Der kriminellste Kanton der Schweiz

Laut Statistik geschehen in Basel am meisten Straftaten. Die Reaktionen sind gemischt.

Die Webergasse im Kleinbasel bei Nacht. (Symbolbild)

Die Webergasse im Kleinbasel bei Nacht. (Symbolbild)

(Bild: Jerome Depierre)

Eigentlich waren es gute Nachrichten, die gestern in Neuenburg verkündet wurden: Die Kriminalität in der Schweiz ist im letzten Jahr weiter gesunken. Die Zahl der Straf­delikte sank um 4,1 Prozent auf noch rund 470'000. Das sei der tiefste Wert seit der Statistikrevision im Jahr 2009, teilte das Bundesamt für Statistik (BFS) gestern mit.

Basel tickt allerdings anders. Im Unterschied zum nationalen Trend wurde eine Steigerung um 1 Prozent registriert. Damit belegt Basel neu den Spitzenplatz in Sachen Kriminalität: Pro 1000 Einwohnern kam es 2016 zu 110,1 Delikten. Der zweitkriminellste Kanton ist Genf mit 107,1 Delikten, gefolgt von Neuenburg (75,1), Waadt (70,5) und Zürich (59,8). Das Baselbiet ist mehr als halb so kriminell wie der Partnerkanton: Hier beläuft sich die Deliktrate pro 1000 Einwohner bloss auf 42,1.

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Kritik von SVP, SP zurückhaltend

Führte 2015 noch Genf die negative Statistik an, so ist es nun also die Metropole in der Nordwestschweiz. In einer ersten Reaktion reagiert der Basler SVP-Vizepräsident und Grossrat Eduard Rutschmann sarkastisch: «Vor einem Jahr habe ich gesagt, die Basler Regierung verfolge das Ziel, bei der Kriminalität den obersten Tabellenrang zu erobern. Jetzt ist es gelungen. Sie verstehen, wenn ich jetzt nicht laut applaudiere», sagt er zur BaZ.

Anders tönt es aufseiten der Linken. SP-Grossrat Thomas Gander, er ist Mitglied der Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission (JSSK), mahnt zur Zurückhaltung. «Ich bin vorsichtig bei der Sofortinterpretation von Statistiken, und schon gar nicht lässt sie mich zu Schnellschüssen für Massnahmenvorschläge verleiten. Sicherlich hat Basel als Stadt- und Grenzkanton besondere Voraussetzungen. Für weitere Schlüsse gilt es die Auswertung seitens des Justiz- und Sicherheitsdepartements abzuwarten.» Und Andrea Strahm, Präsidentin der CVP, erklärt: «Wir sollten angesichts der neuen eidgenössischen Statistik nicht gleich Schwarzmalerei betreiben.» Die entscheidende Frage sei doch, inwiefern die Sicherheit der Bevölkerung direkt betroffen ist.

Wie Gander will auch Strahm ihr Augenmerk auf die kantonale Kriminalitätsstatistik richten. Diese stellt die Basler Staatsanwaltschaft heute vor.

Laut BFS ist die Kriminalität insgesamt zwar rückläufig. Um 3,6 Prozent zugenommen haben in der Schweiz jedoch schwere Gewaltstraf­taten. Verantwortlich dafür ist vor allem der Anstieg bei den Vergewaltigungen um 11 Prozent auf 588. Die Zahl der Delikte gegen die sexuelle Integrität ist auch insgesamt um 8 Prozent auf 7329 gestiegen. Die versuchten Tötungsdelikte haben um 33 Prozent zugenommen: 45 Menschen kamen dabei ums Leben. In vier von zehn Fällen geschah dies im häuslichen Bereich.

Sehr viele Velodiebstähle

Auf die Region bezogen lässt sich festhalten, dass Basel-Stadt auch in diesem Punkt auf der unrühmlichen Pole-­Position steht. Ob Tätlichkeit, Drohung, Körperverletzung oder Gewalt und Drohung gegen Beamte: Am Rhein sind die Werte prozentual die höchsten. Bei Diebstählen und Einbrüchen wird Platz 3 hinter Genf und Waadt belegt. Extrem ist die Situation bei den Velodiebstählen: Hier eilt Basel den anderen Kantonen etwa gleich weit voraus wie der FCB seinen Konkurrenten in der Liga.

Auffallend ist ferner die beachtliche Zunahme bei den Drogendelikten. 2015 wurden im Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelgesetz 3257 Straftaten registriert. 2016 waren es in Basel-Stadt 3708. Der Unterschied beträgt satte 14 Prozent. Ein Ausreisser gegen oben zeigt sich beim Ausländergesetz: 2016 gab es 2630 Straftaten. Das entspricht einem Plus von 55 Prozent.

Mehr Kontrollen, mehr Verstösse

JSSK-Mitglied und LDP-Grossrat André Auderset äussert in einer Ersteinschätzung Lob für die Basler Ordnungshüter. Man dürfe sich nämlich nicht täuschen lassen. «Gerade im Fall von Basel-Stadt ist sehr viel Hol-Kriminalität im Spiel: Weil die Polizei vermehrt kontrolliert, wurden im Bereich Drogen und illegale Aufenthalte mehr Verstösse registriert. Da müssen wir aufpassen, dass wir eine positive Entwicklung – die intensivierte Polizeitätigkeit – nicht ins falsche Licht stellen.»

Problematisch sei hingegen die Entwicklung bei den Gewaltdelikten. «Hierzu möchte ich bei der Präsentation der Basler Kriminalstatistik genauere Angaben erhalten, was die Gründe sind und inwiefern Handlungsbedarf besteht», sagt Auderset.

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ck/sda

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