Veganismus ist ein Rückschritt in der Evolution

Eine pluralistische Gesellschaft endet nicht am Esstisch. Ein Kommentar zur Forderung des Studierendenrats, in der Mensa fortan nur noch vegetarisches Essen aufzutischen.

Gemüse statt Fleisch: Die Forderung des Studierendenrats der Uni Basel sorgt für Wirbel.

Gemüse statt Fleisch: Die Forderung des Studierendenrats der Uni Basel sorgt für Wirbel.

(Bild: Keystone)

Hallo Veganer, habt ihr nichts Besseres zu tun? Als in einer an Fundamentalismus oder akademischen Kindergarten erinnernden Aktion ein Verbot für Fisch und Fleisch zu fordern? Warum dann auch nicht gleich Coca-Cola verbieten oder das Tragen von Wollpullovern, wie das unter jenen, die mehr sind als universitäre Salon-Veganer oder Schickimicki-Vegetarier, üblich ist, weil die Tiere beim Scheren schlechte Gefühle haben könnten?

In einem Internetforum fragt ein Veganer: «Ist es unter veganen Gesichtspunkten vertretbar, Schuheinlagen aus Schafwolle zu tragen? Ich meine, ich trage keine Wollpullover und hab auch sonst nichts aus Wolle, aber die Schafwolleinlagen machen einfach ein viel besseres Schuhklima als alle anderen Einlagen, wo man viel mehr schwitzt.» Wer möchte in einer Welt leben, in der so was ein ernsthaftes Thema ist? Wer will sein Leben mit solchen Inhalten füttern?

Der Mensch würde hungern

Eine pluralistische Gesellschaft endet auch nicht am Esstisch. Um es klar und deutlich zu sagen: In der Schweiz darf immer noch jeder essen, was er will, und niemand darf dem anderen vorschreiben, was er zu essen hat. Aus welchen Gründen auch immer. Kein Fleischfresser, dies nur am Rande, käme auf die Idee, Fleischfeinden den Massenverzehr von Salatblättern zu verbieten und ihnen Genozid am Gemüse vorzuwerfen.

Ihr sagt, Fleischkonsum sei Massenmord an Tieren und verweist auf deren Leid: böser, böser Darwinismus, verabscheuungswürdige Schöpfung (Tier frisst Tier, Mensch frisst Tier, Tier frisst bisweilen Mensch). Woher aber wisst ihr, dass nicht auch ein Blumenkohl leidet, wenn er aus der Erde gerissen wird? Ihr wünscht euch eine fleisch- und fischlose Gesellschaft. Wisst ihr, was das bedeuten würde? Die Tiere, die ihr schützen wollt, würden zwangsläufig langsam von der Bildfläche verschwinden. Der Mensch würde hungern, weil die Erde einfach zu wenig Anbaufläche bietet, um ihre Bewohner vegan satt zu kriegen.

Ohne Fleisch gäbe es diese veganische Eskapade nicht

Der Mensch ist ein Allesfresser, und zwar seit 2,5 Millionen Jahren, als die Gattung Homo die Welt betrat. Die Entdeckung von Fleisch als Nahrungsquelle beschleunigte die Evolution der Homospezies um den Faktor 10. Als Faustregel galt: je mehr Fleisch (und Fisch), desto grösser und leistungsfähiger das menschliche Gehirn. Am Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund wurde bei 120 Babys der Fleischgehalt in der Ernährung von acht auf zwölf Prozent erhöht. Die Hirne dieser Kleinmenschen wurden darauf hin besser durchblutet. Veganismus scheint vor diesem Hintergrund nicht eine neue Evolutionsstufe zu sein, sondern ein Rückschritt. Um es kurz zu machen: Ohne Fleisch gäbe es die veganische Eskapade dieser Tage nicht. Macht es Sinn, veganisch zu essen und die fehlenden Eiweissverbindungen über Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu führen?

Ihr sagt, die Mensa der Freien Universität Berlin serviere mit Erfolg vegetarisch-veganische Küche. Ich bezweifle das, ich kenne diese Mensa. Was noch einigermassen lebt, geht auswärts essen oder holt sich eine Currywurst. Und man fragt sich auch, was da im Studierendenrat los war, bei den nur zwölf anwesenden Studentenvertretern. Ein paar seien ohnehin Vegetarier oder Veganer, und den Fleisch­essern hat offenbar ein gezeigter Filmbeitrag mit unappetitlichen Schlachthausszenen den Rest gegeben. Und wenn Studierende jetzt dazu übergehen, Verbote der Freiheit vorzuziehen, möchte ich, dass man auf Uni-Toiletten das Toilettenpapier abschafft. Wegen der armen Bäume, des Kahlschlags des Amazonas und des Weltklimas.

baz.ch/Newsnet

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