Ackermann muss sich zu Kunstmuseum äussern

Im Zusammenhang mit den Frauenstreik-Entlassungen soll die Kommunikation zwischen Präsidialdepartement und Museum offengelegt werden, fordert Joël Thüring (SVP).

Anstatt dem Museumsdirektor den Rücken zu stärken, vollführte Elisabeth Ackermann eine Pirouette und drängte das Museum dazu, die Frauen wieder einzustellen.

Anstatt dem Museumsdirektor den Rücken zu stärken, vollführte Elisabeth Ackermann eine Pirouette und drängte das Museum dazu, die Frauen wieder einzustellen.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Martin Regenass

Die zwei Frauen hätten während des Frauenstreiks in den Aus­stellungsräumen des Kunst­museums eigentlich ein Auge auf die Besucher und die wertvollen ­Exponate halten sollen. Doch die zwei Aufpasserinnen zogen es vor, sich an jenem Freitag un­abgemeldet von ihrer sicherheitsrelevanten Tätigkeit abzusetzen und sich dem Demonstrationszug mit singenden Frauen anzuschliessen.

Dies hatte für die sich in der Probezeit befindenden Frauen ein Nachspiel. Der Direktor des Museums, Josef Helfenstein, sprach die Kündigung aus. Dies offenbar in Absprache mit der Personalabteilung des Präsidialdepartements, zu dem das Kunstmuseum gehört. Als die Sache publik wurde, ergoss sich eine mediale Empörungswelle über das Museum und den Direktor. Kommentatoren hielten nicht damit zurück, die Entlassung als Fehlentscheid und gar Schandfleck für das feministisch und rot-grün tickende Basel zu bezeichnen.

Verantwortliche knickt ein

Grünen-Regierungspräsidentin und politische Verantwortliche für das Kunstmuseum, Elisabeth Ackermann, knickte ob des Proteststurms und mit Hinblick auf ihre Wiederwahl ein. Anstatt dem Museumsdirektor den Rücken zu stärken, vollführte sie eine Pirouette und drängte das Museum dazu, die Frauen wieder einzustellen. Wie nun bekannt wurde, gedenken die beiden aber nicht, auf ihre Wachposten zurückkehren.

Das Gelungenste an der Geschichte sind Weisungen vom vergangenen April, welche die Regierung und damit auch Frau Ackermann in eigener Person beschlossen ­haben. Das Gremium ermöglichte Mitarbeiterinnen der kantonalen Verwaltung eine Teilnahme am Frauenstreik nur, falls dies die «betrieblichen Möglichkeiten» ­zuliessen. Die Grundversorgung und der Service public bei den staatlichen Betrieben müssten während des Frauenstreiks aufrechterhalten bleiben, schrieb die Regierung. Zu dieser Grundversorgung darf zweifelsohne auch das Bewachen der teuren Kunstwerke im Kunst­museum gezählt werden.

Gegenüber der BaZ blieb Ackermann bezüglich dieses ­Vorfalls schwammig. Sie habe sowohl Verständnis für das Verhalten des Kunstmuseums wie auch für eine zweite Chance und eine Wiederanstellung der zwei Entlassenen.

SVP-Grossrat unzufrieden

Mit der Aussage ist SVP-Grossrat Joël Thüring nicht zufrieden. In einer schriftlichen Anfrage will er von Ackermann wissen, was Sache ist und wie die Kommunikation zwischen Kunst­museum und Präsidialdepartement verlaufen ist. In Bezug auf die Aussenwirkung des Kunstmuseums will Thüring erfahren, wie sinnvoll es ist, wenn Ackermann den Direktor und sein Team «im Regen» stehen lässt. Ackermann hat nun drei Monate Zeit, die Antworten auf die ­sieben Fragen auszuarbeiten.

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