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Basel wird gebraten

In der Stadt ist es so heiss, dass die Klimaanlagen der Trams versagen und man Dinge tun kann, die man sonst nie tut. Ein Rundgang und ein Experiment.

Am Donnerstag war es am Aeschenplatz möglich, auf einem Ofenblech am Boden ein Spiegelei mit Speck zu braten. Ein Versuch unter brennender Sonne und auf glühendem Asphalt.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung, die Stadt erwacht. Das SRF-«Regionaljournal» berichtet: «Basel hat eine Tropennacht hinter sich.»

Ein Blick aufs Thermometer zeigt: nur 24 Grad. Alles halb so schlimm. Einzig der Kaffee ist heiss. Dann sickert die erste Schweissperle über die Stirn.

Um neun Uhr liegt der ­Aeschenplatz da wie ein fiebriger Patient. Wärme wabert vom Asphalt den Körper hinauf wie eine giftige Wolke. Jetzt sind es schon 27 Grad. Man ahnt, dass da noch mehr kommen wird.

Trügerisches Lüftchen

Bei der BaZ meldet sich ein Leser. Er klagt über «Bruthitze» in den Trams: «Viele Passagiere sind einem Hitzekollaps nahe, weil die Klimaanlagen falsch eingestellt sind.» Wir fragen die BVB: «Warum schaffen Sie es nicht, die Trams zu kühlen?»

Gegen Mittag weht ein leichter Wind durch die Strassen. Es ist ein trügerisches Lüftchen, das einem vorgaukelt, das Fieber sei bald verweht und vergessen. Doch die Sonne brennt auf das Münster herab, als wolle sie nachholen, was Erdbeben und Feuersbrünste nicht geschafft haben: die Sandsteinmauern zu zerstören.

Oben auf dem Georgsturm, es ist zwölf Uhr mittags, zeigt das Thermometer mittlerweile 30 Grad. Der Blick wandert über die dampfende Stadt zu den umliegenden Hügeln. Sie wirken gelblich, verdorrt. Vielleicht sind sie bald ganz verbrannt.

Schwimmer treiben den Rhein hinunter, Flüchtlinge vor der Glut. Den dunstigen Himmel durchkreuzt ein Flugzeug. Bestimmt ist es dort drin so ­angenehm wie in der Krypta des Münsters: 25 Grad.

Der Asphalt flimmert

Zwei Stunden später bleiben inder Aeschenvorstadt die Schuhe am Asphalt kleben. Das ­Thermometer hat die Marke von 38 Grad erreicht.

Die Antwort der BVB trifft ein. «Die Klimaanlagen laufen derzeit auf dem Maximum und kommen teils an ihre Grenzen», teilt Sprecherin Sonja Körkel mit. «Das Bundesamt für Verkehr gibt uns vor, dass wir die Fahrzeuge maximal fünf bis sieben Grad unter die aktuelle Aussentemperatur kühlen dürfen. Das hat zur Folge, dass es bei 35 Grad Aussentemperatur im Tram noch immer etwa 30 Grad warm ist.»

Körkel schreibt: «Es kann passieren, dass die Klimaanlage, wenn sie ausfällt, warme, feuchte Luft von draussen ansaugt. Als Fahrgast hat man dann das Gefühl, im Tram würde geheizt statt gekühlt. Solche Vorfälle bei dieser ausserordentlichen Hitze bedauern wir sehr.»

Es ist kurz vor halb drei, die Strahlen der Sonne fühlen sich auf der Haut an wie Rasier­messer, die einen Menschen entzweischneiden könnten.

Der Asphalt flimmert. Zeit für ein Experiment. Wir legen ein Ofenblech auf die Traminsel beim Aeschenplatz. Schnell ist es so heiss, dass man sich daran die Finger verbrennt. Dann legen wir ein aufgeschlagenes Ei und ein paar Scheiben Speck darauf. Bald beginnt das Eiweiss zu gerinnen, und das Eigelb wird hart.

Das Spiegelei wurde gebraten. Basel wurde gebraten. Um Viertel vor acht Uhr abends war es am ­Aeschenplatz noch immer 37 Grad warm.

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