Basel bleibt eine Metropole der Gewalt

Delikte gegen Leib und Leben, sowie der Menschenhandel halten die Polizeibehörden auf Trab.

Gewalt­delikte werden in Basel-Stadt «im ­Vergleich zu anderen Schweizer Städten nach wie vor häufiger» verübt, so Dürr.

Gewalt­delikte werden in Basel-Stadt «im ­Vergleich zu anderen Schweizer Städten nach wie vor häufiger» verübt, so Dürr.

(Bild: Keystone)

Martin Furrer

Zwischen Freitagabend und Sonntagnacht ist die Basler Polizei noch mehr gefordert als unter der Woche. Schlägereien, Messerstechereien und Überfälle halten sie in Atem. Besonders oft ­würden die Uniformierten an «neuralgische Punkte der Innenstadt» gerufen– zum Theaterplatz etwa oder ans Rheinbord.

So steht es im gestern ver­öffentlichten Bericht des Regierungsrates zur «Kriminalitäts­bekämpfung 2019–2021». Die Polizei, heisst es darin, treffe dann oft auf Täter und Opfer, «die durch Alkohol- und anderen Drogenkonsum enthemmt beziehungsweise hilflos» sind.

Basel nach wie vor gefährlicher

Die Statistik weise zwar einen leichten Rückgang der Delikte im Jahr 2018 auf, sagte Baschi Dürr, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartementes. Er stellte gestern die Schwerpunkte der Kriminalitätsbekämpfung von Kantonspolizei und Staats­anwaltschaft für die nächsten drei Jahre vor.

Allerdings würden Gewalt­delikte in Basel-Stadt «im ­Vergleich zu anderen Schweizer Städten nach wie vor häufiger» verübt, sagte Dürr. So registrierte die Polizei 2018 beispiels­weise 23 schwere Körperverletzungen. Ein Jahr zuvor waren es noch ­deren 13 gewesen.

Regionale Sogwirkung

Selbst im Kanton Genf, von der Grösse und seiner Grenzlage her mit dem Stadtstaat Basel vergleichbar, ist die Lage weniger dramatisch. Basel-Stadt ist und bleibt die Gewaltmetropole der Schweiz.

Basel entfalte eine viel «ausgeprägtere regionale Sogwirkung als andere Kernstädte» des Landes, lautet ein Erklärungs­ansatz im Bericht. «Basel», so Dürr, ist «die urbanste Stadt der Schweiz». Hier kommen sich vor allem am Wochenende auf relativ engem Raum viele Leute in die Quere. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit von Konflikten.

«keine statistische Auffälligkeit»

Ist auch der hohe Ausländeranteil mit verantwortlich für das Klima der Gewalt? «Nein», sagt Alberto Fabbri, der Erste Staatsanwalt. Es gebe «keine statistische Auffälligkeit». Lediglich beim Bundesasylzentrum Bässlergut kommt es laut Dürr zu überproportional vielen Gewalttaten gegen Beamte.

Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft wollen nun gemeinsam analysieren, was es mit der Gewalt in Basel auf sich hat. Geplant ist eine externe wissenschaftliche Studie, die den Ursachen auf den Grund gehen und neue Erkenntnisse bringen soll.

Kontrollen im Milieu

Eine Spezialform der Gewalt ist der Hooliganismus im Umfeld von Fussballspielen. Angesprochen auf den jüngsten Vorfall im April, als Zürcher ihren Fanzug in Pratteln per Notbremse stoppten, um im Bahnhof auf die Polizei loszugehen, sagte Fabbri: «Zugriffe auf einem Bahnhofsgelände sind wegen möglicher Kollateralschäden schwierig.» Lösbar sei das Problem «nurgesamtschweizerisch», konstatierte Martin Roth, Kommandant der Kantonspolizei.

Schwerpunktmässig wollen die Behörden in nächster Zeit nicht nur gegen Gewaltdelikte und Einbrüche, sondern auch gegen den Menschenhandel ­vorgehen. Ermittlungen sind in diesem Bereich besonders schwierig, weil laut Fabbri «die Beweisführung oft schwierig» ist. Eine Taskforce aus Kriminal- und Kantonspolizei sowie Mitarbeitern des Migrationsamts will Kontakte zu potenziellen Opfern ausbauen und «die Kontrolldichte im Milieu hoch halten».

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt