André Auderset und die «heilige» Greta

Die meisten Basler Politiker nutzen Social Media eher zurückhaltend. Einige wie LDP-Grossrat Auderset tanzen jedoch aus der Reihe. Ein Querschnitt durch den Online-Wahlkampf.

LDP-Grossrat André Auderset sorgte mit einem Anti-Greta-Post auf Facebook mächtig für Unmut.

LDP-Grossrat André Auderset sorgte mit einem Anti-Greta-Post auf Facebook mächtig für Unmut.

(Bild: Lucia Hunziker)

Nicht nur die FDP Basel-Stadt hat die sozialen Medien für sich entdeckt. Auch auf den Kanälen der anderen Parteien tummeln sich Bilder von Wahlaktionen, Werbevideos und der eine oder andere scharfe Facebook-Post.

Als besonders originell tut sich in Sachen Online-Wahlkampf diesen Sommer die Basler CVP hervor. Sie hat es offenbar satt, als gottesfürchtige Langweilerpartei abgestempelt zu werden, und lancierte vor kurzem ein Video mit dem Motto: «Wähle nicht Vorurteile, wähle Menschen.» Darin geht die CVP nicht nur auf die Stereotypisierung ihrer eigenen Partei ein, sondern auch auf die der anderen.

«Nicht alle Grünen schmusen mit Bäumen», heisst es im Video zum Beispiel. Oder: «Nicht jeder LDP-ler ist vom Daig.» Und sie selbst seien nicht alle notorische Bibelleser. Die Botschaft passt zur neuen politischen Ausrichtung der Basler CVP unter der Führung von Balz Herter. Im Juni dieses Jahres bezog die Partei Position für die Ehe für alle. Ein Entscheid, der lange Zeit hart umkämpft war bei den Basler Christdemokraten.

CVP-Präsident Balz Herter hat den Online-Wahlkampf mittlerweile derart verinnerlicht, dass er sogar seinen Whatsapp-Status für Wahlwerbung in eigener Sache nutzt. Statt eines einfachen «Verfügbar» oder «Im Fitness» steht da: «Das Leben ist hart. Wählen Sie Herter.»

Auderset verärgert Facebook-Gemeinschaft

Die Basler LDP-Politiker verhalten sich ganz im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der CVP eher zurückhaltend, was die Nutzung sozialer Medien betrifft. Sie begnügen sich damit, allen ständig einen schönen Sommer zu wünschen – sowohl auf Facebook wie auch auf den Plakatwänden.

Offensichtlich ist es der LDP mit ihrem Schiffchenbild sehr daran gelegen, ein positives Lebensgefühl und Harmonie zu vermitteln. Es erinnert ein wenig an den Wahlkampf 2016, als das bürgerliche Viererticket in Badehosen am Rheinufer posierte.

Einer jedoch macht beim allgemeinen Harmoniebedürfnis nicht mit. LDP-Grossrat André Auderset versetzte unlängst die Facebook-Gemeinschaft in grosse Aufregung, als er in einem Post verdeutlichte, was er vom mentalen Zustand der Klimaaktivistin Greta Thunberg hält:

Ganze 127 Kommentare generierte der Greta-Post. Sie reichen von «... nicht Dein bester Tag, André ...» über «Niveaulos wie gewohnt» bis hin zu Rücktrittsforderungen: «Pfui! Man sollte Sie umgehend aus dem Grossen Rat entfernen!!»

Auderset selbst blieb angesichts des kleinen Shitstorms auf seinem Profil gelassen. «Wenn ich sehe, wie hier einige wegen eines harmlosen Jokes im roten Bereich drehen, wird mir einmal mehr bewusst, dass es sich hierbei um eine neue Religion handelt mit der heiligen Greta und ihren Gläubigen», kommentiert er unter seinem Beitrag. Der ungläubige Rest seien dann passenderweise Leugner, die auf den Scheiterhaufen gehören würden. «Beruhigt euch, liebe Kollegen. Das war nur ein Spruch, keine Gotteslästerung (Pardon: Göttinnenlästerung).»

BastA! setzt auf den richtigen Pegel

Wer seine Mitglieder mitunter am besten im Griff hat in den sozialen Medien, sind SVP und SP. Während Letztere brav Fotos von Wahlaktionen posten, teilen Erstere bevorzugt Medienmitteilungen der eigenen Partei. Lediglich auf Twitter kommt es zwischen den Anhängern beider Fronten öfters mal zu Streitigkeiten – so zum Beispiel wegen SP-Kandidatin Tanja Solands Plakataffäre.

Links der SP hat man derweil seinen Online-Wahlkampf den sommerlichen Temperaturen angepasst. So lassen sich BastA! und Juso bevorzugt bei Tätigkeiten ablichten, die möglichst wenig Anstrengung erfordern. Die Alternativen für Basel versuchen offenbar, den Sitz von BastA!-Nationalrätin Sibel Arslan mithilfe des richtigen Alkoholpegels zu halten: «Trinken mit Linken», so die Devise – der Spruch ist alt, das Bier aber hoffentlich frisch.

Mit einem roten Sofa touren die BastA!-Aushängeschilder derzeit durch Basel, lassen sich auf Quartierflohmärkten und bei Wasserschlachten nieder, um bei Bier und Grill über Grüselwohnungen und Polizeigewalt zu sinnieren.

Juso badet für Seenotrettung

Ebenfalls gemütlich lassen es die Basler Jusos angehen. Im Zentrum ihrer Politik steht momentan die Seenotrettung. Parteipräsident Nicolas Eichenberger liess sich Anfang August gemächlich den Rhein hinuntertreiben, um auf «tödliche Grenzen» im Mittelmeer aufmerksam zu machen.

Danach verabschiedeten sich Eichenberger und seine Crew ins Juso-Sommerlager, wo sie zusammen mit ihren nationalen Genossen eine Woche lang «Sommer, Sonne und Sozialismus» in Chandolin genossen.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt