Angsthasen-Fussball!

Vladimir Petkovic hat taktisch nicht klug agiert. Das Spiel gegen die Schweden hätten die Schweizer mit mutigerem Fussball gewinnen müssen.

Die Schweizer haben von Beginn an nur abwartend gespielt.

Die Schweizer haben von Beginn an nur abwartend gespielt.

Ich bin enttäuscht. Die Schweizer haben eine Riesenchance verpasst, die so schnell nicht mehr kommen wird. Dabei waren die Schweden keinen Deut besser. Aber die Rotweissen haben von Beginn an nur abwartend gespielt – das war Angsthasen-Fussball!

Seit Langem muss ich Trainer Vladimir Petkovic wieder mal kritisieren. Er hat taktisch nicht klug agiert. Die Schweden sind zu schlagen, wenn man durch die Mitte spielt. Mit schnellen Pässen, Schüssen, Dribblings. Diese Analyse hat auch Urs Siegenthaler, der Chefscout der Deutschen, in der ARD gemacht. Und wie spielten die Schweizer? Sie griffen konsequent über die Flügel an. Jede Flanke wurde von einem Schweden weggeköpfelt. Das war leichte Beute für sie. Genau deshalb hätte Xherdan Shaqiri zwingend im Zentrum agieren müssen. Dort hätte er mit seinen Schüssen und Dribblings gefährlich werden können. Am Flügel war «Shaq» verloren.

Mein nächster Kritikpunkt betrifft Valon Behrami. Der Tessiner spielte eine Art Libero. Was suchte er so weit hinten? Ein defensiver Mittelfeldspieler muss sich zwischendurch in den Angriff einschalten, das gehört auf diesem Niveau einfach dazu. Behrami produzierte nur Querpässe, nichts anderes. Das war schlecht.

Ausserdem hat Petkovic viel zu spät gewechselt. Breel Embolo ist in Form, selbst Haris Seferovic brachte noch etwas Zug im Sturm – aber die beiden kamen 17 Minuten vor Schluss auf den Platz, in dieser kurzen Zeitspanne kann keiner noch etwas reissen.

In einem grossen Spiel erwarte ich, dass die grossen Spieler für die Differenz sorgen. Bei Shaqiri ging das nicht, weil er auf der falschen Position nominiert wurde. Bei Granit Xhaka ist es anders – er hat mir während des ganzen Turniers nicht gefallen. Bis auf sein herrliches Tor gegen Serbien hatte er praktisch keine Szene. Gegen Schweden blieb er unerklärlich matt. Ich frage mich, auf was er gewartet hat.

Wir haben eine ehrgeizige, talentierte Nationalmannschaft – aber eine, die keinen Schritt weiter ist als alle anderen Generationen davor. Auch Roy Hodgson, Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld schafften es an einer Endrunde bis in den Achtelfinal. Die aktuelle Ausgabe muss zuerst noch beweisen, dass sie besser ist.

An dieser Niederlage werden die Schweizer deshalb noch lange zu nagen haben. Die Gelegenheit war einmalig, Geschichte zu schreiben. Nun kommen sie mit leeren Händen nach Hause. Das tut richtig weh.

Die Basler Fussballlegende Karli Odermatt (74) analysiert für die BaZ die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft.

Basler Zeitung

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