Beinahe so etwas wie Kunst am Bau

Ein 1:1-Modell zeigt, wie die Fassade des Kunstmuseum-Neubaus dereinst aussehen könnte. Die Arbeiten für den Erweiterungsbau beginnen im Juni mit dem Abriss des Burghofs.

Stein auf Stein: An der Ecke des Burghofs ragt eine Backsteinmauer-Ecke hervor – das Fassadenmodell für den Erweiterungsbau des Kunstmuseums.

Stein auf Stein: An der Ecke des Burghofs ragt eine Backsteinmauer-Ecke hervor – das Fassadenmodell für den Erweiterungsbau des Kunstmuseums.

(Bild: Henry Muchenberger)

Dominik Heitz

Gegen drei Meter hoch und beidseits einen Meter breit: An der Ecke des Burghofs ragt seit gestern eine Backsteinmauerecke hervor. Beinahe wie Kunst am Bau sieht das Mauerwerk vis-à-vis des Kunstmuseums an der Dufourstrasse aus. Kunst ist es nicht, aber auch nicht weniger als Handwerkskunst. Sauber und nach einem ausgeklügelten Muster haben die Maurer die gebrannten Steine in Flensburger Format Stück für Stück aufeinandergeschichtet – einmal mit der Längs-, einmal mit der Querseite nach vorne. Die untersten Steine sind in dunklem, die obersten in hellem Grau gehalten. Dazwischen findet ein Farbtonverlauf statt.

Die Eckwand ist nichts anderes als ein Mock-up, so der englische Fachjargon, eine Attrappe, eine Maquette, eine Nachbildung – ein 1:1-Modell, das zeigt, wie die Struktur und die ineinander verlaufenden Grautöne der Fassade des Kunstmuseum-Neubaus aussehen könnten. Das Projekt dieses Neubaus stammt vom Architekturbüro Christ und Gantenbein und nimmt in Gestaltung und Farbgebung Bezug zum alten Museumsbau.

Begutachtung bei Tageslicht

Gestern haben Vertreter von Christ und Gantenbein das Mock-up begutachtet. «Im Büro haben wir bereits drei kleinere Muster von Wandstücken gemacht und verschiedene Steintypen und Farbverläufe ausprobiert», sagt Jennifer Schmachtenberg, Architektin und im Büro Christ und Gantenbein zuständig für Fassade und Oberlichter des Museumsbaus. Nun sollen anhand eines 1:1-Modells an Ort und Stelle – und bei Tageslicht – die Fassadenstruktur sowie die Farbtöne und deren Verlauf beurteilt werden.

Natürlich verbildlichen heutzutage die Architekturbüros vieles über computergenerierte oder gar computeranimierte Formate. Doch am besten kritisch beurteilen lassen sich Details eines Bauprojekts anhand von Mock-ups. In dieser Beziehung sehr weit getrieben hatte es seinerzeit die Fondation Beyeler. Bevor der Museumsbau in Riehen in Angriff genommen wurde, diente ein 1:1-Modell so gross wie ein Einfamilienhaus auf einer Grundfläche von 100 Quadratmetern als Workshop, in dem man Materialien und Formen ausprobieren konnte.

Abbruch beginnt im Juni

Was den Neubau des Kunstmuseums angeht, so wird auch die Lichtführung genau untersucht. Es ist deshalb ein Mock-up für die Oberlichterdecke errichtet worden, das sich laut Jennifer Schmachtenberg in einer Halle in Allschwil befindet. Lange wird es nicht mehr bei diesen 1:1-Modellen bleiben. Im Juni 2012 soll der Burghof abgerissen werden. Ein Jahr später ist Baubeginn, und im Jahr 2015 soll das neue Museumsgebäude fertig sein. Die Eröffnung ist für 2016 geplant. Sie soll eine der letzten grossen Amtshandlungen von Bernhard Mendes Bürgi werden; danach geht der Direktor des Kunstmuseums in Pension.

Der Neubau soll die Sonderausstellungen des Kunstmuseums beherbergen und besteht aus zwei Ausstellungstürmen. Diese werden auf vier Etagen grössere und kleinere Ausstellungsräume aufweisen. Der Bereich zwischen diesen Türmen ist für die Erschliessung des Gebäudes, das heisst für grosszügige Treppen, Lift, Infrastruktur reserviert. In den beiden unteren Geschossen sind die Ausstellungsräume gross dimensioniert, sodass sie Sonderschauen aufnehmen können, ohne dass – wie bisher – die Sammlungsbestände ausgeräumt werden müssen.

Basler Zeitung

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