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Bordell im Haus für künstliche Befruchtung

An der Vogesenstrasse 132/136 gibt es seit Jahren ein Etablissement – jetzt stören sich die Anwohner daran.

Frisch saniert. Vor dem Gebäude sind gelegentlich Geräusche von sexuellen Dienstleistungen hörbar.
Frisch saniert. Vor dem Gebäude sind gelegentlich Geräusche von sexuellen Dienstleistungen hörbar.
Nicole Pont

Das Stöhnen einer Frau ist eindeutig zu hören. Es kommt aus einem Fenster an der Vogesenstrasse 132 und 136. Dort befindet sich auch der Eingang zur Reproduktionsmedizin und gynäkologischen Endokrinologie der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel. Allerdings stammen die Geräusche nicht von der Abteilung für künstliche Befruchtung. Vielmehr dürften sie aus dem dritten Stock kommen, wo wohl ein Mann mit einer Frau zu Gang ist. Auf dieser Etage befindet sich seit rund zehn Jahren die «Mona Lisa Consult GmbH», ein Bordell.

Einige Bewohner der Liegenschaft stören sich an diesem Etablissement. Eine Anwohnerin, sie möchte ihren Namen in der BaZ nicht lesen, beklagt sich über das zuweilen «laute Gestöhne». Zudem würde sie manchmal Anrufe von Freiern erhalten, die sich in der Nummer verwählten und sie selber für Liebesdienste anfragten. «Ich wäre froh, wenn das Etablissement schliessen und da stattdessen anständige Leute einziehen würden», sagt die Frau.

Ein anderer Bewohner, auch er will anonym bleiben, ekelt sich vor dem Rauch von Haschisch, das auf dem Balkon des Bordells konsumiert werde und bei ihm hereinziehe. Am meisten aber täten ihm die Kinder leid, die gleich vis-à-vis des Eingangs der «Mona Lisa Consult GmbH» wohnten. «Es gehen hier viele fremde Leute ein und aus und es sind auch schon Männer mit Frauen im Treppenhaus gesessen. Es ist nicht das Beste, wenn ein Bordell in einem Miethaus untergebracht ist.»

Freier klingelt bei Nachbarn

Ein weiterer Anwohner sagt zur BaZ, dass die Frauen das Lokal zwar nicht nackt, aber zumindest leicht bekleidet verlassen würden und so auch draussen auf der Terrasse stünden. Er spricht von «unangenehmen Situationen», die ihm in dem Haus immer wieder begegneten. So sei es auch schon vorgekommen, dass die Freier bei ihm, anstatt bei «Mona Lisa», geklingelt hätten und um Einlass baten.

Nichts von dem Erotikstudio im Haus mitbekommen hat das Zentrum für künstliche Befruchtung der Universität Basel bis vor wenigen Wochen. Wie Sprecher Thomas Pfluger auf Anfrage erklärt, sei erst kürzlich eine Mitarbeiterin von einem Nachbarn auf die sexuellen Dienstleistungen angesprochen worden. Pfluger: «Allerdings hat es keine Auffälligkeiten, Störungen von Patienten und Mitarbeitenden gegeben und auch keine Reklamationen.»

Bordelle benötigen Bewilligungen

Im Kanton Basel-Stadt brauchen Erotiksalons gemäss dem Bau- und Gastgewerbeinspektorat (BGI) «grundsätzlich eine Bewilligung». Das ist seit einer Praxisänderung von 2014 unter SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels der Fall, der gegen die Salons eine härtere Gangart anwendet. Diese Praxis hat im Oktober 2014 nach Rekursen auch das Appellationsgericht mittels eines Urteils betreffend eines Salons in der Dornacherstrasse bestätigt.

Mit der Einführung der Bewilligungspflicht für eine Umnutzung des Wohnraums zu sogenannten «Sexbetrieben» wollen die Behörden den Anwohnern die Möglichkeit für Einsprachen gegen die Erotiksalons bieten. Bewilligungsfrei ist gemäss BGI-Sprecher André Frauchiger einzig, wenn sich eine Frau in ihrer eigenen Wohnung prostituiert.

Letzteres dürfte für das «Mona Lisa» wohl nicht zutreffen, denn das Etablissement erstreckt sich über zwei Wohnungen im dritten Stock und die Webseite lockt die Kundschaft mit zehn Liebesdienerinnen an.

Keine Bewilligung

Bis anhin musste der Salon aber noch keine Bewilligung als «Sexbetrieb» einholen, wie aus dem Kantonsblatt hervorgeht. Doch dies könnte sich nun ändern. Wie die BaZ weiss, haben BGI-Kontrolleure von dem Etablissement einen Augenschein genommen und die vom Baugesetz erforderlichen Schritte eingeleitet. Mit anderen Worten: Das Bordell braucht jetzt wohl eine Bewilligung. Frauchiger schweigt zu diesem Sachverhalt auf Anfrage, da es sich um ein «laufendes Verfahren» handle.

Das BGI könnte einen möglichen Bewilligungsantrag für eine Umnutzung der Wohnfläche zum «Sexbetrieb» wohl ablehnen. Denn das frisch sanierte Gebäude liegt gemäss Wohnanteilplan in einer Zone, in der auf keinem Stockwerk Gewerbe getrieben werden darf. Aufgrund dessen wäre das Studio Mona Lisa nicht bewilligungsfähig. Wie es aus diesem Gesichtspunkt mit dem Reproduktionszentrum der Universität Basel aussieht, konnte Frauchiger gestern nicht beantworten.

Mieter sollen Briefe schreiben

Aus der Mieterschaft heisst es hingegen, dass der Abwart des Gebäudes die Mieter kürzlich dazu aufgefordert habe, Klagebriefe gegen das «Mona Lisa» zu verfassen. Wie ein Mieter sagt, möchten die Liegenschaftseigentümer der Betreiberin des «Mona Lisa» kündigen und bräuchten dazu Gründe.

Die BaZ wollte gestern zwei der drei Eigentümer, einen ehemaligen Fussballprofi und Trainer des FC Basel, sowie dessen Geschäftspartner befragen. Für eine Stellungnahme waren beide nicht erreichbar. Ebenso nimmt die Verwaltung der Liegenschaft auf Anfrage keine Stellung, wie es mit dem Bordell nun weitergehen soll.

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