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Das Biozentrum wird zur Hypothek

Der neuste Komplex der Universität Basel im St. Johann wird bis zu 110 Millionen Franken teurer als geplant. Wegen Pfusch am Bau muss die Eröffnung auf 2021 verschoben werden.

Mit über vierjähriger Verspätung soll das neue Biozentrum 2021 eröffnet werden. Foto: Dominik Plüss
Mit über vierjähriger Verspätung soll das neue Biozentrum 2021 eröffnet werden. Foto: Dominik Plüss

Dieses Jahr produzierte der Neubau des Biozentrums der Universität Basel vor allem eines in zuverlässiger Regelmässigkeit: Negativschlagzeilen.

Im April meldete die «Basler Zeitung», die Metallhaut des Gebäudes müsse teilweise abgetragen werden. Die eingebauten Storen waren, kaum montiert, bereits defekt.

Im Mai liess die Nachricht von einem Rohrbruch und Wasserschäden aufhorchen. Die Feuerwehr musste einschreiten. Im Sommer war von neuen «Baumängeln, Schadensfällen und Planungsfehlern» die Rede.

Die Kosten waren ebenfalls ein Thema. Das Biozentrum, dessen Gesamtprojektkosten auf 338 Millionen Franken veranschlagt werden, «könnte bis zu 60 Millionen Franken teurer werden», schrieb die BaZ im Juli.

Am Dienstag haben vier Regierungsräte aus Basel-Stadt und Basel-Landschaft als Bauherren und Mitglieder des Biozentrum-Lenkungsausschusses bestätigt, was in den vergangenen Monaten in Bruchstücken an die Öffentlichkeit durchgesickert ist: Die «ungewöhnliche Häufung von ausserordentlichen Ereignissen» wird den Terminkalender durcheinanderbringen.

Das 73 Meter hohe Gebäude an der Ecke Spitalstrasse/Pestalozzistrasse im St.-Johann-Quartier mit seinen 40 Labors kann erst 2021 – statt wie geplant 2017 – den Forschern und Studierenden übergeben werden.

«Schlaflose Nächte»

Auch die Buchhaltung ist in Schieflage geraten. Die Mehrkosten liegen deutlich über den erwarteten 60 Millionen Franken. «Im besten Fall sind es 70, im schlimmsten Fall 110 Millionen Franken», sagte Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements.

Der Magistrat, der Probleme gerne wegzulachen pflegt, blieb gestern durchwegs ernst. «Ich bin nun seit fast elf Jahren Baudirektor», sagte Wessels, «der Neubau des Biozentrums ist das einzige Projekt, das mir schlaflose Nächte bereitet hat.»

Der Lenkungsausschuss hat die Pleiten und Pannen in einem Papier dokumentiert. Die Liste, die zeigt, warum der Neubau zum Problemfall geworden ist, nimmt fast kein Ende.

Folgende Vorkommnisse sind darin festgehalten: «Rekurs eines Generalunternehmers», «Konkurs der Firma Elektronorm», «Schadenfall Sanitär», «Schadenfall Brandschutz», «Umplanung von Laborquadranten (Änderung des Belegungsplans durch Nutzer)», «Wasserschaden infolge undichter Druckverteilplatte Beton», «Wasserschaden infolge eines undichten Schlammsammlers», «Wasserschaden infolge eines undichten Heizregisters Lüftung», «technische Störung beim Sonnenschutz», «Wasserschaden infolge des Spülprozesses in den Laboren», «Verstärkter Vandalismus auf der Baustelle (Lift, Türen, Gläser)».

Wessels sprach von einer «Pechsträhne, wie wir sie noch nie erlebt haben». Der Neubau des Biozentrums sei «hochkomplex und anspruchsvoll», rechtfertigte sich auch der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber. Man habe «in vielen Bereichen nicht auf verlässliche Erfahrungswerte zurückgreifen können», wie das beim Erstellen grosser Gebäude sonst üblich sei.

Externer Anwalt

Im weitgehend fertiggestellten Komplex werden derzeit die technischen Anlagen installiert und getestet. Gleichzeitig laufen die politischen Aufräumarbeiten.

Laut der Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind wurde die Projektleitung mit Spezialisten verstärkt. Sie sollen sich unter anderem um 47 hängige Versicherungsfälle mit einer Schadensumme in Höhe von 14 Millionen Franken kümmern. Die Rechtsabteilung des Basler Bau- und Verkehrsdepartements hat zur Unterstützung einen externen Rechtsanwalt beigezogen. Er muss sich um Nachtragsforderungen von Sanitär- und Elektrofirmen kümmern. Mit ihnen möchte sich Basel-Stadt als federführende Bauherrin «möglichst in gegenseitigem Einvernehmen einigen», wie gestern beteuert wurde.

Die Finanzdepartemente beider Basel müssen zudem eine Strafaufgabe erledigen. Der Lenkungsausschuss hat sie beauftragt, das Drama nach Abschluss des Projektes mit einer externen Expertise aufzuarbeiten und zu analysieren. So sollen Lehren für die Zukunft gezogen werden.

Bleibt die Frage nach dem lieben Geld. Die Uni Basel als Eigentümerin des Neubaus möchte nicht, dass die Mehrkosten an ihrem Globalbudget nagen.

Grosses Versprechen

Ulrich Vischer, Präsident des Universitätsrats, deutete deshalb an, das Globalbudget, das der Grosse Rat jeweils für eine Mehrjahresperiode genehmigt, müsse erhöht werden. «Ich hoffe auf das Verständnis des Parlaments», sagte Vischer.

Beim Neubau gehen also das Prinzip Hoffnung und ein grosses Versprechen Hand in Hand: «Das Biozentrum kann 2021 eröffnet werden», sagte Erziehungsdirektor Conradin Cramer. Und Gschwind doppelte nach: «Wir werden Sie bald zur Eröffnung einladen können.»

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