus – wie hier aufs Jungfraujoch, wo ein Kaderanlass stattfand.

(Bild: Keystone)

Jungfraujoch, nichts Geringeres als das «Top of Europe» sollte es sein: Zu den Besten wollten die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) unter ihrem mittlerweile gefeuerten Direktor Jürg Baumgartner gehören, die «Champions League» sollte es sein. Standesgemäss ging es deshalb im Frühling 2012 zu einem zweitägigen Workshop nach Grindelwald, an dem sich die Kader der BVB mit Fragen der «langfristigen Ausrichtung der Unternehmung» beschäftigen sollten, wie die BVB auf Anfrage mitteilen.

Kostenpunkt des Kurztrips in die Alpen mit einem Ausflug auf das Schweizer Wahrzeichen Jungfraujoch: 50'000 Franken. Mit dabei waren Jürg Baumgartner besonders gut gesinnte Kader der BVB, wie das Unternehmen weiter zugibt. Die Gruppe der sogenannten «Goldhelme» setzte sich aus Kadermitarbeitern der BVB zusammen, welche «als besonders wichtig im Rahmen des Veränderungsprozesses angesehen wurden». Der BVB-Elitetruppe der «Goldhelme» gehörten rund 80 Personen aus dem Kader an, wie die BVB weiter mitteilen.

Drei Tage Bodensee

Der Begriff der «Goldhelme» geht zurück auf den wegen Sexvorwürfen mittlerweile fristlos entlassenen Jürg Baumgartner, der früher als aktiver Eishockeyspieler in der Nationalliga B spielte. Im Eishockey wird laut den BVB demnach ein «Topskorer» bezeichnet, der durch einen goldenen Helm als solcher erkennbar ist. (Heute heissen sie Postfinance-Topskorer.)

Auch in diesem Jahr gönnte sich die BVB-Führungsriege einen Kurztrip auf Geschäftskosten: Diesmal ging es für drei Tage an den Bodensee, genauer: ins deutsche Konstanz. Dort beschäftigten sich die «Goldhelme» der BVB erneut mit der «langfristigen Ausrichtung des Unternehmens» und «Führungsfragen». Der im Frühjahr 2013 durchgeführte Workshop kostete beinahe doppelt so viel wie die zweitägige Reise nach Grindelwald: Der Ausflug an den Bodensee schlug mit rund 90'000 Franken zu Buche, wie die BVB auf Anfrage mitteilen.

«Feuer und Flamme»

Der letzte bekannte Anlass, den die BVB durchführten, fand nach der Grundsteinlegung am 7. November des Neubaus Werkareal im Dreispitz statt. Eingeladen waren dieses Mal jedoch nicht nur die Kader: Rund 100 Mitarbeitende des Bereichs Infrastruktur des interimistischen Direktors Michael Bont nahmen am Anlass mit dem Namen «Feuer und Flamme» teil. Gemäss BVB handelte es sich beim Event um den «Kick-off-Anlass für den Veränderungsprozess im Hinblick auf die Zusammenführung der Infrastrukturbereiche».

Dieser Anlass hätte somit am Anfang der «prozessorientierten Neuorganisation des Bereichs Infrastruktur» gestanden, der parallel zum Neubau umgesetzt wird. Mit dem Anlass hätten alle Mitarbeitenden des Bereichs die Möglichkeit erhalten, sich «im Hinblick auf den Veränderungsprozess» ausserhalb des Tagesgeschäfts kennenzulernen und auszutauschen, sagen die BVB. Der Anlass sei ein «Zeichen der Wertschätzung und Zusammenführung im Rahmen des Neubauprojekts» gewesen, so die BVB weiter. Kostenpunkt des Events «Feuer und Flamme»: 40'000 Franken.

Keine «Goldhelme» mehr

Gemäss einem anonymen BVB-Mitarbeiter fand der Anlass «ohne erkenntlichen Grund statt, um die Stimmung unter den Mitarbeitern von Michael Bont zu verbessern». «Die Aufwendungen waren finanziell hoch, unverhältnismässig hoch», kritisiert der Mitarbeiter der BVB den Anlass «Feuer und Flamme» weiter. Mit solchen Anlässen soll jetzt aber vorläufig Schluss sein: Die BVB geloben Besserung und betonen, dass unter der neuen Führung um Interims-Direktor Michael Bont Kaderanlässe «zweifellos in bescheidenerem Rahmen» durchgeführt würden. Die vergangenen Anlässe seien «teuer» gewesen, sagen die BVB.

Auch die BVB-Elitetruppe der «Goldhelme» wird es nach dem Rauswurf von Direktor Jürg Baumgartner wohl nicht mehr lange geben: So habe die BVB-Geschäftsleitung unter der Leitung von Michael Bont beschlossen, «die Kaderorganisation auf eine neue, transparentere Basis zu stellen», teilen die BVB auf Anfrage mit. Im Klartext heisst das: «Goldhelme» werde es keine mehr geben, beteuern die BVB. Und damit wohl auch keine Luxusreisen in die Alpen.

Basler Zeitung

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