Basler Schüler verlieren den Anschluss

Nicht einmal die Hälfte der Basler Schüler genügt in Mathematik. Aber auch bezüglich der Sprachkompetenzen erreichen sie weniger als in fast allen anderen Kantonen.

Basler Schüler: Sie können zwar kein Mathe oder Französisch, dafür aber Fasnacht. Foto: Keystone/ Georgios Kefalas

Basler Schüler: Sie können zwar kein Mathe oder Französisch, dafür aber Fasnacht. Foto: Keystone/ Georgios Kefalas

Roland Stark

Die Ergebnisse der ersten schweizerischen Erhebung von Grundkompe­tenzen in der Volksschule, mit Verzögerung von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) publiziert, haben die Öffentlichkeit erstaunt und aufgeschreckt. Nun können wir uns ein Bild machen, wie gut die Sechstklässler ihre Schulsprache beherrschen, wie weit sie im Lernen der ersten Fremdsprache sind und wie viel an Mathematik bei Sekundarschülern am Ende der Schulzeit hängen geblieben ist.

Die Untersuchung offenbart grosse kantonale Differenzen. Die NZZ wählt einen drastischen Titel: «Katastrophales Zeugnis für die Basler Schulen». Und fasst dann zusammen: Die Schüler aus Freiburg, Wallis und Appenzell Innerrhoden beweisen sowohl bei Mathematik wie bei den Sprachen überdurchschnittliche Kompetenzen. Am unteren Ende der Skala finden sich beide Basel und Solothurn. ­Besonders augenfällig ist das schlechte Abschneiden der Schüler aus Basel-Stadt, wo in Mathematik nicht einmal die Hälfte der Schüler genügt, wo aber auch bezüglich der Sprachkompetenzen weniger erreicht wurde als in fast allen anderen Kantonen.

Weder die soziale Herkunft noch die zu Hause gesprochene ­Sprache noch der Migrationsstatus sind entscheidend für das Erreichen der Kompetenzen.

Als Ausrede tischt Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) gebets­mühlen­artig die schwierige Zusammen­setzung der städtischen Schülerschaft auf. Die EDK allerdings lässt diese Erklärung nicht gelten: «Die Analysen zeigen», hält sie fest, «dass die unterschiedlichen Anteile nicht oder nur zu einem äusserst geringen Teil auf die Schülerzusammensetzungen zurückgeführt werden können.» Weder die soziale Herkunft noch die zu Hause gesprochene ­Sprache noch der Migrationsstatus sind demnach entscheidend für das Erreichen der Kompetenzen. Defekt ist das System.

Gegen den ausdrücklichen Rat zahlreicher Fachleute wurde zuerst der Französisch- dann auch noch der Englischunterricht in die Primarschule verlegt. Nun zeigt sich, wenig überraschend: Viele Primarschülerinnen und Primarschüler sind mit zwei Fremdsprachen heillos überfordert. Dabei wird erst noch übersehen, dass für einen erheblichen Teil der Schülerschaft die Standardsprache Deutsch ebenfalls eine Art Fremdsprache ist. Der Erziehungswissenschaftler Carl Bossard lobt die Appenzeller: «Sie verlegten den Französischunterricht von der Primar- in die Sekundarstufe und unterrichten hier mit hoher Kadenz. Sie befreiten die Primarschule von Französisch und gewannen Zeit fürs Kernfach Deutsch.»

Anders gesagt: besser zuerst scharfzüngig Deutsch als vielzüngig, aber ungenau! Viele erfahrene Lehr­personen wissen das. Doch die ­Bildungspolitik hört nicht auf sie. («NZZ am Sonntag», 22.6.2019)

Oder mit den Worten von Marcel Proust: «Die Wirklichkeit dringt nicht in die Welt des Glaubens.»

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