Basler Wirte ärgern sich über leere Tische in ausgebuchten Lokalen

Gerade in der für die Gastronomie so wichtige Weihnachtszeit bleiben viele reservierte Tische in ausgebuchten Restaurants leer – Tendenz zunehmend. Gegenmassnahmen wären allerdings nicht nur für fernbleibende Gäste unangenehm.

Warme Stube: Nicht alle reservierten Restaurant-Tische sind am Ende des Abends auch besetzt worden – das kommmt auch in der «Baracca Zermatt» vor.

Warme Stube: Nicht alle reservierten Restaurant-Tische sind am Ende des Abends auch besetzt worden – das kommmt auch in der «Baracca Zermatt» vor.

(Bild: zVg)

Simon Lutz ist genervt. «Gestern waren das ‹Acqua› wie die ‹Baracca Zermatt› bis auf den letzten Platz ausgebucht. Doch in der ‹Baracca› sind dann zwei Tische mit sechs und acht Personen leer geblieben und im ‹Acqua› ein Sechstertisch.» Lutz muss somit einen Ausfall von 20 Personen hinnehmen und dies zu einer der besten Gastro­zeiten, wenn nämlich wegen der Weihnachtsessen viele Lokale Abend für Abend ausgebucht sind. Mindestens theoretisch laut Reservationsliste. In der Praxis bleiben reservierte Tische ­immer öfters leer, ohne dass die Gäste ihre Reservation stornieren.

Als Betreiber von «Acqua» und «Baracca Zermatt» hat Simon Lutz natürlich bei den ausgebliebenen Gästen nachgefragt. «In einem Fall meinte der Gast, er habe so früh im Vorfeld reserviert, dass er den Termin ganz vergessen habe, und ein anderer sprach von plötzlich krank gewordenen Freunden.» Allgemein werde eine Reservation in ­einem Restaurant nicht mehr als verbindlich angenommen, meint Lutz. Und im Nachhinein mit faulen Ausreden begründet. Doch diese Haltung stellt ihn vor Probleme, weil er einen reservierten Tisch am selben Abend kaum mehr spontan besetzen kann. Zumal in angesagten Restaurants wie dem «Acqua» und der «Baracca», wo es ohnehin nicht so leicht ist, kurzfristig einen Platz zu bekommen.

Schaden für Restaurants

Simon Lutz überlegt nun, ob er bei künftigen Reservationen gleich eine Kreditkartennummer verlangen oder einen Unkostenbeitrag einfordern soll, wenn die Gäste ohne Abmeldung ausbleiben. Sympathisch sind ihm solche Massnahmen nicht. «Doch irgendwie muss ich mich gegen diesen neuen Trend wehren, der unserem Gewerbe schadet», erklärt er.

Auch Jérome Beurret vom Restaurant Rhyschänzli kennt diese sogenannten No-Shows – Gäste, die trotz Reservation nicht auftauchen. «Es nützt dann auch nichts, eine Nummer zu verlangen, weil die dann sogar falsch ist», sagt der Wirt. Auch sein Lokal ist in der Adventszeit meistens ausgebucht und das Geschäft sollte eigentlich bestens laufen. Doch neben ausbleibenden Gästen klagt Beurret auch über Gruppen, die plötzlich schrumpfen. «Da hat sich beispielsweise eine Gruppe mit 29 Personen zum Abendessen angemeldet, doch gekommen sind schliesslich nur 21 und niemand fand es für nötig, uns darüber zu informieren.» Der frei gewordene Achtertisch hätte sofort einen Ab­nehmer gefunden, wenn dies Beurret rechtzeitig gewusst hätte.

Schon ein leerer Vierertisch kann schaden

Auch der «Rhyschänzli»-Wirt denkt darüber nach, den Gästen eine Pauschale für das Menü zu verrechnen, wenn sie unabgemeldet nicht erscheinen. «Es ist einfach nicht richtig, wenn Reservationen getätigt werden und die Gäste dann ausbleiben. Vor allem in einem kleineren Restaurant hat das einschneidende Folgen für den Betrieb, dem so ein wichtiger Umsatz entgeht», meint Jérôme Beurret.

Auch andere Lokale in Basel klagen über das unfeine Gästeverhalten, das ­ihnen viel Aufwand, aber keinen Ertrag bringt. «Das Problem der No-Shows hat zugenommen», stellt Maurus Ebneter, der Vorstandsdelegierte des Basler Wirte­verbandes, ebenfalls fest. «Im Dezember sind die Restaurants oft ausgebucht und dann kann der Wegfall von einem Vierertisch für ein kleineres Lokal bereits ein enormer Schaden sein», betont er. Doch die Gäste für diesen Schaden zu Kasse zu bitten, sei rechtlich sehr schwierig. «Die Reservationen werden ja meistens telefonisch gemacht, und da ist es schwierig zu beweisen, wer einen Tisch für wie viele Personen bestellt hat.»

Kreditkarte als Garantie

Im Nachhinein könne dann von einem Missverständnis oder von einer Verwechslung des Datums gesprochen werden. «Am Schluss hat aber immer der Wirt den Schaden und ihm tut es weh, wenn er einen Tisch nicht besetzen kann. Solche Verluste sind unwiederbringlich», sagt Maurus Ebneter. Grössere Lokale würden in der Hochsaison ihre Kapazitäten überbuchen, in der Annahme, dass doch nicht alle Gäste kommen. «Doch wenn dann trotzdem alle erscheinen, sind die Gäste wieder genervt, wenn ihr Tisch nicht sofort frei ist und sie noch an der Bar warten müssen.»

An Verhältnisse wie in London oder New York mag der Delegierte des Wirteverbandes Basel-Stadt vorerst nicht denken. Dort wird bei einer Reservation sofort nach einer Kreditkartenangabe gefragt und allenfalls ein bestimmter Betrag abgebucht, wenn der Gast nicht erscheint. Zudem fragen Mitarbeiter des Lokals einen Tag zuvor auf der angegebenen Nummer nochmals nach, ob die Reservation bestehen bleibt – erst dann ist sie wirklich gültig. Doch das bedeutet für die Restaurants wieder einen zusätzlichen administrativen Aufwand. Simon Lutz wünscht sich da eine pragmatische und einfache Lösung: «Es ist doch heute keine Sache mehr, mit dem Handy kurz anzurufen und eine ­Reservation abzusagen oder die Zahl der Gäste genau zu definieren.»

Basler Zeitung

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