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Behörden verpassen Pro Velo einen Korb

Grossräte und Lobbyisten stören sich daran, dass bei Baustellen für Velos keine Umleitungen signalisiert sind. Die Verwaltung hält das für zumutbar.

Bei der Baustelle am St.-Alban-Graben müssen Velofahrer ihr Gefährt in Richtung Wettsteinbrücke schieben.
Bei der Baustelle am St.-Alban-Graben müssen Velofahrer ihr Gefährt in Richtung Wettsteinbrücke schieben.
Nicole Pont

Der Steinenberg zwischen Barfüsserplatz und Bankverein war vor kurzem gesperrt. Die Baustelle mit den Gräben reichte weit auf die Fahrbahn hinaus, sodass nur noch Trams passieren durften. Velofahrer – für die der Steinenberg eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und Bahnhof ist – wurden von Verkehrslenkern darauf hingewiesen, ihre Velos über das Trottoir vorbei am Tinguely-Brunnen zu schieben. Eine weitere Baustellensituation präsentiert sich beim St.-Alban-Graben, wo die Arbeiten für den Bau des Kunstmuseumparkings begonnen haben und die ganze Strasse gesperrt ist. Auch hier muss das Velo auf dem Trottoir geschoben werden.

Für Roland Chrétien, Geschäftsführer von Pro Velo beider Basel, sind solche Situationen unhaltbar. «Basel will eine Velostadt sein. Da sollten wir den Velofahrenden den roten Teppich ausbreiten. Die Polizei sollte schauen, dass für Situationen wie am Steinenberg und im St.-Alban-Graben Umleitungen für Velofahrer signalisiert werden. Schliesslich handelt es sich um wichtige Verbindungsstrassen zwischen der Innenstadt und dem Bahnhof.» Beim Steinenberg, so Chrétien, sei die Situation unglücklich signalisiert gewesen.

«Für viele Velofahrer war nicht klar, ob sie mitgemeint waren oder nicht. Zudem konnte man mit einem Veloanhänger kaum einen Fussgänger auf dem Trottoir kreuzen.» Gemäss Chrétien hätte die Situation einfach verbessert werden können, indem man beim Barfüsserplatz eine Umleitung signalisiert hätte. Sein Vorschlag: die Umleitung durch die Streitgasse vorbei am Café Huguenin zu führen und über ein kurzes Stück die Freie Strasse hinauf zum Bankverein respektive durch die Bäumleingasse zur Wettsteinbrücke zu ­leiten. Damit wäre auch die ­Baustelle des Parkhauses im St.-Alban-Graben einfach zu umfahren. Voraussetzung wäre allerdings die Öffnung der Freien Strasse.

Rechtzeitig signalisieren

Kommen die Velofahrer vom Zolli her, schlägt Chrétien vor, dass sie zwischen dem Stadttheater und dem Restaurant Besenstiel ein kurzes Stück im Fahrverbot fahren dürften, um hinauf über den Klosterberg in den Bereich Bankverein zu gelangen. Ein Problem ist auch beim Dorenbachviadukt aufgetaucht, wo eine Sperrung für Velofahrer besteht und nicht an den richtigen Orten signalisiert wurde. «Dort hätten die Behörden rechtzeitig informieren und eine Umfahrung ausschildern müssen. Nicht erst dort, wo die Strasse gesperrt war.» Er hat sich bezüglich Steinenberg und St.-Alban-Graben auch an die Baustellenpolizei gewendet und erfahren, dass die Umleitungen einen politischen Entscheid benötigten. Chrétien: «Wir sind aber der Meinung, dass hier ein unbürokratischer und rascher Regierungsentscheid zugunsten einer velofreundlichen Lösung nottäte.» Der für Baustellen zuständige Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) gibt den Ball allerdings an die Verkehrspolizei weiter. Und der dafür zuständige Polizeidirektor Baschi Dürr (FDP) verweist auf eine Interpellation von Aeneas Wanner (GLP), die von seiner Behörde abschlägig beantwortet wurde.

Eine Umleitung für den Steinenberg sieht die Verkehrspolizei nur via Erdbeergraben und Margarethenstrasse, die sich in der Nähe des Zolli befinden, gegeben. Damit wäre aber ein grosser Umweg verbunden, und deshalb wurde darauf verzichtet. Die Behörden finden es zumutbar, dass die Velofahrer ihr Velo den Steinenberg hinauf schieben.

Fussgänger bevorzugt

Keine Umleitung ist laut der schriftlichen Antwort auf Wanners Interpellation durch die Streitgasse und durch die Freie Strasse möglich. Der Fall sei klar: «Die Fussgängerzonen sind den Fussgängern vorbehalten.» Daher wurde von einer temporären Umleitung durch die Freie Strasse abgesehen.

Gar von einer gefährlichen Situation ist die Rede beim Klosterberg, wo Einbahnverkehr herrscht. «Eine temporäre Aufhebung des Einbahnverkehrs für Velofahrende im Klosterberg wäre mangels Übersicht und aufgrund der unzureichenden Fahrbahnbreite gefährlich.»

Dass die Behörden bei der Velofahrersignalisation untätig wären, lässt die Interpellationsantwort nicht gelten. Wanner sieht das anders. Zwar würde die Verwaltung immer wieder betonen, dass sie besser für die Velofahrer schaue. Aber, so Wanner: «Leider dauern diese vielversprechenden Worte kaum bis zur nächsten Baustelle.»

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