«Unsere Branche muss unbedingt etwas tun»

Der Basler Detailhandel hofft, mit verlängerten Ladenöffnungszeiten am Samstag der Konkurrenz im nahen Ausland wieder Paroli bieten zu können. Der Präsident der Personalkommission der Migros Basel nimmt Stellung.

Die Kunden könnten auch in Basel am Samstag bald in den Genuss kommen, zwei Stunden länger einzukaufen.

Die Kunden könnten auch in Basel am Samstag bald in den Genuss kommen, zwei Stunden länger einzukaufen.

(Bild: Tim Loosli)

Sollen die Läden in Basel am Samstagabend um zwei Stunden länger offen bleiben? Am 3. März wird darüber abgestimmt. Für die betroffenen Angestellten nimmt der Präsident der Personalkommission der Migros Basel, Marcel­ Hostettler, im Interview Stellung.

Herr Hostettler, was halten die Angestellten der Migros von den verlängerten Ladenöffnungszeiten am Samstag?
Natürlich ist das Personal nicht hell begeistert, dass einige in Basel auch samstags später ­arbeiten müssten. Aber allen Mitarbeitenden sind die Gründe dargelegt worden. Unsere Leute wissen, dass schon zu viele ­Arbeitsplätze in den letzten Jahren verloren gegangen und längere ­Öffnungszeiten ein Bedürfnis sind. Weiter gilt es zu betonen, dass die ­Geschäfte am Samstag zwei Stunden länger öffnen können und nicht müssen. Und dies werden wohl vor allem Läden im Zentrum sein – und nicht irgendwo im hintersten Quartier.

Weshalb spielen diese zwei Stunden eine so grosse Rolle für den Detail­handel?Jahrelang wurde nur gejammert. Doch der Basler Detailhandel ist gegenüber den Nachbarkantonen und dem Ausland benachteiligt. Jetzt gibt es endlich die Möglichkeit für eine wirksame Anpassung, um Umsatz ­zurückzuholen.

Sie haben sicher auch Kontakt mit Kollegen in anderen Kantonen. Wie präsentiert sich denn da die Situation?
Ich kenne Kollegen im Shoppyland in Schönbühl bei Bern, das auch am Samstag bis 20 Uhr geöffnet hat. Nach Aussagen dieser Kollegen arbeiten sie am Samstagabend gut und die Kunden sind dankbar für diese längere Einkaufsmöglichkeit.

Der Einkaufstourismus ist für die regionalen Geschäfte ein Problem. Sind längere Öffnungszeiten eine Lösung?
Wir müssen bei uns die Stellen ­sichern, denn wir können den Wechselkurs nicht beeinflussen, dafür aber die Öffnungszeiten. Diese sind bestimmt ein Anreiz, wieder vermehrt in der Stadt einzukaufen und zu ­verweilen, vielleicht kommen sogar mehr Leute aus Deutschland und Frankreich. Ob diese Lösung gut ist, wird sich zeigen. Aber der Versuch für mehr Chancengleichheit ist es wert, denn unsere Branchemuss ­unbedingt etwas tun.

Schon die Einführung des Abendverkaufs unter der Woche hat zu vielen Diskussionen geführt. Wieso?
Arbeitszeiten und Einkaufen sind eben Themen, die alle Leute betreffen. Emotional wird es vor allem, wenn es um die Mitarbeiter geht, die am Samstag länger im Einsatz stehen müssen. Da wird argumentiert, das Familienleben der Betroffenen leide unter den längeren Öffnungszeiten am Abend.

Stimmt das nicht?
Die Gesellschaft hat sich doch verändert. Arbeits-, Lebens- und Einkaufsgewohnheiten, auch bei Familien, sind heute anders. Unsere Vollzeitangestellten arbeiten 41 Stunden. Das Personal muss also nicht länger arbeiten und wir nützen die Mitarbeiter nicht aus. In den Betrieben, die unter der Woche bis 20 Uhr geöffnet haben, muss jeder Mitarbeiter in der Woche im Schnitt an einem Abend länger bleiben. Es hat aber auch Leute, die mit ihrer Arbeit erst um 17 Uhr beginnen und gerne bis 20 Uhr arbeiten. Die wollen das explizit so. Es gibt eben Morgen- und Nachtmenschen. Nun hat es aber bereits verschiedene Einkaufsmöglichkeiten am Abend und am Wochenende. Das ist es ja. Wegen dieser zwei Stunden bricht jetzt eine grosse Diskussion los. Dabei kaufen die Leute längst rund um die Uhr in Tankstellenshops und Quartierläden ein. Da fragt niemand, wie lange dort die Angestellten arbeiten müssen. Wieso sollen da für den Basler Detailhandel andere Regeln gelten?

Wie sieht denn die Arbeitsbelastung aus, wenn die längeren Öffnungszeiten angenommen werden?
Diese ändern an unserer 41-Stundenwoche nichts. Als Präsident der Personalkommission der Migros Basel ist es mir ein grosses Anliegen, dass hier nicht einfach über die Köpfe der ­Mitarbeitenden hinweg entschieden wird. Wir nehmen schon heute – so gut es geht – Rücksicht auf die familiäre Situation der Angestellten. Es wird deshalb auch in Zukunft nicht so sein, dass die Leute nun jeden Samstag ­arbeiten müssen. Hier werden wir ­gemeinsam neue Einsatzmodelle entwickeln. Ich kann mir auch vorstellen, dass am Samstag vermehrt Aushilfen wie Studenten zum Einsatz kommen.

Gegen die erweiterten Ladenöffnungszeiten machen vor allem die Gewerkschaften mobil. Wie viele der Migros-Mitarbeiter sind gewerkschaftlich organisiert?
Das sind so um die drei Prozent.

Die Anliegen der Mitarbeiter werden also vor allem von der Personalkommission wahrgenommen?
Das ist so und wir sind damit bislang sehr gut gefahren. In wichtigen Fragen werden wir immer vorab informiert und miteinbezogen. Das war auch jetzt der Fall. Nochmals: Niemand ist begeistert, am Samstag länger arbeiten zu müssen, doch für die Arbeitsplatzsicherung in Basel ist das wichtig.

baz.ch/Newsnet

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