Bald kommt die Leinenpflicht für Hunde

Riehen will sich mit der Leinenpflicht zwischen April und Juni der Praxis von anderen Kantonen anschliessen. Die Hundehalter sind enttäuscht.

Attraktives Ziel fu?r Hundehalter: Aus Ru?cksicht auf Menschen und Natur sollen vor allem in den Langen Erlen striktere Vorschriften gelten.

Attraktives Ziel fu?r Hundehalter: Aus Ru?cksicht auf Menschen und Natur sollen vor allem in den Langen Erlen striktere Vorschriften gelten.

(Bild: Roland Schmid)

Mischa Hauswirth

Die Debatte um den Leinenzwang für Hunde in Basel-Stadt geht in eine weitere Runde – und entwickelt sich allmählich in eine eindeutige Richtung. So viel steht fest: Die Pflicht, Hunde an die Leine zu nehmen, wird kommen. Der Gemeinderat von Riehen hat gestern bekannt gegeben, dass er das Vorhaben unterstützt. Die Regel soll während der Brut- und Setzzeit gelten, von April bis im Juni, im Fokus steht das Gebiet Lange Erlen, das Teil des Landschaftsparks Wiese ist. «Eine besondere Anziehungskraft hat dieses Gebiet für Spaziergänger mit Hunden. Dies führt wiederholt zu Konflikten mit anderen Erholungsuchenden bezüglich Hygiene, Kindern, Fischern, Radfahrern», sagt die zuständige Riehener Gemeinderätin Irène Fischer-Burri (SP). Ebenfalls betroffen seien aber auch Landwirte und ihre Maschinen, die kaputt gehen können, wenn Hundebesitzer Äste oder Steine für ihre Hunde ins Feld werfen.

Velofahrer, Jogger, Fussgänger, Eltern mit kleinen Kindern und Mitarbeiter der Industriellen Werke Basel (IWB) haben genug von Hunden, die frei herumrennen, Menschen verunsichern und überall ihre Ausscheidungen hinterlassen. Ende Juni tagt eine regionale Arbeitsgruppe, in der verschiedene Behörden vertreten sind. Bei diesem Treffen sollen nochmals die Standpunkte diskutiert werden, eines scheint jedoch bereits sicher: Der Leinenzwang kommt; die Frage ist nur, wann. «In einer ersten Phase möchten wir die Hundebesitzer dafür sensibilisieren, dass sie den Kot ihrer Hunde aufnehmen und sie nicht in die Felder lassen», so Fischer-Burri. Das könnte zum Beispiel mit Hinweisschildern geschehen. «In einer zweiten Phase ist eine Leinenpflicht durchaus denkbar.»

Gefahr für Trinkwasser

Die für die Trinkwassergewinnung in den Langen Erlen zuständige IWB sprechen sich klar für einen Leinenzwang aus. «Der Druck der Hundebesitzer aus der Region auf das Gebiet nimmt ständig zu. Wenn das so weitergeht, können wir Verschmutzungen des Trinkwassers nicht ausschliessen», sagt IWB-Sprecher Erik Rummer.

Gewollt oder nicht – immer wieder verletzen Hunde und Halter das strikte Zutrittsverbot zu den Grundwasserfassungsbereichen, wenn etwa ein Hund dort eindringt und sich nicht zurückpfeifen lässt. Das weit grössere Problem aber sei die Verunreinigung der Wiesen, auf denen Heu produziert und das dann an Kühe verfüttert werde, so Rummer.

Mit der Leinenpflicht im Frühling will sich Riehen der Praxis von anderen Kantonen anschliessen. In Baselland, im Aargau und im Kanton Solothurn müssen Hunde bereits an die Leine genommen werden. «Eben weil die Stadt keinen flächendeckenden Leinenzwang kennt, kommen im Frühling viele Hundebesitzer nach Basel», sagt auch Jost Müller, Geschäftsführer des WWF Basel. «Das führt zu einem erhöhten Druck auf die Natur, was wir als problematisch anschauen.» Für die Natur und vor allem für die Tiere seien Ruhezeiten und Rückzugsorte gerade in dieser Jahreszeit sehr wichtig, sagt Müller.

Recht auf freien Auslauf

Sandra K. aus dem Baselbiet führt seit 25 Jahren einen Hundedienst und fährt regelmässig mit etwa zehn Hunden in die Langen Erlen, um dort die Tiere von der Leine zu lassen. Was sagt sie zum geplanten Leinenzwang? «Das bringt doch nichts. Erwachsene und Kinder rennen auch ins Unterholz. Viel wichtiger ist, die Hunde dazu zu erziehen, dass sie auf den Wegen bleiben und gut gehorchen.» Alle würden vom Natur- und Gewässerschutz reden, aber niemand von hundegerechter Haltung. Einem Hund keinen freien Auslauf zu bieten, sei aber alles andere als tiergerecht, sagt Sandra K.

Ob die Stadt Basel baldmit Riehen mitziehen wird und ebenfalls einen Leinenzwang anpeilt, ist noch offen, aber zu erwarten. Kantonstierarzt Michel Laszlo will dem Entscheid der Fachgruppe nicht vorgreifen. Grundsätzlich werde zusammen mit der Stadtgärtnerei und der Kantonspolizei laufend überprüft, wo es Leinenzwang brauche und wo nicht, so Laszlo.

Umsetzung kann länger dauern

Selbst wenn der Leinenzwang kommt, dessen Durchsetzung dürfte die Behörden vor Probleme stellen. Eigentlich hätten das die Parkranger tun können, doch wann diese die Arbeit aufnehmen – ja, ob sie es überhaupt tun –, ist alles andere als sicher. Das Parkrangerprojekt ist zurzeit auf Eis gelegt. Da es nur in der Kooperation mit Deutschland zustande kommt, dort aber zurzeit kein Geld für die Anstellung einer Aufsichtsperson mit Ranger­aufgaben gesprochen wird, könnte die Umsetzung des Vorhabens noch länger dauern.

Die Gemeinde Riehen hätte allerdings eine Alternative. «Wir könnten auf unserem Gebiet den Flurbannwart mit zusätzlichen Aufgaben versehen», sagt Fischer-Burri. Aufklärungs- und Sensibilisierungsaufgaben würden jedenfalls im Vordergrund stehen und nicht Strafen, so die Gemeinderätin.

Basler Zeitung

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