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Anwohnern stinkt der Mehrverkehr

Wegen «juristischer Mängel» bei Signalisation wird der Grenzacherweg in Riehen stark befahren.

Starkes Verkehrsaufkommen in der Quartierstrasse.
Starkes Verkehrsaufkommen in der Quartierstrasse.
Martin Regenass

Wegen Sanierungen an der Baselstrasse wird der Durchgangsverkehr von Riehen nach Basel seit knapp drei Wochen durch Neben- und Quartierstrassen geführt. Das belastet gewisse Strassen mit zusätzlichen Autos – so auch den Grenzacherweg. Den Anwohnern stinkt das gewaltig. Auf einem Flugblatt schreibt Dominik Lehmann: «Wie Sie alle sicher feststellen mussten, wird der Grenzacherweg entgegen der Planung sehr wohl und intensiv vom Durchgangsverkehr genutzt.»

Er habe Mitte Januar um 6 Uhr morgens innerhalb von fünf Minuten 59 Fahrzeuge gezählt, berichtet Lehmann. Er bemängelt, dass entgegen der Zusicherung der Behörden keine verbindlichen Kontrollen stattgefunden hätten. «Unsere schriftlichen Rückmeldungen an die zuständige Person wurden jeweils mit beschwichtigenden Äusserungen erledigt, eine Verbesserung der Situation ist ausgeblieben», klagt Lehmann. Er befürchtet, dass die Behörden den anfänglichen Unmut der Anwohner aussitzen und ad acta legen wollten.

Signalisation mit Schwächen

Der Mehrverkehr im Grenzacherweg ärgert auch Anwohner Erwin Ott. Er hat eine geharnischte E-Mail an den Riehener Gemeindepräsidenten Hans jörg Wilde (parteilos) geschrieben. Der Präsident habe darauf mit einer Strafanzeige gegen ihn reagiert, wie Ott sagt. Ott spricht bei den Verursachern des Mehrverkehrs von Lörrachern, Baselbietern, Solothurnern, Aargauern, Zürchern und gar Tessinern, die jetzt wegen der gesperrten Baselstrasse durch den Grenzacherweg fahren würden. Ott bemängelt, dass die signalisierte Umleitung nicht funktioniere und die Polizei keine Kontrollen – ausser Geschwindigkeitskontrollen – durchführen würde.

Bei der Signalisation eingangs des Grenzacherwegs beim Bahnübergang, wo der Eisenbahnweg die Bettingerstrasse kreuzt und als Grenzacherweg weiterläuft, sollte sämtlicher Durchgangsverkehr eigentlich vom Grenzacherweg weggeführt werden. Die temporäre Signalisation sollte den Verkehr die Bettingerstrasse hinauf in Richtung Ausserberg lenken. Nach dem Wenkenpark sollten die Autolenker nach rechts über die Rudolf-Wackernagel-Strasse und den Kohlistieg hinunter in Richtung Basel fahren.

Theoretisch würde der Grenzacherweg somit in einem grossen Bogen umfahren. In der Praxis funktioniert dies allerdings nicht. Denn wie ein Augenschein vor Ort zeigt, missachten die Autofahrer ein Rechtsabbiegeverbot in den Grenzacherweg. Ebenso wenig beachten Autofahrer, die vom Eisenbahnweg geradeaus in den Grenzacherweg einfahren, das orange Umleitungsschild in Richtung Basel. Vielmehr nehmen sie den kürzeren Weg durch den Grenzacherweg, was in der Quartierstrasse für Mehrverkehr und bei den Bewohnern für Ärger sorgt.

Fachstellen sehen Problematik

Dieses rücksichtslose Verhalten der Autofahrer wollen die Behörden nun offenbar korrigieren. Dem Durchgangsverkehr durch den Grenzacherweg soll einen Riegel vorgeschoben werden. Ott hat von der Gemeinde Riehen ein Schreiben erhalten. Darin steht, dass verschiedenste Fachstellen und Personen an der «Problematik» arbeiteten. Ebenso räumt die Gemeinde darin ein, dass die temporäre Signalisation mit dem Rechts abbiegeverbot und dem Umleitungsschild «juristische Mängel» aufweise. Auf Anfrage präzisiert Ivo Berweger, Abteilungsleiter Bau, Mobilität und Umwelt bei der Gemeinde Riehen: «Es besteht bei der Signalisation eine Ungleichbehandlung der aus verschiedenen Richtungen kommenden Automobilisten. Die Signalisation funktioniert deshalb rechtlich gesehen nicht.»

Polizei bestreitet Mängel

So dürften Automobilisten aus der Bettingerstrasse kommend, nach dem Bahnübergang nicht rechts in den Grenz acherweg einbiegen. Dort steht das Signal Rechtsabbiegeverbot. Ausgenommen sind Zubringer, also Anwohner und Besucher sowie Lieferanten. Jene allerdings, die geradeaus vom Eisenbahnweg in den Grenzacherweg fahren, würden nicht daran gehindert, durch diese Quartierstrasse zu fahren. Berweger: «Die Überprüfung der Signalisation aufgrund einer Einsprache hat zu Tage gebracht, dass bei einer Zubringerdienstregelung eine solche Ungleichbehandlung nicht zulässig ist.»

Verantwortlich für die Signalisation auf den Strassen im Kanton Basel-Stadt ist das Bau- und Verkehrsdepartement sowie die Kantonspolizei. Polizeisprecher Martin Schütz dementiert «juristische Mängel» bei der Signalisation. «Die Signalisation ist rechtlich zulässig. Aber die empfundene Ungleichbehandlung könnte zu einer Verschärfung der Signalisation führen.» Mit anderen Worten: Der Gemeinderat Riehen könnte ein Fahrverbot durch den Grenz acherweg beschliessen. Ausgenommen würden dann nur Zubringer wie die Anwohner oder Lieferanten. Dominik Lehmann: «Das würde uns freuen.»

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