Basler Innenstadt – «Keine Autos, keine Passanten, keine Geschäfte»

Die darbende Basler Innerstadt sei die Konsequenz der auto- und gewerbefeindlichen Politik von Parlament und Regierung, sind viele Online-Leser überzeugt.

Immer mehr Läden machen die Schotten dicht. Foto: Dominik Plüss

Immer mehr Läden machen die Schotten dicht. Foto: Dominik Plüss

Alexander Müller@mueller_alex

Der Niedergang der Basler Innenstadt bewegt die Leser. In einer ausufernden Diskussion haben sie auf baz.ch nach Gründen gesucht. Für viele ist klar: Schuld ist die autofeindliche Basler Verkehrspolitik.

«Keine Autos, keine Passanten, keine Geschäfte», bilanziert Stef Meier. «Nebst dem Abbau von Parkplätzen sorgt Bau­direktor Hans-­Peter Wessels noch mit seinem millionenteuren Umstellen der Verkehrsampeln dafür, dass die Autos der Innenstadt fernbleiben.» Nik Novak stösst ins gleiche Horn und beklagt den täglichen Parkplatzabbau: «Basel hat nur ein Interesse, seine Bussenpolizei loszuschicken: um Parkbussen zu generieren. Wem nützt eine autofreie Innenstadt, die menschenleer ist? Wessels und Co. müssen endlich aufhören, Basel zu zerstören.

Pro und Contra autofrei

Dass es anders gehen könnte, beweise Lörrach, schreibt Hans Peter Heusser: «Dort stehen ähnliche Geschäfte an bester Lage, das Parking ist fünf Schritte entfernt, und der Laden ist voll. Dort sind auch Auswärtige mit Auto willkommen, ganz im Gegensatz zu Basel. Also weicht man aus und geht in die Zentren rund um Basel.»

Gerade das Beispiel ­Lörrach provoziert jedoch auch Widerspruch, schliesslich sei die dortige Shoppingmeile eben auch autofrei, argumentieren mehrere Leser, wenngleich diese im Vergleich zu Basel sehr klein sei. «Die autofreie City ist eine absolute Voraussetzung für eine attraktive Fussgängerzone. Wie zum Beispiel Lörrach, Freiburg, Stuttgart, München, Barcelona haben alle attraktiven Citys eine verkehrsfreie Flaniermeile.» Michael Trümmer setzt noch einen drauf: «Die ewig gestrigen Autofahrer möchten am liebsten einen Drive-in-Globus.»

Kaum Ideen vorhanden

Neben dem Verkehrsdilemma werden andere Probleme der Innenstadt diskutiert. Und immer wieder landen die Leser bei Entscheidungen der Basler Regierung. «Mit Staatsgeldern baute man zwei Shuttle-Trams in billigere Einkaufszonen im nachbarschaftlichen Ausland», kritisiert Andreas Meyer den grenz­überschreitenden Ausbau der Tram­linien 3 und 8. Meyer sieht ­weitere entscheidende Fehler im Nein zu längeren Ladenöffnungszeiten, was ebenfalls der ausserkantonalen Konkurrenz und dem Onlinehandel zugutekomme.

Viel kritisiert wird auch der Zustand der Innenstadt: «Jede andere Zone ist der Regierung wichtiger. Etwa die Party-Meile am Rheinufer oder die Gentrifizierung der Aussenquartiere. Die einzige Idee zur Belebung: ein Hundepark.» Andreas Meyer spielt dabei auf den Vorschlag von Regierungsratskandidatin Tanja Soland (SP) an, die vor einigen Jahren auf dem Marktplatz einen Hundepark einrichten wollte und damit für viel Spott sorgte.

Freude soll aufkommen

Andere kritisieren den schmuddeligen Basler Bahnhof, «Randständige, die in der Innenstadt biwakieren» und die mit Bausünden verschandelte City, alles Faktoren, die das Einkaufserlebnis schmälern. Heide Decurtins schreibt dazu: «Sind wir alle schon so abgestumpft, dass wir diese Missstände einfach geduldig entgegennehmen? Ist die Basler Regierung eigentlich taub und blind? Schade um diese ­ehemals schöne Stadt.»

H. Flueck versteht nicht, dass Pro-Innerstadt-Geschäftsführer Mathias Böhm auf den neuen Bodenbelag setzt: «Zuerst gibt es drei Jahre Dauerbaustelle. Das werden einige Geschäfte schon gar nicht überleben. Und warum sollten dann die Leute in die Stadt? Wegen dem Boden? Träumen Sie weiter...» Er erwartet von Pro Innerstadt mehr Innovation: «Weniger Trämmli, die die Stadt unaufhörlich belärmen, mehr Gastro, mehr Lebensfreude und Action – es muss wieder Freude machen, in die Stadt zu gehen und Freunde zu treffen!»

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