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Bäume weiterhin ohne Sonderschutz

Schaffung von rechtlich verbindlichen Naturreservaten lässt seit 15 Jahren auf sich warten.

Alt, ehrwürdig, wertvoll und schutzlos. Baummonumente wie dieser alte Nussbaum an der Burgfelderstrasse beim Milchsuppe-Areal sind in den Naturschutzplänen des Kantons nicht enthalten. Er könnte jederzeit gefällt werden. Der Baum steht auf einem Grundstück, das Basel-Stadt gehört.
Alt, ehrwürdig, wertvoll und schutzlos. Baummonumente wie dieser alte Nussbaum an der Burgfelderstrasse beim Milchsuppe-Areal sind in den Naturschutzplänen des Kantons nicht enthalten. Er könnte jederzeit gefällt werden. Der Baum steht auf einem Grundstück, das Basel-Stadt gehört.
Mischa Hauswirth

Das Bekenntnis ist schon bald zwei Jahrzehnte alt. 2003 hat die Regierung Basel-Stadt sich dafür ausgesprochen, Reservate im Wald zu schaffen. Bäume sollen an für die Natur wertvollen Standorten ihren natürlichen Lebenszyklus leben dürfen, so der Gedanke.

Zehn Prozent der Waldfläche sollen deshalb in sogenannte «Waldreservate» überführt werden – festgehalten ist das im Waldentwicklungsplan. Geschehen ist bislang allerdings nichts. Der WWF Basel fordert deshalb, dass das Prozedere endlich abgeschlossen wird und die Flächen offiziell unter Schutz gestellt werden sowie auch andere wichtige Naturobjekte möglichst umgehend geschützt werden.

Bislang hat Basel erst ein einziges Naturobjekt per Beschluss geschützt. 1913 beschloss der damalige Regierungsrat, die Uferzone «Rheinhalde» auf Kleinbasler Seite unterhalb der Roche mit einem besonderen Schutz zu belegen. Damit schuf Basel-Stadt zwar das erste amtliche Naturschutzgebiet der Schweiz, doch zu weiteren kam es nicht. Dabei wäre die Liste der Anwärterflächen lang.

Waldamt wartet auf Kanton

Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) hat 2014 in einem Schreiben festgehalten, dass es verschiedene Möglichkeiten geben würde, geeignete Gebiete zu schützen, unter anderem per Regierungsratsbeschluss oder über den Zonenplan. Er strich hervor, dass im Rahmen der Zonenplanrevision etliche Hektaren des Kantonsgebietes als Naturschutzzonen festgesetzt worden seien. «Es ist uns bewusst, dass hierbei aus verschiedensten Gründen nicht alle schützenswerten Gebiete und Flächen Eingang gefunden haben», so Wessels.

Das Waldamt beider Basel sieht sich als die falsche Adresse für die Forderung des WWF, bei der Umsetzung der Waldreservate endlich vorwärtszumachen. Guido Bader, zuständig für den Forstkreis Basel, sagt auf Anfrage, dass Planung und Dokumente für die Waldreservate sowie das Einverständnis der Waldeigentümer bereits seit geraumer Zeit vorlägen. «Grund für die Verzögerung ist, dass der Prozess der Waldreservatsunterschutzstellung analog derjenigen im Offenland ablaufen soll. Wir sind also gar nicht mehr in der Lage, die Unterschutzstellungen von Waldobjekten selbst zu steuern.» Mit anderen Worten: Die Verzögerung kommt aus dem Departement Wessels.

Schlimmer noch: Dem Waldamt läuft die Zeit davon. «Wir wollen das Reservatsflächenziel von zehn Prozent dieses Jahr noch erreichen. Der Kanton hat sich auch gegenüber dem Bund verpflichtet, die geplanten Waldreservate bis 2019 unter Schutz zu stellen.» In diesem Zusammenhang sind Gelder geflossen, und im schlimmsten Fall müsste der Kanton dem Bundesamt für Umwelt Gelder zurückzahlen, wenn er den Terminplan nicht einhält, so Bader.

Waldobjekte wie der Horngraben in Riehen würden schon seit längerer Zeit für die Überführung bereitstehen, weitere Objekte mit Waldanteil seien ebenfalls ausgegliedert und in der Pipeline. «Glücklicherweise haben wir Waldeigentümer und Revierförster, die sich der Verantwortung bewusst sind», sagt Bader. «So werden seit Jahren respektive Jahrzehnten die entsprechenden Naturschutzzielsetzungen auch ohne formelle Unterschutzstellung verfolgt.»

Erste Vorschläge bis Ende Jahr

Horngraben, Eisweiher/Neuer Teich, Entenweiher, Autal, Kaiser – ob diese Flächen künftig Naturschutzreservate sein werden, entscheidet die Natur- und Landschaftsschutzkommission (NLK) zusammen mit der Stadtgärtnerei. Jost Müller vom WWF Basel sitzt selber in der NLK, er berichtet von einem zähen Ringen zwischen Naturschützern und Verwaltern – offenbar ist bei der Verwaltung die Furcht vor Einschränkungen gross. «Zu sagen ist, dass die Frage der Unterschutzstellungen in den letzten sechs Jahren in der Natur- und Landschaftsschutzkommission äusserst mühsam war. Es ging lange um verschiedene Details, über die zum Teil jahrelang gestritten werden musste», sagt Müller.

Warum tut sich der Kanton schwer mit der rechtlich verbindlichen Umsetzung von Reservaten? Der Prozess der Unterschutzstellung von Naturobjekten sei sehr komplex, sagt Brigitte Vogel von der Stadtgärtnerei Basel. Zu jedem Naturobjekt, das geschützt werde, gebe es eine Verordnung, in der alle notwendigen und rechtskräftig ausformulierten Schutzbestimmungen wie Schutzziele, Schutzmassnahmen, Bewilligungen, Aufsicht, Pflege und Unterhalt, Erfolgskontrolle oder Haftung aufgenommen werden.

Doch nun soll es vorwärtsgehen. «Die Unterschutzstellung einzelner Naturobjekte ist stufenweise geplant», sagt Vogel. «In einem ersten Schritt sollen auf Antrag der NLK die beiden Naturobjekte ‹Wieseböschung Mühlematten› und ‹Amphibienlaichgebiet Weilmatten› in Riehen Ende 2018 dem Regierungsrat zur Unterschutzstellung vorgelegt werden.» Danach sollen weitere Naturobjekte folgen.

Von den Naturschutzvorhaben jedoch nicht profitieren werden die Stadtbäume. Selbst wenn im Wald Bäume nun in Reservaten so alt werden können, wie es ihre Biologie erlaubt (bei Eichen und Linden sind das mehrere Hundert Jahre), für ökologisch wie historisch wertvolle Park- und Stadtbäume ist nach wie vor kein besonderer Schutz vorgesehen.

Dazu bräuchte es einen speziellen Biotop-Baumschutz. «Der Auftrag der Stadtgärtnerei ist der Vollzug des kantonalen Baumschutzgesetzes», sagt Vogel. «Darüber hinausgehende Massnahmen wie zum Beispiel die genannte Unterschutzstellung von Einzelbäumen ist nicht vorgesehen.» Mit entsprechender Bewilligung können somit auch wertvolle Altbäume gefällt werden. Aktuell hat der WWF drei Einsprachen gegen geplante Baumfällungen offen, alle stehen sie im Zusammenhang mit Bauprojekten.

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