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Basel und kein Bundesrat

Wenn Basel dereinst wieder im Bundesrat vertreten sein möchte, sollte die hiesige Politszene damit beginnen, einen Kandidaten aufzubauen.

Aus der guten alten Zeit der Schwarzweiss-Fotografie: Der letzte Bundesrat, den Basel gestellt hat, war vor gut 50 Jahren Jahren Hans Peter Tschudi (zweiter von links). Die Aufnahme datiert aus dem Jahr 1965.
Aus der guten alten Zeit der Schwarzweiss-Fotografie: Der letzte Bundesrat, den Basel gestellt hat, war vor gut 50 Jahren Jahren Hans Peter Tschudi (zweiter von links). Die Aufnahme datiert aus dem Jahr 1965.
Keystone

Zurzeit wird in der Schweiz heftig diskutiert und spekuliert, wer Nachfolger(in) von Didier Burkhalter wird, und demnächst fängt auch das Feilschen um die Nachfolge von Doris Leuthard an. Mehrere Repräsentanten diverser Regionen werfen ihren Hut in den Ring, und das Argument, dass eine Region schon lange nicht mehr im Bundesrat vertreten war, kommt immer wieder auf.

Wo bleibt Basel in dieser ganzen Diskussion? Der letzte Bundesrat, den Basel gestellt hat, war vor gut 50 Jahren Jahren Hans Peter Tschudi. Seither waren Politiker oder Politikerinnen aus Basel oder Baselland nie mehr Mitglied der Schweizer Regierung. Ich frage mich weshalb, gibt es doch genug sehr gute Gründe, dass Basel unbedingt im Bundesrat vertreten sein sollte.

Eine Wirtschaftsmacht

Das BIP (Bruttoinlandprodukt) pro Kopf ist mit 164'000 Franken das Höchste nicht nur in der Schweiz (50 Prozent höher als in Zürich), sondern in ganz Europa. Das Wirtschaftswachstum ist in diesem Jahr in der Nordwestschweiz (gemäss BAK) auf 3 Prozent angesetzt, während es in Zürich um 1,8 Prozent wachsen soll. Natürlich ist viel auf die grossen Erfolge der zwei grossen Pharmakonzerne Roche & Novartis (kombinierter Umsatz rund 100 Milliarden Franken) zurückzuführen – aber nicht nur. Viele kleinere Firmen wie Actelion, Lonza, Syngenta, Clariant, Baloise, Panalpina, Davidoff, Dufry und so weiter tragen zum Gedeihen des Wirtschaftsstandortes bei. Basel hat nebenbei auch das höchste Gebäude der Schweiz, die zwei grössten Messen der Schweiz, und den mit Abstand besten Fussballclub der Schweiz. Schliesslich gilt Basel auch als Kulturhauptstadt der Schweiz. Noch Fragen?

Wer hat das nötige Kaliber?

Vielleicht diese. Wer hätte das Zeug zum «Basler Bundesrat»? Ein Blick auf das Basler Politiker-Panorama zeigt schnell, dass keine valablen Kandidaten vorhanden sind. Eva Herzog will Anita Fetz im Ständerat beerben, Christoph Eymann ist im Nationalrat, jedoch in der falschen Partei. Und sonst? Keiner da aus der Classe politique, der das nötige Kaliber dazu hätte. Wäre also ein Quereinsteiger oder eine -einsteigerin eine mögliche Variante? Ein Magnat aus der Wirtschaft – so wie die Weltwoche unlängst Sergio Ermotti portiert hat? Das wäre ein absolutes Novum, und ich glaube nicht, dass das funktionieren könnte. Auch hier: Wären überhaupt geeignete Kandidaten vorhanden? Bedaure, schon wieder Fehlanzeige.

Wenn also Basel dereinst wieder im Bundesrat vertreten sein möchte, sollte die hiesige Politszene damit beginnen, einen Kandidaten aufzubauen. Da die SVP in Basel sowieso keine Chancen hat, wären nur solche aus der FDP, CVP oder SP im Gespräch. Die Liberalen können in Bern nur eine Rolle spielen, wenn sie sich vermehrt zur FDP ausrichten, was im Moment unmöglich und gleichzeitig schade ist, denn ein Conradin Cramer hätte das Zeug dazu.

Stil, Würde und Geist

Es mag sein, dass solche Überlegungen nicht zuvorderst auf der politischen Agenda Basels stehen. Aber es wäre doch logisch, wenn dereinst ein weltgewandter Vertreter Basels, im Gepäck vier Fremdsprachen und die Fähigkeit, das Sein jenseits und diesseits der Landesgrenzen zu verstehen, die Schweiz eines Tages als Bundespräsident oder -Präsidentin standesgemäss vertreten würde. Ich denke, das würde der Schweiz gut stehen, denn für meinen Geschmack sind die jetzigen Bundesräte, mit Ausnahme von Leuthard, nicht im Stande, unser Land mit jenem Stil und jener Würde und jenem Geist zu repräsentieren, die es verdient hätte.

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