Wirbel um einen Pferdesturz

Tierschützer wollen Chaisen ein für allemal von der Fasnacht verbannen. Sie operieren allerdings mit falschen Angaben.

Die 20-jährige Schweizer Halbblut-Stute Divina rutschte am Montags-Cortège auf einer Metallplatte aus. Eigentlich hätte diese mit einem Schutz versehen sein sollen.

Am Montagnachmittag zogen zwei Pferde den Wagen der Chaisenclique «Fazeneetli» den Steinenberg hinauf zur Kreuzung beim Bankverein – und dann geschah’s: Die Schweizer Halbblut-Stute Divina rutschte aus und fiel hin. Zahlreiche Zuschauer entlang der Cortège-Route zogen die Handys und filmten, wie das Tier am Boden liegt. «Ich war sehr betroffen und bin sofort zum Tier gelaufen», erzählt Mary Pfeffer, Obfrau von den Fazenettli.

Zusammen mit dem Kutscher und Besitzer der Pferde versuchen alle, Divina zum Aufstehen zu bewegen. «Die Stute versuchte es zwei- oder dreimal, war sogar auf den Vorderbeinen, aber rutschte dann wieder aus», sagt der Besitzer. Gestern Dienstag war Divina bereits wieder auf der Weide, am Nachmittag durfte sie durch die aargauische Vorfrühlingslandschaft ausreiten. «Divina hat ausser einer kleinen Schürfwunde am Bein keine Blessuren. Es geht ihr gut», sagt der Besitzer zur Basler Zeitung.

Stute Divina am Dienstag auf der Wiese ihres Hofes.

«Viele Leute haben sehr gut reagiert und uns unterstützt, dem Pferd wieder auf die Beine zu helfen», erzählt Pfeffer. «Während wenige uns beschimpften, das komme halt davon, weil wir Pferde an die Fasnacht mitnehmen würden, unterstützten uns andere und dachten ans Tier und nicht an ihre Ideologie.»

Die Metallplatten sind schuld

Weil Divina wegen der Hufe auf dem Eisenuntergrund keinen Halt fand, war es für sie schwierig, wieder auf alle Viere zu kommen. «Dass ist, wie wenn wir Menschen auf Glatteis aufstehen müssen», erklärt der Besitzer. «Das ist gar nicht so einfach.» Die Ursache für den Pferdesturz war rasch klar: die Metallabdeckungen auf der Fahrbahn bei der Baustelle. Nicht nur das Metall war das Problem, auch die Regennässe. Sie machte alles noch rutschiger. «Für mich ist das von den Organisatoren absolut verantwortungslos», sagt er Besitzer. «Wir mussten mit dem Wagen eine Zehn-Prozent-Steigung nehmen. Dass die Tiere auf den Eisenabdeckungen keinen Halt mehr finden, ist völlig logisch. Die Chaise hinter uns hatte ebenfalls Probleme. Auch dort wäre ein Tier beinahe gestürzt», sagt der Pferdebesitzer.

Divina ist ein erfahrenes Zugpferd. Sie kommt bei Umzügen in der Schweiz in Einsatz und ist sich solche Situationen gewohnt. «In anderen Städten müssen diese Metallplatten abgedeckt werden», sagt der Pferdebesitzer. «Am Sechseläuten in Zürich etwa, wo meine Pferde auch immer im Einsatz stehen, wird das konsequent gemacht.» Der Pferdebesitzer will sich nicht dazu äussern, wer am Ende dafür hätte sorgen müssen, dass die Pferde nicht am Cortège ausrutschen, das Bau- und Verkehrsdepartement als Oberaufsicht über die Baustelle, der Baustellenbetreiber oder aber das Fasnachts-Comitè. Wie jedes Jahr seien die für die Baustellen im Innenstadt-Perimeter verantwortlichen Baufirmen angewiesen worden, die Oberfläche abzudecken und für rutschfeste Oberflächen zu sorgen, sagt Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements Basel-Stadt auf Anfrage. Das ist bei dieser Baustelle offensichtlich vergessen gegangen. «Im konkreten Fall haben Allmendverwaltung und Community Policing der Polizei die zuständige Baufirma angewiesen, die Platten am Steinenberg bis am Mittwoch mit einem rutschfesten Belag zu versehen», sagt Keller.

Pferd war nicht sediert

Tierschützer nehmen den Vorfall zum Anlass, ihre Forderung zu bekräftigen, Pferde an der Fasnacht zu verbieten. «Ein gesundes Tier, welches nicht unter Stress oder Medikamente steht, würde nach einem Sturz umgehend wieder aufstehen», schreibt Olivier Bieli, Kampagnenleiter «Für eine Basler Fasnacht ohne Tierleid» am Dienstag in einer Mitteilung. «Das betroffene Pferd muss völlig erschöpft gewesen sein oder aber unter starkem Medikamenteneinfluss gestanden haben.» Der Pferdebesitzer schüttelt ob einer solche Darstellung nur den Kopf: «Die Polizei hat nach dem Sturz sofort eine tierärztliche Untersuchung angeordnte, der wir uns ohne Widerspruch unterzogen haben. Unsere Pferde haben keine Medikamente bekommen, es war alles korrekt.» Auch das Fasnachts-Comitè teilte am Dienstag mit: «Eine tierärztliche Untersuchung ergab, dass das Pferd keine Stresssymptome zeigte und keine – mit Ausnahme einer kleinen Schürfung – Verletzungen davontrug. Es hätte weiterhin am Cortège mitlaufen können.» Vorsorglich wurde das Pferd aber aus dem Cortège genommen.

Der Pferdebesitzer sagt, das Tierwohl stehe bei ihm an erster Stelle, und er behalte sich vor, gegen solche willentlichen Falschdarstellungen der Tierschützer rechtlich vorzugehen. Fazeneetli-Obfrau Pfeffer findet das Verhalten der Tierschützer «inakzeptabel». Es gehe ihnen nur darum, mit dem Vorfall für ihre Anliegen Stimmung zu machen. «Ich habe den Vorfall dem Comitè gemeldet und verlangt, dass Massnahmen ergriffen werden, damit bereits am Mittwoch die Pferde nicht wieder ausrutschen können», sagt Pfeffer. Vom Verzicht einer Teilnahme am Mittwochscortège, wie ihn die Tierschützer durchsetzen wollen, will die Chaisen-Fasnächtlerin nichts wissen. Das Fasnachts-Comité ist über die Massnahmen informiert und hält nichts von einem Fahrverbot für Chaisen. Die Tierschützer haben am Mittwoch, um 12 Uhr, zu einer Protestkundgebung im De-Wett-Park aufgerufen.

Basler Zeitung

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