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Bundesrat Alain Berset feiert das Kleinbasel

Der Vogel Gryff hat am Samstag in Basel tausende Schaulustige angelockt. Bundesrat Alain Berset grüsste als Ehrengast die Schildhalter der drei Kleinbasler Ehrengesellschaften.

Das Floss mit dem Wild Maa passiert die mittlere Brücke. An Bord als Ehrengast ist Bundesrat Alain Berset.
Das Floss mit dem Wild Maa passiert die mittlere Brücke. An Bord als Ehrengast ist Bundesrat Alain Berset.
Keystone
Der Vogel Gryff und der Leu begrüssen den Wild Maa nach dessen Talfahrt auf dem Floss.
Der Vogel Gryff und der Leu begrüssen den Wild Maa nach dessen Talfahrt auf dem Floss.
Keystone
Der Leu zeigt vor dem 3E-Spielchef Andreas Lehr (links) und Bundesrat Alain Berset (Mitte) seinen Tanz.
Der Leu zeigt vor dem 3E-Spielchef Andreas Lehr (links) und Bundesrat Alain Berset (Mitte) seinen Tanz.
Keystone
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Es ist alles gleich und doch ein wenig anders an diesem kalten, grauen Morgen des Vogel Gryff. Wie immer gründeln Schwäne am Kleinbasler Rheinufer, oberhalb der Schwarzwaldbrücke. Das erwartungsvolle Kin­derge­schrei hallt über den Fluss. Und Kajak-Fahrer rudern flussaufwärts.

Doch den Besitzern des zweiten Galgens unterhalb des Wild-Maa-Horstes ist etwas nicht ganz geheuer: Diesmal stehen auf dem Rhein zwei Boote statt nur eines der Schifffahrtspolizei in Bereitschaft. Und oben rund um den Wild-Maa-Horst ist die Polizei in weitaus grösserer Zahl präsent als in anderen Jahren. «Es muss ein besonderer Gast einge­laden sein», schliessen sie daraus.

Wenige Minuten später wissen es alle: Bundesrat Alain Berset ist mit dem Weibel beim Wild-Maa-Horst eingetrof­fen. Fröhlich ruft die Mitbesitze­rin des Galgens: «Der Vogel Gryff ist halt doch ein sehr wichtiger Brauch; er wird von einem Bundesrat besucht – im Gegensatz zur Muba.» Gelächter unter den Galgen-Gästen.

Kanone bleibt still

Alles läuft an diesem Tag fast wie am Schnürchen. Das Floss mit dem Wilden Mann, den Tambouren und Bannerträgern stösst rechtzeitig ab – im Heck der Kähne Alain Berset und weitere Gäste. Es wehen die Fahnen, es ruessen die Trommler, es tanzt der Wilde Mann, es knallen die Böllerschüsse.

Das Kleinbasel im Bann des Vogel Gryffs. Video: Dominik Heitz

Doch dann nach der Wettsteinbrücke beginnt, was später unter den eingefleischten Vo­gel-Gryff-Besuchern das Tagesgespräch werden sollte: Die Ka­none vorne rechts tut nicht mehr, wie sie sollte. Ihre Stimme versagt. Sie macht bei jedem Schuss viel Rauch, der Donner aber bleibt aus. Und – oh, Jammer – gerade unter der Mittleren Brücke, wo es immer so richtig krachen sollte, bleibt sie still.

Dafür legt das Floss zum Klang der Glocke im Käppelijoch sauber beim Steg des Kleinen Klingentals an. Hier wird der Wilde Mann vom Leu und Vogel Gryff empfangen. Hier findet der erste grosse Ansturm der Kinder auf den Wilden Mann statt, denn die Äpfel an seinem Kopf- und Lendenkranz sind beliebte Jagdtrophäen.

Und hier findet auch der erste Tanz der drei Wappenhalter der Kleinbasler Ehrengesellschaften statt. Er gilt Alain Berset und Raymond Schmid, Meister zum Greifen. Die Gesellschaft hat in diesem Jahr den Vorsitz. Im Turnus sind an­schlies­send die Gesellschaft zum Rebhaus mit dem Leu (13. Januar) und danach die Gesellschaft zur Hären mit dem Wilden Mann (20. Januar) an der Reihe. Dass der Vogel Gryff in diesem Jahr am 26. und nicht am 27. Januar stattfindet, hat übrigens seinen Grund: Wenn der Vogel Gryff auf einen Sonntag fällt, wird er auf den Samstag vorverlegt.

Fahnenschmuck

Das Publikumsaufkommen ist trotz des trostlosen Wetters gross. Vor allem Familien mit Kindern drängen sich um das Spiel der drei Ehrenzeichen und um die vier Ueli, die schon seit 9 Uhr auf den Beinen sind, um mit ihren klappernden Büchsen Geld zu sammeln. Und an jeder Ecke entdeckt man Gesellschaftsbrüder der drei Ehrengesellschaften, erkennbar an ihren schwarzen Hüten und den dunklen Mänteln.

Ganz grosses Gedränge herrscht um 12 Uhr auf der Mittleren Brücke, die – zum zweiten Mal, aber eine Woche zu früh – auf Kleinbasler Seite mit den Bannern der drei Ehrengesellschaften und auf Grossbasler Seite mit Baselstab-Fahnen geschmückt worden ist. Hier beim Käppelijoch erweist das Spiel – mit dem Rücken zum Grossbasel und zum Lällekönig – dem 3E-Spielchef Andy Lehr die Reverenz.

Gleichzeitig beginnen sich die gegen 450 Gesellschaftsmitglieder vor dem Hotel Merian zu sammeln. Denn um 12.10 Uhr geht es in einem Cortège, musikalisch begleitet von der 3E-Clique, ins Congress Center beim Messeplatz. Dort findet das mehrstündige Gryffe-Mähli statt, zu dem in diesem Jahr nicht nur Bundesrat Alain Berset, sondern auch weitere Gäste wie Nationalrätin Silvia Schenker, der elsässische Kabarettist Roger Siffer oder etwa der Olympiasieger und Ruderweltmeister Lucas Tramèr eingeladen sind.

Grossbasler Antwort

Das Spiel selber hat an diesem Mähli zwar auch seinen Auftritt, ist aber sonst nicht dabei. Es zieht den ganzen Tag tanzend durch das Kleinbasel; diesmal vor allem durchs Hirzbrunnen-Quartier.

Fast unbemerkt macht sich auf der anderen Rheinseite ebenfalls ein Spiel auf den Weg. Es ist die Lälli-Zunft. Mit fünf Fähnrichen und ein paar Tommlern zieht sie um 12.20 Uhr vom Rheinsprung durch Grossbasels Gassen. Es ist seit Jahren schon die Grossbasler Antwort auf den Vogel Gryff.

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