Basler Jugendliche sind immer cleaner

Der jüngste Suchtbericht zeigt: Alkohol, Marihuana und Zigaretten sind bei Minderjährigen zunehmend out. Ganz anders das Wasserpfeiferauchen. Unterschiede gibt es zwischen den Schultypen.

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Mischa Hauswirth

Jugendzeit, Ausprobierzeit. Suchtfachleute wissen, dass gerade in der Pubertät ab 14 Jahren die Neugierde auf die Wirkung von Nikotin, Alkohol, Marihuana oder psychoaktive Substanzen besonders hoch ist. Die Adoleszenz gilt als eine «Lebensphase, die geprägt ist durch gesteigerte Experimentierfreudigkeit und Neugierde, verbunden mit einem niedrigen Gefahrenbewusstsein», heisst es dazu im «Jugendgesundheitsbericht 2019», der am Montag erschienen ist. Oft bleibe es aber beim Ausprobieren, nur ein kleiner Teil der Jugendliche entwickle schon früh einen problematischen Suchtmittelkonsum.

Die Basler Jugendlichen zeigten sich in jüngster Vergangenheit weit weniger experimentierfreudig in Sachen Alkohol und Tabak oder illegalen Substanzen als auch schon, wie die Analyse einer Befragung von Schülern der 9. Klasse in Basel-Stadt hervorgeht. Über einen Zeitverlauf von elf Jahren geht der Konsum von Zigaretten, Cannabis und Alkohol sogar merklich zurück. «Aktuell haben 88 Prozent der Schüler noch nie Zigarette geraucht und 85 Prozent noch nie Cannabis konsumiert», heisst es im Bericht. «E-Zigaretten haben 31 Prozent der Schüler schon einmal ausprobiert, regelmässig werden diese jedoch selten geraucht. Rund 39 Prozent aller Schüler hatten schon einmal Kontakt zu Alkohol.»

Innerhalb der Basler Schülerschaft berichteten männliche Schüler von einem höheren Suchtmittelkonsum als ihre Mitschülerinnen, etwas, das seit Jahren bekannt ist und sich mit internationalen Studien vergleichen lässt.

Arabische Rauchgewohnheiten nehmen zu

Für die Jahre 2016 und 2017 wurde erstmals nach dem Konsum von weiteren psychoaktiven Suchtmitteln und Medikamenten gefragt, gemeint sind Schnupftabak, Snus, Wasserpfeife, Ecstasy, Heroin, Kokain, Beruhigungsmittel sowie andere Medikamente. Der Konsum dieser Substanzen war unter den Schülerinnen und Schülern insgesamt gering, so der neue Bericht. Ecstasy, Heroin und Kokain wurden von keinem der Jugendlichen regelmässig konsumiert. Auch die Tabakprodukte Snus und Schnupftabak waren wenig verbreitet.

Wasserpfeiferauchen hingegen steigt in der Beliebtheit: 24,3 Prozent der Jugendlichen gaben an, schon einmal an einer orientalischen Schlauchpfeife gezogen zu haben; regelmässiges Wasserpfeiferauchen jedoch war eher selten.

Auch nationale Erhebungen zeigen eine Zunahme des Konsums von Wasserpfeife insbesondere bei der jüngeren Altersgruppe. Die Gefahr: «Durch den aromatisierten Tabak kann das Wasserpfeiferauchen eine schmackhafte Einstiegsdroge zum Zigaretterauchen darstellen», hält der Bericht fest. Dass Wasserpfeifen neben Nikotin mindestens 82 weitere schädliche, teilweise krebserregende Substanzen enthalten, sei vielen Jugendlichen nicht bewusst.

Kiffen hat Reiz verloren

Obwohl die Gegner einer Lockerung des Cannabisverbotes unermüdlich von negativen Folge für die Minderjährigen warnen, würde ein Abgabemodell eingesetzt, zeigt sich bei den Schülern eine Abnahme des Cannabiskonsums. 85 Prozent der Jugendlichen hatten im Jugendgesundheitsbericht 2016/2017 angegeben, noch nie Cannabis probiert zu haben. Die Cannabisabstinenz hat damit seit gut zehn Jahren kontinuierlich zugenommen. Abgenommen hat demzufolge auch der Anteil jener Schüler, die in der Befragung angaben, in den vergangenen 30 Tagen einmal oder mehrere Male gekifft zu haben. Auch hier sind es vor allem junge Männer, die Marihuana konsumieren. In nationalen Erhebungen ist der problematische Cannabiskonsums bei 15- bis 24-Jährigen seit 2004 rückläufig.

E-Zigaretten sind out

Auch Alkohol und Tabak verlieren an Attraktivität. Der positive Trend zu einem Rückgang des Zigarettenkonsums bei Jugendlichen in Basel-Stadt deckt sich mit nationalen und europäischen Erhebungen zum Rauchverhalten bei Jugendlichen. Auch E-Zigaretten üben weniger Faszination aus als in den vergangenen Jahren. Rund 94 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben an, in den vergangenen 30 Tagen keine E-Zigaretten geraucht zu haben; nur ein Schüler hielt in der Befragung fest, täglich E-Zigaretten zu konsumieren, das sind 0,1 Prozent der befragten Schüler. Auch beim Alkohol sind es vor allem die Jungen, die deutlich mehr konsumieren als die gleichaltrigen Mädchen.

WBS-Schüler mit leicht höherem Konsum

In der Befragung wurde auch der Schultyp festgehalten, den die Jugendlichen besuchten. Untersucht wurde der Zigaretten-, Cannabis- und Alkoholkonsum von WBS-Schülern und Gymnasiasten; es zeigten sich zudem Unterschiede beim Konsum von nikotinhaltigen Suchtmitteln, Cannabis und Alkohol zwischen den damaligen Schulformen Weiterbildungsschule (WBS) und Gymnasium. Bei den Gymnasiasten gab es mit 91,3 Prozent mehr Jugendliche, die noch nie geraucht hatten, als unter den Schülern der WBS (85,5 Prozent). Ebenso hatten weniger Gymnasiasten schon einmal E-Zigaretten ausprobiert. Anders indes beim Cannabiskonsum: «Unter den Gymnasiasten haben mit 17,5 Prozent schon mehr Schüler Cannabis ausprobiert als unter den Schülern der WBS mit 13,5 Prozent», hält der Bericht fest.

Der aktuelle Gesundheitsbericht zum Suchtmittelkonsum der Jugendlichen liefere wertvolle Anhaltspunkte für noch stärker zielgruppenspezifische Präventionsangebote. Männliche Jugendliche in Basel-Stadt zeigten in Übereinstimmung mit Beobachtungen in nationalen und internationalen Erhebungen einen höheren Suchtmittelkonsum (Alkohol, Cannabis, E-Zigaretten). Durch die gewonnenen Informationen sei die Steuerung von Präventionsprojekten nun gezielter möglich, so die Autoren des Berichts.

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