Basel glänzt im nationalen Städtevergleich

Am Rheinknie ist man velo- und wirtschaftsfreundlich und hat eine gute Bonität – Zürich ist trotzdem besser.

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Wer in Basel lebt, darf sich gemäss Avenir Suisse glücklich schätzen. Die Stadt hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren mehrheitlich gut entwickelt. In einem landesweiten Städtevergleich des Thinktanks rangiert Basel auf dem zweiten Platz – hinter Zürich und knapp vor Bern. Untersucht wurden die zehn grössten Städte des Landes unter anderem in Bezug auf ihre Wirtschaftsfreundlichkeit, die Verkehrsinfrastruktur, das Bildungsangebot und den Wohnungsmarkt.

In einigen Punkten ist Basel im nationalen Vergleich sogar herausragend und lässt die anderen Städte weit hinter sich. Beispiel Velo: «Basel ist für hiesige Verhältnisse das Musterbeispiel für eine velofreundliche Stadt», schreibt Avenir Suisse. Das Beispiel Basel zeige, dass ein Mix aus sehr gutem Verkehrsfluss und einem strengen Verkehrsregime die gewünschten Erfolge erzielen kann. Der Thinktank errechnet die Velofreundlichkeit durch die Zahl der täglich gefahrenen Kilometer pro Einwohner (knapp zwei Kilometer) und der Wahrscheinlichkeit eines Unfalls (weniger als ein Unfall pro Million Kilometer).

Nicht an der Spitze, aber vorne mit dabei ist Basel bei der Bildung. Einzig Zürich und Winterthur liegen weiter vorne. So sei die basel-städtische Verwaltung bei der Weiterbildung ihrer Lehrkräfte besonders fortschrittlich. Sie unterstützt diese finanziell und organisatorisch, und bei der Angebotsdichte der Kleinkinderbetreuung liegt Basel sogar auf Platz eins – vor Zürich.

Problem: Basler Stimmvolk

Basel glänzt auch in den weiteren untersuchten Sparten Wirtschaftsfreundlichkeit (Platz zwei) und Wohnungsmarkt (Platz eins). Bei der wirtschaftlichen Standortattraktivität wird Basel erneut vom Finanzplatz Zürich geschlagen. Avenir Suisse schreibt: «Die Intuition täuscht nicht: In Zürich und Basel sind – auch relativ zur Bevölkerung – am meisten börsenkotierte Unternehmen angesiedelt. In Lugano dagegen kein einziges.»

Dominieren kann Basel auch mit seiner Steuerkraft, wo die Unterschiede in der Entwicklung der Städte gegenüber dem Umland teilweise enorm sind. «Im Jahr 2000 lag die Ressourcenstärke noch deutlich hinter dem Umland zurück, 2016 erreichte sie dagegen 130 Prozent, womit sich Basel nunmehr am stärksten positiv vom (durchaus nicht armen) Umland abhebt», so die Verfasser der Studie. Zudem habe Basel die höchste Kreditwürdigkeit aller untersuchten Schweizer Städte. Dies spielt bei der Festlegung des Zinses bei der Aufnahme von Fremdkapital eine wichtige Rolle.

Grosse Beachtung im Städtevergleich des Thinktanks findet die Wohnsituation in den Städten, die generell nicht optimal ist: «Eines der wichtigsten Ergebnisse zeigt, dass in den Städten, gemessen an der steigenden Nachfrage, schlicht zu wenig Wohnraum entsteht.» Trotzdem stellt Avenir Suisse fest, dass die Ergebnisse in der Wohnbaupolitik allgemein zufriedenstellend sind. Entgegen den politischen Stimmen von links, die die hiesige Wohnpolitik seit Jahren anprangern, ist jedoch Basel Spitzenreiter in der Wohnbaupolitik. So weise die Stadt eine sehr geringe Mietpreisschere – die Differenz zwischen Bestandes- und Neumieten – von 8,3 Prozent auf. Zum Vergleich: Die Preisschere beträgt in Genf 45 Prozent.

«Vier Nägel in den Sarg»

Weiter hebt das Team um Leiter Fabian Schnell hervor, dass Basel die einzige der untersuchten Städte sei, die Subjekt- anstatt Objekthilfe betreibe. Dies bedeutet, dass die Stadt gezielt Haushalte subventioniert, die sich finanziell nicht selber tragen können. Diese Subjekthilfe bewahre somit die Autonomie der Haushalte und ermögliche eine einfache Kontrolle darüber, dass die «richtigen» Haushalte finanzieller Unterstützung bekommen.

Doch hierbei haben sich die Basler womöglich ins eigene Fleisch geschnitten: «Basler Stimmbürger schlagen vier Nägel in den Sarg des Wohnungsmarktes», schreibt die Avenir Suisse in einem Kurzkommentar. Damit sind die jüngst vom Stimmvolk angenommen vier Wohnungsinitiativen gemeint. Diese würden den Markt zu stark regulieren, was letztlich dazu führe, «dass sich die Schere zwischen jenen, die eine Wohnung haben, und jenen, die gerne eine möchten, weiter öffnet, und den Wohnungsmarkt damit noch ineffizienter macht».

Studie von Avenir Suisse: www.stadtpolitik.baz.ch

Basler Zeitung

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