Veloparkplatz mitten auf der Strasse

Der Kanton ersetzt eine Fahrspur durch Parkflächen für Velos zwischen Tramstation und Strasse. Grossräte sprechen von einem Planungsfehler.

Erhebliches Konfliktpotenzial: Die Reduktion auf eine Fahrspur engt die Platzverhältnisse für Fussgänger, Velos und Autos ein.

Erhebliches Konfliktpotenzial: Die Reduktion auf eine Fahrspur engt die Platzverhältnisse für Fussgänger, Velos und Autos ein.

(Bild: Kostas Maros)

Bis anhin kamen Velo- und Autofahrer am Bankverein gut aneinander vorbei. Das hat sich nun geändert, denn das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) hat in der Aeschenvorstadt die linke Fahrspur in Richtung Steinenberg gesperrt. Wo Velofahrer bis vorgestern die Autos links überholen konnten, um in Richtung Innenstadt zu fahren, ist neu ein Parkplatz mit der Aufschrift «Velos» markiert. Auf dem rund 25 Meter langen Feld dürften schätzungsweise etwa 80 Velos Platz haben.

Für die Organisation Pro Velo beider Basel kommt diese Reduktion auf eine Spur einer «leichten Verschlechterung» für die Velofahrer gleich. «Auf der verbleibenden Spur kann jetzt ein Fahrrichtungskonflikt mit den abbiegenden Autos entstehen», sagt Pro-Velo-Präsident David Wüest-Rudin. Ein Augenschein vor Ort bestätigt, dass sich Velos und Autos in die Quere kommen. Wüest-Rudin fordert daher eine zweite Velowartezone vor dem ersten Haltebalken bei der Kreuzung. «Damit können die Velos rechts vorbeifahren und sich vorne einordnen. So werden Konflikte vermieden.»

Abgesehen von der Spurführung findet Pro Velo es aber sinnvoll, dass dort mitten auf die Strasse ein Parkplatz aufgemalt wurde. «Grundsätzlich mehr Veloparkplätze in der Innenstadt sind eine gute Sache», sagt Wüest-Rudin. Der bestehende Platz an der Kreuzung bei der Buchhandlung Bider&Tanner sei oft stark belegt bis überfüllt. Es könne gar sein, dass bei der Umgestaltung der Elisabethenstrasse an diesem Ort Abstellfläche verloren gehe.

Aufhebung des Feldes verlangt

Für SVP-Grossrat Joël A. Thüring ist der Veloparkplatz mitten auf der Strasse «absurd». Die Situation an der Haltestelle Bankverein sei schon ohne abgestellte Velos schwierig. «Die Leute, welche die Trams benutzen, strömen über das Perron und benutzen die Strasse als Flucht, um auf das gegenüberliegende Trottoir zu gelangen. Wenn dort nun Velos stehen, dann ist die Flucht versperrt und auf dem Perron droht das Chaos», sagt Thüring. Dazu komme, dass Velofahrer bereits bestehende Abstellflächen nicht benutzten. «Die Velofahrer halten sich nicht an die Markierung und so stehen die Velos dann plötzlich auch auf den Tramgeleisen oder auf der Strasse», sagt Thüring. Er fordert die sofortige Aufhebung des neuen Veloparkfelds.

Auch TCS-Präsident und Grossrat Christophe Haller (FDP) sieht in diesem Veloparking einen Planungsfehler, den es rückgängig zu machen gelte. «Wie sollen nun gehbehinderte Menschen ins Tram einsteigen können, wenn dort Velos im Wege stehen und es auf dem Perron eng wird?», fragt er. Diese wichtige Tramhaltstelle sei bereits ohne Veloparking oft überfüllt und die Situation drohe sich nun noch zuzuspitzen.

Die BVB begrüssen das Veloparking, wie es auf Anfrage heisst. «Wir werden die Nutzung des Parkplatzes aber beobachten und uns bei Behinderungen der Fahrgäste durch falsch parkierte Velos mit dem BVD austauschen», sagt BVB-Mediensprecherin Claudia Demel.

Auch Autos haben Platz

Neben Velos können offenbar auch Roller oder Autos auf dem weissen Parkfeld abgestellt werden. Denn laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) muss nach geltendem Recht die blaue Signaltafel mit weissem P für «Parkieren gestattet» und auf einer Zusatztafel ein Velo gezeigt werden, falls der Parkplatz wirklich nur für Velos gedacht ist. Dieses Signal fehlt aktuell. Alternativ könne die Beschränkung auf Velos laut Astra anstatt aus der Zusatztafel auch aus der Grösse der Parkfelder hervorgehen. Das ist bei diesem Feld aber nicht der Fall, da auch fünf bis sechs Autos oder zwei Dutzend Motorräder und Roller auf der Fläche Platz hätten.

Das BVD habe die Veloabstellfläche geschaffen, weil das Verkehrsaufkommen aus der Aeschenvorstadt in Richtung Bankenplatz «gering» sei, sagt BVD-Sprecher Marc Keller: «Dafür sind nicht zwei Fahrspuren nötig.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt