Barockes Landhaus soll Neubau weichen

Weil das Werkgebäude marode ist, will die Voellmy AG ein grösseres Werk- und Wohngebäude auf ihr Areal stellen.

Hinter dem Landhaus befindet sich das alte Werkgebäude. Rechts im Bild sind der Showroom und die Büros der Firma Voellmy. Auch diese Gebäude sollen abgerissen werden.

Hinter dem Landhaus befindet sich das alte Werkgebäude. Rechts im Bild sind der Showroom und die Büros der Firma Voellmy. Auch diese Gebäude sollen abgerissen werden.

(Bild: Mischa Hauswirth)

Dina Sambar

Eigentlich ist es eine gute Nachricht. Die Schreinerei Voellmy will sich für die Zukunft rüsten und rund 20 Millionen Franken in einen Neubau investieren. In diesem Gebäude sollen nicht nur die Werk- und Büroräume des Familienbetriebs, sondern auch Wohnungen Platz finden. So will Besitzer Beat Voellmy trotz «rauen wirtschaftlichen Bedingungen» die Stellen seiner aktuell 35 Mitarbeiter auf lange Sicht sichern. Doch die Neubaupläne hätten auch eine negative Auswirkung. Mitten auf dem betroffenen Industrieareal hinter dem Badischen Bahnhof steht ein schönes, altes barockes Haus – das Burckhardt’sche Landhaus. Dieses müsste dem Neubau weichen.

Architektur Basel nennt den geplanten Abriss einen Skandal und wirft in einem Artikel die Frage auf, wie es passieren kann, dass erhaltenswerte Baudenkmäler zum Abriss freigegeben werden.

Eines der letzten Landhäuser

Das spätbarocke Häuschen Im Surinam 65 wurde Ende des 18. Jahrhunderts, vermutlich für Christoph Burckhardt-Merian, gebaut. Alte Bilder zeigen das Haus in idyllischer Landschaft, direkt am offenen Riehenteich neben einer kleinen Brücke gelegen. Diese Idylle ist dem Hirzbrunnenquartier gewichen. Heute ist das Landhaus ein letztes Überbleibsel jener Zeit, umgeben von Gewerbebauten der Firmen Voellmy und Sauter. In den letzten zwei Jahren wurde hart darum gerungen, ob das Haus überhaupt abgerissen werden darf. Beat Voellmy setzt die Geschichte spürbar zu. Am liebsten würde er nicht jetzt schon mit der Presse sprechen, tut es der Transparenz halber dann aber trotzdem.

Bereits 2014 begann er sich Gedanken über die Zukunft und die Nachfolgeregelung seines 124-jährigen Familienbetriebs zu machen. «Das bestehende Werkgebäude ist marode und müsste von Grund auf für mindestens zehn Millionen Franken saniert werden – ohne dass dabei eine wesentliche Effizienzverbesserung erreicht würde. Zudem könnte in dieser Zeit dort nicht produziert werden. Der Showroom steht schon länger leer. In diesem Zustand würde niemand die Nachfolge der Firma antreten», ist Voellmy überzeugt. Der Kauf oder die Miete eines anderen Areals sei aus finanziellen Gründen nicht möglich: «Dieses Gelände gehört mir und ist schuldenfrei. Die Firma bezahlt hier einen Mietzins, der mehr als dreimal tiefer ist als an vergleichbaren Orten. Die marktüblichen Mieten wären der Todesstoss für den Familienbetrieb.»

Kein leichter Entschluss

Deshalb hat er drei Varianten für das Gelände geprüft: reiner Wohnungsbau, reiner Gewerbebau oder ein Bau, in dem beide Formen Platz finden: «Ich will die Schreinerei erhalten, deshalb schloss ich den reinen Wohnungsbau schon früh aus. Bei einem grossen Gewerbeneubau ist das Risiko zu gross, keine Mieter für die oberen Stockwerke zu finden.» Er entschied sich für die Mischvariante, bei der er dank etappenweisem Vorgehen ununterbrochen auf dem Gelände produzieren kann und mit den Wohnungen eine finanzielle Absicherung für sein Alter hat.

