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Kriminalität bleibt in Basel-Stadt weiterhin hoch

Obwohl es in Basel 2019 zu mehr schweren Körperverletzungen gekommen ist, konnte die Anzahl aller Gewaltstraftaten um fünf Prozent gesenkt werden.

Dina Sambar
Die Polizei musste 2019 x Mal mehr ausrücken als im Vorjahr. Foto: Georgios Kefalas/Keystone
Die Polizei musste 2019 x Mal mehr ausrücken als im Vorjahr. Foto: Georgios Kefalas/Keystone

Diese Straftat erschütterte vor einem Jahr ganz Basel: Eine 75-jährige Schweizerin tötete den siebenjährigen Ilias. Der Fall ist aufgeklärt und glücklicherweise das einzige vollbrachte Tötungsdelikt im Jahr 2019. Das geht aus der aktuellen Kriminalstatistik des Kantons Basel-Stadt hervor. Die Zahl der versuchten Tötungsdelikte sank im Vergleich zum Vorjahr von neun auf acht. Sieben davon konnten ebenfalls aufgeklärt werden.

Allerdings gab es im Vorjahr 57 Prozent mehr Fälle von schwerer Körperverletzung (36). Die Täter wurden, bei einer Aufklärungsrate von 91,7 Prozent, fast alle geschnappt. Schaut man sich alle Gewaltstraftaten an, ist deren Anzahl um fünf Prozent gesunken, was die Staatsanwaltschaft als erfreulich wertet. «Wir führen diesen Rückgang darauf zurück, dass die Polizei an den Hotspots der Stadt präsenter ist – vor allem zu den Ausgehzeiten», sagt Alberto Fabbri, Erster Staatsanwalt in Basel-Stadt. Er führt den starken Anstieg bei den schweren Körperverletzungen darauf zurück, dass Unterschiede bei tiefen Zahlen stärker ins Gewicht fallen und die Differenzierung zwischen schwerer und leichter Körperverletzung vor allem eine juristische sei: «Wir stellen aber seit längerem fest, dass, wenn zugeschlagen wird, es manchmal härter ist als früher.»

Besorgniserregende Droge

Zwischen dem Rückgang der Einbruchdiebstähle (–7%) und der Zunahme der Laden-, Taschen- und Trickdiebstähle (8%) vermutet Fabbri einen Zusammenhang: «Natürlich können wir nicht genau sagen, dass Leute, die vorher Einbrüche begangen haben, jetzt zu Ladendieben geworden sind. Doch es könnte auf eine Verlagerung der mobilen Täterschaft hindeuten.» Angestiegen sind auch die Fälle im Bereich der Betrugsdelikte.

Als «besorgniserregend» bezeichnet die Staatsanwaltschaft eine Entwicklung bei den Betäubungsmitteln. Zwar ist die Kriminalität in jenem Bereich um drei Prozent gesunken, allerdings wird vermehrt Crystal Meth vertrieben. Diese Droge ist besonders gefährlich, da sie schnell süchtig macht und für einen gravierenden psychischen und körperlichen Verfall sorgt.

Insgesamt haben die Anzeigen gemäss Strafgesetzbuch 2019 um drei Prozent zugenommen. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet die Kriminalitätslage als stabil.

Die Zahl der Jugenddelikte hat im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent zugenommen. Ein Straftatbestand, der bei den Jugendlichen in den letzten Jahren stark anstieg, ist die Pornografie. Insgesamt ist die Anzahl mit 19 Fällen tief. Man müsse aber von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen, sagt die stellvertretende Leitende Jugendanwältin Sarah-Joy Rae. Vielen Jugendlichen sei nicht bewusst, dass sie sich strafbar machen, wenn sie pornografische Bilder und Filme von sich oder anderen Minderjährigen auf ihren Handys haben und diese mit ihren Freunden teilen. «Die Einstellung auf Smartphones ist oft so, dass Bilder, die man beispielsweise in einem Gruppenchat erhält, automatisch gespeichert werden. Bereits das ist strafbar. Auch das Erstellen von eigenen Nacktfotos und -videos ist unter Strafe gestellt», sagt Rae.

Aufklärung statt Strafe

Erfährt die Staatsanwaltschaft davon, wird ein Strafverfahren eröffnet. «Uns geht es dabei weniger um eine Strafe. Wir wollen in einem Aufklärungsgespräch dafür sorgen, dass sie nicht mehr so leichtfertig mit kompromittierenden Bildern vom eigenen oder von anderen jugendlichen Körpern umgehen.» Wiederholungstäter oder solche, die andere mit erhaltenen Bildern unter Druck setzen, erhalten eine Geldstrafe oder müssen Arbeitseinsätze leisten: «Wenn wir merken, dass der Jugendliche beispielsweise ein Frauenbild hat, das nicht in unsere Gesellschaft passt, können wir zusätzlich die Anordnung einer Massnahme prüfen.» Eine Zunahme ist bei Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zu verzeichnen. Dies, weil konsequenter Anzeige erstattet werde, aber auch, weil die Gruppendynamik unter Jugendlichen vor allem unter Alkoholeinfluss zu mehr Respektlosigkeit führe.

Eine gute Nachricht zum Schluss. Die Massnahmen gegen das Coronavirus könnten auch die Kriminalität senken. Alberto Fabbri: «Ich bin kein Hellseher, aber wir haben festgestellt, dass wir im Moment fast bei allen Deliktfeldern leicht sinkende Anzeigezahlen aufweisen.»

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