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Basler greifen vermehrt zu den Waffen

In der Region nehmen die Waffenerwerbsscheine markant zu – der Schützenverband ist besorgt.

Begehrte Schiesseisen. In den beiden Basel haben die Behörden vermehrt Waffenerwerbsscheine an die Bürger ausgestellt.
Begehrte Schiesseisen. In den beiden Basel haben die Behörden vermehrt Waffenerwerbsscheine an die Bürger ausgestellt.
Keystone

Schusswaffen gehören fast schon zur Schweiz wie der Emmentaler, die Banken und das Matterhorn. Zwei Millionen Gewehre, Pistolen und andere Feuerwaffen horten Herr und Frau Schweizer zu Hause. Von dieser Zahl ging jedenfalls der Bundesrat vor vier Jahren aus. Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) rechnet jedoch mit einer weit höheren Anzahl an Waffen in privaten Haushalten, da alle vor 2008 erworbenen, verschenkten oder geerbten Waffen nicht registriert werden müssen.

Bei den eidgenössischen Waffenbesitzern handelt es sich meistens um Sammler, Sportschützen, ehemalige oder aktive Wehrdienstpflichtige. Doch auch normale Bürger wollen sich vermehrt eine Schusswaffe zulegen: Das zeigen Recherchen dieser Zeitung. Hat man in Liestal vor fünf Jahren nur knapp 800 Gesuche für den Kauf von Schusswaffen bewilligt, waren es im letzten Jahr bereits doppelt so viele. «Im vergangenen Jahr wurden 1651 Erwerbsscheine ausgestellt», teilt die Baselbieter Polizei auf Anfrage mit. Im Jahr zuvor hatten 1479 Personen einen Erwerbsschein erhalten.

Mit diesem Papier, ausgestellt durch die kantonalen Polizeibehörden, ist es jeder Person möglich, bis zu drei Waffen zu kaufen – für die Munition braucht es keine Bewilligung. Der Käufer darf wahlweise Pistolen, Revolver, Vorderschaftrepetierer (Pump Actions) oder auch Halbautomatische Gewehre erwerben. Verboten sind Serienfeuerwaffen. Einmalig zahlt man in der Schweiz 70 Franken für einen Waffenerwerbsschein. Der Preis setzt sich aus dem Antrag auf einen Strafregisterauszug beim Bundesamt für Justiz (20 Franken) und den Betriebsgebühren der kantonalen Verwaltung (50 Franken) zusammen.

Eine Waffe auf jeden fünften Basler

Diesen geringen finanziellen Aufwand haben in den letzten Jahren auch vermehrt Baselstädter auf sich genommen. 2017 haben die Behörden 560 Erwerbsscheine ausgestellt. Das sind rund 220 mehr als noch vor fünf Jahren. Hinzu kommen 108 Erwerbsscheine, die an die Angestellten des Polizeikorps gingen. «Die Kantonspolizei hat im Vorjahr das Korps mit einer neuen Waffe ausgerüstet. 108 Polizeiangehörige in Basel-Stadt haben vom Angebot der Polizei Gebrauch gemacht, die alte Dienstwaffe privat erwerben zu können. Dafür mussten sie – wie alle Privatpersonen – einen Waffenerwerbsschein beantragen», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz.

Wie die Polizei weiter mitteilt, wurden seit 1970 bis heute 35'757 bewilligungspflichtige Schusswaffen, verteilt auf 12'481 Basler, registriert. In der Relation zur Kantonsbevölkerung macht das eine Schusswaffe auf jeden fünften Basler. Leiter Kommunikation Justiz- und Sicherheitsdepartement Martin Schütz konstatiert jedoch, dass diese Zahlen nicht unbedingt aktuell seien: «Es kann sein, dass Personen im Waffenbesitz mittlerweile verstorben oder aus dem Kantonsgebiet weggezogen sind.» Einmal gemeldet, muss die Waffe jedoch nicht neu registriert werden.

Eigentlich müsste man ja annehmen, dass auf dem Lande eher mal eine Waffe benötigt wird. Aber im Vergleich zum Baselbiet sind die Stadtbasler schwerer bewaffnet. Im Nachbarkanton kommt man bei 24'500 registrierten Pistolen und Gewehren auf eine Waffe für jeden elften Baselbieter.

Gefährliche Unkenntnis

Weiter gibt es in beiden Basel eine hohe Dunkelziffer, da nicht alle Waffen registriert wurden. Zudem gilt für Repetiergewehre wie die alten Armeekarabiner oder Jagdgewehre keine Bewilligungs-, sondern lediglich eine Meldepflicht. Problematisch ist jedoch, dass der Käufer einer Waffe keine Kenntnisse im Umgang mitbringen muss. «Das ist so, als würde man ein Auto kaufen, ohne überhaupt Auto fahren zu können», sagt ein Schützenvereinsmitglied. Üblicherweise lernen die Schweizer den Umgang mit scharfen Waffen in der Grundausbildung der Armee oder bei den zahlreichen Schützenvereinen, die die Tradition des Schiesswesens und den Umgang mit der Waffe pflegen.

Einen Zulauf an neuen Sportschützen verzeichnen die kantonalen Schützenverbände nicht. Im Gegenteil. «Wir haben seit einiger Zeit einen Rückgang an Schützen», sagt Walter Harisberger, Präsident der Kantonalschützengesellschaft Baselland. Wie erklärt er sich also die Zunahme an Waffenerwerbsscheinen? « Ich kann da nur mutmassen. Die Zeiten sind unsicherer geworden, wie man es aus der Presse vernimmt.» Deshalb würden sich die Leute Waffen kaufen. «Meiner Meinung nach ist das keine positive Entwicklung. Ich finde es nicht sinnvoll, wenn sich die Menschen aus Sicherheitsbedenken bewaffnen.»

Dasselbe meint auch Benjamin Haberthür, Präsident des Basler Schützenverbandes: «Für unsere Sicherheit sorgen die Polizei- und Militärbehörden – also der Staat.» Sich selber zu bewaffnen, sei nicht die richtige Lösung. Beide heben hervor, dass das Wissen rund um die Waffe notwendig sei, um verantwortungsvoll damit umgehen zu können – Schützenvereine würden da Hilfe anbieten.

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