Im leeren Showroom hat Voellmy eine Visualisierung des Baus aufgehängt – sie zeigt einen Betonbau mit Holzfassade. Der Entschluss, das Landhaus, aber auch das Werkgebäude, das ebenfalls vom Denkmalschutz überprüft wurde, abzureissen, sei ihm alles andere als leichtgefallen: «In diesem Haus haben meine Grosseltern gelebt. Als Kind habe ich hier im Garten Kastanien gesammelt. Da stecken viele Erinnerungen drin», sagt Voellmy, der in einem Schrank mehrere alte Gemälde des Landhauses aufbewahrt. Eines davon hat sein Grossvater gemalt.

Denkmalpflege stoppte Projekt

Das Millionenprojekt war, wie Voellmy erzählt, fast fertig geplant, als er im Frühling 2017 einen Brief der Denkmalpflege erhielt. Darin stand, sein Haus sei ins Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen worden. Konkret heisst das: Das Landhaus war zwar noch nicht geschützt, doch «sollen umfassende bauliche Veränderungen oder ein Abbruch eines Inventarobjektes vorgenommen werden, wird die Kantonale Denkmalpflege informiert. Die Denkmalpflege muss dann über eine definitive Unterschutzstellung entscheiden, die auch rechtlich wirksam würde», schreibt der Kantonale Denkmalpfleger Daniel Schneller. In das Inventar werden Bauten aufgenommen, die aufgrund einer Kurzprüfung, ohne Besichtigung des Innern, als mögliche Schutzobjekte ermittelt werden. Es folgten «sehr emotionale, kontroverse und intensive Gespräche mit der Denkmalpflege», wie Voellmy sagt. Eine Einigung sei jedoch nicht zustande gekommen. Deshalb schaltete er den Denkmalrat ein. Eine 13-köpfige Delegation habe die Gebäude genauer besichtigt. Diese kam zum Schluss, «dass das Haus Im Surinam 65 leider die hohen Anforderungen an ein Schutzobjekt nicht mehr zu erfüllen vermag: Sein Inneres wurde mehrfach verändert und enthält praktisch keine originale Ausstattung mehr», schreibt der Kantonale Denkmalpfleger. Neben der fehlenden Innenausstattung entwerte die Lage zwischen den Gewerbebauten seine Aussage zusätzlich.

Völlig überrumpelt

Im Dezember 2017 wurde das Haus durch einen von Regierungsrat Hans-Peter Wessels unterschriebenen Entscheid aus dem Inventar entlassen. Nun hätte er loslegen können. «Doch ich war zu ausgelaugt. Ich konnte einfach nicht mehr.» Erst vor Kurzem, nachdem erneut verschiedene Reparaturen im Werkgebäude nötig waren, habe er wieder den Mut gefunden, das Projekt aus der Schublade zu nehmen. Die Reaktionen, die durch einen kleinen Artikel in der Quartierzeitung Quartausgelöst wurden, hätten ihn total überrumpelt, sagt Voellmy: «Eigentlich wollte ich mit Informationen abwarten, bis ich das Baugesuch eingereicht habe, und dann als Erstes die Anwohner orientieren.» Diese Informationsveranstaltung sei nach wie vor auf Ende Februar, Anfang März geplant.

Das Barockhaus muss laut Voellmy nicht notgedrungen ganz verschwinden. Er hofft, dass es fein säuberlich abgetragen und an einem sinnvolleren Ort, beispielsweise im Landschaftspark Wiese, wiederaufgebaut wird. «Hierfür müssten der Denkmalschutz oder andere Instanzen auf politischem Weg schnell eine Lösung fordern. Ich bin überzeugt, dass sich Leute finden, die die Verschiebung finanzieren, wenn die Stadt eine Parzelle stellt.» Beim Denkmalschutz klingt es weniger optimistisch: «Die Kantonale Denkmalpflege prüfte sowohl mit dem Planungsamt wie auch mit dem Eigentümer Szenarien für eine Versetzung, konnte aber keine Lösung finden.»


Barockes Landhaus aus der Vogelperspektive

Basler Zeitung

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