Zum Hauptinhalt springen

Basel krempelt Schulsystem wegen HarmoS um

Der Grosse Rat hat am Mittwoch den Beitritt zum HarmoS-Konkordat beschlossen. Damit gibt der Stadtkanton sein Inseldasein in der schweizerischen Schullandschaft auf.

Das baselstädtische Kantonsparlament entschied sich mit 67 gegen 12 Stimmen für den Beitritt zur Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule. Das HarmoS-Konkordat ist dank dem Beitritt von zehn Kantonen bereits seit dem 1. August 2009 in Kraft. Mittlerweile zählt das Konkordat 12 Mitglieder, in sechs Kantonen hat sich das Volk gegen den Beitritt ausgesprochen.

Im Basler Grossen Rat votierte in einer mehrstündigen Schuldebatte nur gerade die SVP gegen das HarmoS-Konkordat. Die Partei könnte allenfalls laut ihrem Sprecher mit einheitlichen Strukturen leben, alles andere geht ihr zu weit. Die übrigen Parteien standen der mit einmaligen Kosten von knapp 40 Millionen Fr. verbundenen Schulreform dagegen positiv gegenüber.

Schulsystem völlig umkrempeln

Für HarmoS muss Basel-Stadt sein Schulsystem nun bis 2015 völlig umkrempeln. Seit einer Schulreform von 1988 bildet der Stadtkanton mit zwei Jahren Kindergarten, vier Jahren Primarschule, drei Jahren Orientierungsschule sowie fünf Jahren Gymnasium oder zwei Jahren Weiterbildungsschule eine «Schulinsel» mit Strukturen, die weder mit den Nachbarkantonen noch der übrigen Schweiz kompatibel sind.

Erziehungsdirektor Christoph Eymann bezeichnete die HarmoS- Vorlage am Mittwoch als wichtigstes schulpolitisches Geschäft seit 1929. Damals verbschiedete der Grosse Rat das geltende Schulgesetz. Für den Stadtkanton biete das HarmoS-Konkordat die Gelegenheit, eine «stigmatisierende Ausseinseitersituation» in der Schullandschaft zu beenden.

Laut Eymann habe man in Basel bei der Schulreform von 1988 das Rad neu erfinden wollen und dabei vergessen, dass ein Rad rund sein muss. Nun wolle man eine Schule, die von der ganzen Öffentlichkeit getragen und allen gerecht wird. Die HarmoS-Strukturen sehen nach zwei Jahren Kindergarten sechs Jahre Primarschule vor. Darauf folgen drei Jahre Sekundarschule oder vier Jahre Gymnasium.

Ja zu Sonderpädagogik-Konkordat

Mit 59 gegen 15 Stimmen beschloss der Grosse Rat auch den Beitritt zur Interkantonalen Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Sonderpädagogik. Bedenken wurden in der Debatte namentlich über die Umsetzung dieses Konkordats laut, das frühestens 2011 in Kraft treten kann.

Basel-Stadt erfüllt indes das Sonderpädagogik-Konkordat bereits zum grössten Teil. Die integrative Schule als Hauptanliegen der Vereinbarung ist im Stadtkanton bereits Wirklichkeit. Im Baselbieter Landrat steht die Debatte über dem HarmoS-Betritt noch bevor. Die vorberatende Kommission hatte sich letzte Woche mit 6 gegen 5 Stimmen gegen diesen Schritt ausgesprochen.

Zur angestrebten Annäherung der Schulsysteme beider Basel käme es indes auch bei einem HarmoS-Nein aus Liestal, hiess es im Grossen Rat. Denn Baselland sei schon heute nahe an HarmoS dran.

In Angriff genommen hat der Grosse Rat am Mittwoch auch die Beratung der mit HarmoS verbundenen Änderungen des Schulgesetzes. Mit 55 zu 29 Stimmen abgelehnt wurde dabei ein Antrag der parteiübergreifenden Arbeitsgruppe 6/3plus, die faktisch einen vierten Sekundarschul-Zug für besonders gute Schüler und die Verkürzung der Schuldauer bis zur Matur um ein Jahr bedeutet hätte.

Mit 42 gegen 29 Stimmen angenommen wurde dagegen ein Antrag der Arbeitsgruppe 6/3plus und der SP über die Zuteilung der Schüler zu den verschiedenen Leistungszügen der Sekundarschule. Massgeblich soll künftig eine Promotionsordnung und nicht mehr die Empfehlung der Lehrkräfte sein.

Von dieser Neuerung erhoffen sich die Befürworter unter anderem mehr Objektivität und Gerechtigkeit. Gleichzeitig soll so die als zu hoch empfundene Gymnasialquote von 40 Prozent im Stadtkanton gesenkt und der Weg über die Berufsbildung gefördert werden. Die Debatte geht in zwei Wochen weiter.

SDA/alx

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch