Volkskino auf dem Münsterplatz droht das Aus

Das Orange Cinema auf dem Münsterplatz muss sich schon wieder neu ausrichten. Der Filmreigen unter freiem Himmel startet am Donnerstagabend.

Kein Geld vom Swisslos-Fonds: Das Open-Air-Kino auf dem Münsterplatz zieht an schönen Sommerabenden bis zu 2000 Zuschauer an.

Kein Geld vom Swisslos-Fonds: Das Open-Air-Kino auf dem Münsterplatz zieht an schönen Sommerabenden bis zu 2000 Zuschauer an.

(Bild: Dominik Plüss)

Eigentlich ist es ja eine Erfolgsgeschichte. Die neue Gestaltung und inhaltliche Form des Orange Cinema im vergangenen Jahr stiess beim Publikum auf eine begeisterte Resonanz. Die Idee einer offenen Piazza, ähnlich derjenigen in Locarno, und die volkstümlichen Eintrittspreise von fünf Franken – ausser bei Vorpremieren – brachten zahlreiche Besucher auf den Münsterplatz. Nun müssen sich die Veranstalter allerdings bereits wieder ein neues Konzept überlegen.

Der Grund: Die Regierung hatte das Volkskino über den Swisslos-Fonds ­Basel-Stadt im vergangenen Jahr mit 25'000 und in diesem Jahr mit 50'000 Franken unterstützt. Doch damit ist jetzt Schluss. «Der Regierungsrat hat für die diesjährige Durchführung von Orange Cinema letztmals 50'000 Franken gesprochen. Ursprünglich war die Unterstützung des neuen Konzepts als Anschubfinanzierung gedacht, deshalb letztmals», erklärt Doris Schaub, Leiterin des im Justiz- und Sicherheitsdepartements angesiedelten Swisslos-Fonds.

Zu kommerziell?

Offenbar wurde der Zuschuss aber auch gestrichen, weil das Orange Cinema in den Augen der Regierung eine kommerzielle Veranstaltung ist. Dabei hat die Regierung gerade 150'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds für das kommerzielle Musical «Lion King» gesprochen, das im kommenden Jahr endlich wieder mal für volle Reihen im Musical-Theater sorgen soll.

Für den CEO der Cinerent Open Air AG, Peter Hürlimann, ist der Entscheid der Regierung völlig überraschend gekommen. Nach dem Erfolg mit dem neuen Konzept eines «Volkskinos» hatte er damit gerechnet, dass der Kanton sein Engagement für die Allgemeinheit fortführen werde. «Wir haben ja von der Regierung den Auftrag bekommen, eine neue Form für das Open-Air-Kino auf dem Münsterplatz zu finden. Dies ist uns mit dem Volkskino auf der Piazza gelungen», meint Hürlimann. «Das neue Konzept hat wie eine Bombe eingeschlagen.»

Dabei gab es auch gewisse Hürden zu überwinden. So mussten die Sponsoren überzeugt werden, dass sie noch immer einen Gegenwert erhalten, auch wenn nun die Eintrittspreise billiger sind. Und auch die Verleiher mussten sich auf das neue Konzept einlassen. «Am Schluss hatten wir alle im Boot und nach dem vergangenen Jahr auch voll überzeugt, dass das Konzept in Basel funktioniert», erklärt Hürlimann.

Weniger Einnahmen

Doch finanziell ging die Rechnung nicht auf. «Wir haben uns höhere Einnahmen aus dem Catering erhofft, was dann nicht eingetroffen ist», erklärt ­Peter Hürlimann. Denn irgendwie müssten die günstigeren Eintritte auch wieder reingeholt werden. «Eigentlich subventionieren wir in Basel 20 Filme mit 14 Franken. Da kommt eine ganz schöne Summe zusammen.» Auch wenn nicht nur neue Filme gezeigt würden, seien die Abgaben an die Verleiher trotzdem nicht niedriger.

«Das Produkt, das wir einkaufen, ist gleich teuer wie in den Vorjahren. Wir können die tieferen Preise nicht einfach auf den Verleiher überwälzen.» Deshalb sei der Beitrag durch den Swisslos-Fonds so wichtig. «Damit wird nicht unsere Firma, sondern das spezielle Angebot in Basel finanziert», so Hürlimann.

In Zürich und in Bern läuft ein Open-Air-Programm, wie es Basel aus den Jahren vor 2013 kennt, mit aktuellen Filmen und Vorpremieren und Preisen von bis zu 24 Franken pro Ticket. In Basel kostet der Eintritt sogar bei Vorpremieren weniger, nämlich 15 Franken. «Doch wir können uns selber als Unternehmen nicht subventionieren. Deshalb müssen wir uns überlegen, wie es auf dem Münsterplatz weitergehen soll», sagt Peter Hürlimann. Den Standort will die Cinerent Open Air AG nicht aufgeben, doch das Konzept muss wohl wieder verändert werden, wenn die Gelder aus dem Swisslos-Fonds ausbleiben.

Die einfachste Möglichkeit wäre, wieder das gleiche Konzept wie in Bern und Zürich mit den gleich hohen Eintrittspreisen zu übernehmen. Doch von Volkskino kann dann in Basel keine Rede mehr sein. «Wir selber würden das auch sehr bedauern. Denn die Atmosphäre auf dem Münsterplatz ist schon sehr speziell und verlangt nach einem besonderen Konzept», meint Peter Hürlimann.

«The Kid» mit Livemusik

In diesem Jahr darf sich das Basler Publikum aber noch auf ein vielfältiges Volkskino auf einem schönen Platz freuen. Den Anfang macht morgen Donnerstag die hoffentlich auch vom Wetter begünstigte sommerliche Vorpremiere von «Les vacances du petit Nicolas». Ein weiteres Highlight ist die Vorpremiere von Martin Suters Bestseller «Der Koch», an der Regisseur Ralf Huettner und einer der Hauptdarsteller, Hanspeter Müller-Drossaart, auf dem Münsterplatz sein werden. Kinder können sich auf den Film «Rio 2» freuen, zumal Kinder bis und mit 12 Jahren keinen Eintritt bezahlen müssen. Und das Sinfonieorchester Basel wird diesmal unter den Leitung des belgischen Dirigenten und Komponisten Dirk Brossé Chaplins frühes Meisterwerk «The Kid» von 1921 live begleiten.

Cineasten kommen schliesslich in den Genuss des Kultfilms «Casablanca». «Sie kriegen auf dem Münsterplatz die Originalversion zu sehen, die nur wenige Leute kennen. Das hat gar nichts mit der Fassung fürs Fernsehen zu tun. Auf der riesigen Leinwand wird dieser Film erst zum Erlebnis», schwärmt Peter Hürlimann.

Orange Cinema, Basel. Münsterplatz. 7.–31. August. www.orangecinema.ch

Basler Zeitung

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