Zeichnen mit einer Prise Erotik

Im Basler Kulturlokal Sud erfreut sich Dr. Sketchy’s Anti-Art School immer grösserer Beliebtheit. Die Burlesque-Show zieht ein bunt gemischtes Publikum an.

Fünf Minuten für eine Pose: Burlesque-Darstellerin Bettie Bottom Dollar sitzt Modell.

Fünf Minuten für eine Pose: Burlesque-Darstellerin Bettie Bottom Dollar sitzt Modell.

(Bild: Dominik Plüss)

Man nehme ein stimmiges Lokal, vorzugsweise das Sud, in einer kunstverfallenen Stadt, beispielsweise Basel. Dazu ein kurvenverwöhntes Modell, hier und jetzt die in Basel lebende Engländerin Miss Bettie Bottom Dollar, wenig Stoff und viel Glitzer für die burlesquen Kostüme und schliesslich eine grosszügige Handvoll mehr oder weniger geübter Zeichenkünstler. Et voilà: Dr. Sketchy’s Anti-Art School.

Was als Projekt der New Yorker Illustratorin und Kunststudentin Molly Crabapple begann, ist mittlerweile auf der ganzen Welt gefragt und hat zusammen mit der Amerikanerin Natashia Collier auch seinen Weg nach Basel gefunden. Collier, alias Auntie Sam, zeichnet für die stets ausverkauften Burlesque-Shows im Sud verantwortlich. «Ich liebe diese Welt», schwärmt sie und sorgt dafür, dass Licht, Musik und Dekor sich zu einem Ambiente verflechten, bei dem die Künstler samt Block und Stift fortgetragen werden in die schillernde Welt der kunstvollen Burlesque. Eine Welt, in der Ideale neu definiert werden und Schönheit immer auch Extravaganz ist.

Grinsen, albern, geniessen

Das zeichnende Publikum ist kunterbunt gemischt: Da sitzt ein Zeichenlehrer der Fachmaturitätsschule mit seiner Klasse. Manchmal mit einem Grinsen, oftmals sehr ernst, greifen die Schüler zum Zeichenwerkzeug, vergleichen kritisch Zeichnung und Modell, um in den kurzen Pausen wieder gemeinsam herumzualbern. Viele sind für sich alleine gekommen, um tief im Augenblick zu versinken. Ganz vorne an der Bühne sitzt eine Dreiergruppe, die sich normalerweise daheim zum gemeinsamen Zeichnen trifft, wo Freunde und Freundinnen Modell stehen. Nun geniessen die Herren Miss Bettie Bottom Dollars professionelle Posen. Eine Minute haben die Teilnehmer jeweils für die ersten Skizzen, dann kommt eine neue Pose, diesmal für fünf Minuten, schliesslich für zwanzig. Und stets die Aufforderung, der Fantasie nur ja keine Grenzen zu setzen. Insgesamt fünf verschiedene Outfits führt das Modell vor, posiert auf der Bühne, auf Stühlen, auf der Treppe. Und während Buddy Holly und Co. aus den Lautsprechern klingen, entstehen kleine Kunstwerke. Wer genügend Liebe zu seiner Zeichnung aufbringt, wirft sie zum Schluss ins Wettbewerbsrennen und hofft, vom Modell höchst persönlich zum Sieger gekürt zu werden.

Die Dr. Sketchy’s Anti-Art School findet in Basel bereits zum dritten Mal statt. Die Teilnehmerzahlen seien kontinuierlich gestiegen, freuen sich die Organisatoren vom Sud. Nun heisst es für Dr. Sketchy: Sommerpause. Im September kehrt die Anti-Art School aber mit neuen Modellen ins Sud zurück.

Basler Zeitung

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