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Basels «verbotene Stadt» öffnet sich

Auf dem abgeschotteten ehemaligen Chemieareal, auf dem heute über 30 Firmen ansässig sind, will der Kanton bis zu sechs Hochhäuser erstellen – eine Besichtigung.

Martin Furrer
Das Geviert «Rosental Mitte» zwischen dem Badischen Bahnhof und dem Messeplatz. Bild: Bau- und Verkehrsdepartement BS
Das Geviert «Rosental Mitte» zwischen dem Badischen Bahnhof und dem Messeplatz. Bild: Bau- und Verkehrsdepartement BS

In Basel gibt es eine Art «verbotene Stadt» – ein Geviert zwischen Schwarzwaldallee, Rosental-, Matten- und Maulbeerstrasse, genannt «Rosental Mitte». Gitter und Mauern versperren Passanten den Zugang zu diesem Areal zwischen Messe und Badischem Bahnhof.

Besucher müssen an der Pforte bei der Mattenstrasse 24a einen Ausweis vorlegen und eine Sicherheits-Vereinbarung unterschreiben. Dann öffnet sich die Schranke. Willkommen in einer unbekannten Welt.

Die Strassen auf dem Gelände haben keine Namen. Irgendwo stehen zwei Tanks mit Stickstoff. Ein Schild warnt: «Rauchen verboten». In der Nähe befindet sich ein Laborgebäude. Hinter seinen Fenstern bewegt sich nichts. Der Bau steht leer.

Neues Leben

Ist hier die Zeit stehen geblieben? Im Gegenteil. Über 30 grössere und kleinere Firmen – von der Agrexis AG über Alltech, Sunrise, TÜV Süd Schweiz AG bis zur Valorec Services AG – haben hier ihre Büros mit 3500 Arbeitsplätzen. Die Uni und die Fachhochschule Nordwestschweiz betreiben auf dem Gelände Forschung. 2016 kaufte die Stadt Basel das Areal der Syngenta ab. Der Agrarkonzern hat am Ort, nun als Mieter, weiterhin seinen Schweizer Hauptsitz.

Jetzt plant der Kanton Grosses. Auf seinem ältesten Chemieareal, ab 1885 Stammsitz der Firma Geigy, wo Farbstoffe, Fungizide und Insektizide produziert wurden, soll neues Leben entstehen. «Wir möchten das geschlossene Areal öffnen und städtische Freiräume schaffen», sagte Baudirektor Hans-Peter Wessels am Freitag bei einer Begehung für die Medien.

Pierre de Meuron erläutert das Rosental-Modell. Foto: Lucia Hunziker
Pierre de Meuron erläutert das Rosental-Modell. Foto: Lucia Hunziker

Die scheidende Finanzdirektorin Eva Herzog versprach: «In den nächsten Jahren werden hier neuer Wohnraum für rund 2000 Personen und bis zu 3500 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.» Kantonsbaumeister Beat Aeberhard drückte es so aus: «Das Areal ist prädestiniert für neue, urbane Dichte.»

Im Auftrag des Baudepartements hat ein Planerteam um das Büro Herzog & de Meuron ein Leitbild verfasst. Darin wird skizziert, wie «Rosental Mitte» in einen für alle zugänglichen Stadtteil mit Restaurants, Cafés, einem neuen Rosentalplatz und Grünflächen verwandelt werden könnte, auf dem gewohnt, gearbeitet und gelebt wird.

«Das Areal soll schrittweise nach allen Seiten hin geöffnet werden», sagte Architekt Pierre de Meuron. Unter anderem könnte die Sandgrubenstrasse, die heute nur noch ein Stummel ist und an einem Metallzaun endet, wieder geöffnet und zur Achse aufgewertet werden, die das Rosental von Süd nach Nord durchquert. Diverse Bauten, darunter ein ehemaliges Verwaltungsgebäude, werden bleiben. Andere dürften Neuem weichen.

Keine Lärmkonflikte

Bis zu sechs Hochhäuser könnten auf dem Areal dereinst in den Himmel wachsen, laut Aeberhard maximal 160 Meter hoch. Es gehe aber keineswegs darum, einer architektonischen Typologie den Boden zu ebnen, «die alles andere erdrückt», sagte de Meuron.

Dass auf dem Rosental-Areal Hochhäuser stehen, ist im Moment eine Vision, aber noch lange keine beschlossene Sache. Und ob Herzog & de Meuron dort selber bauen werden, ist laut Aeberhard auch noch nicht entschieden.

So könnte der Rosentalplatz dereinst aussehen. Visualisierung: Herzog & de Meuron
So könnte der Rosentalplatz dereinst aussehen. Visualisierung: Herzog & de Meuron

Bei der Transformation des Lysbüchel-Areals im Gebiet Volta Nord wurden Ängste laut, Gewerbe und Mieter könnten sich wegen Lärmemissionen in die Quere kommen. Beim Rosental-Areal seien Lärmkonflikte jedoch «absolut undenkbar», sagte Wessels. Schliesslich handle es sich bei den Arbeitsplätzen um Büros und Labors der Life-Science-Branche. Forschung macht keinen Lärm.

Belastetes Aushubmaterial

Aeberhard sagte: «Es stinkt und raucht nicht auf dem Rosental, Wohnen und Arbeiten sind hier kompatibel.» Und de Meuron meinte: «40-Tönner fahren hier nicht ein und aus.»

Bleibt die Frage nach Altlasten, die bei den Bauarbeiten Probleme bereiten könnten. Im städtebaulichen Leitbild heisst es dazu: «Eine langjährige Grundwasserüberwachung hat für den heutigen Zustand keine Gefährdung identifiziert und wurde eingestellt. Bei den Baumassnahmen wird der Zustand jedoch verändert. Es ist mit belastetem Aushubmaterial sowie einer erneuten Grundwasserüberwachung während der Bauzeit zu rechnen.»

Die «verbotene Stadt» wird in ein paar Jahren gleichwohl zum offenen Quartier werden – in den Worten von Beat Aeberhard ein «attraktiver Anziehungspunkt für die gesamte Bevölkerung».

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