Top-Sujet: Negro-Rhygass und Narrenfreiheit

Das Fasnachts-Comité stellt «Rädäbäng» vor und betont, die Narrenfreiheit müsse hoch gewichtet werden. Die Rassimus-Debatte polarisiert.

Rassismus-Debatte: Der Begriff «Narrenfreiheit» mit Bezug zur Negro-Rhygass, Political Correctness und Angst um die Fasnacht führen die Sujet-Liste an.

Rassismus-Debatte: Der Begriff «Narrenfreiheit» mit Bezug zur Negro-Rhygass, Political Correctness und Angst um die Fasnacht führen die Sujet-Liste an.

Dominik Heitz

Der schwarze Mann. Er war im Vorjahr ein grosses Thema in unserer Stadt. Darf eine Guggenmusik einen die Pauke schlagenden Afrikaner im Bastrock mit Knochen im Haar noch als Signet verwenden? Ist das nicht rassistisch? Und ist es «Negro-Rhygass», der Name der besagten Guggenmusik, nicht auch? Ebenfalls ins Visier geriet die Gugge Mohrekopf.

Das Thema hat nicht mehr losgelassen. Kein Wunder, findet es Eingang in die diesjährige Fasnacht. An der gestrigen Medienorientierung des Fasnachts-Comités gab Obfrau Pia Inderbitzin bekannt, dass ungefähr zehn Prozent, das heisst gegen 50 der am Cortège teilnehmenden 490 Einheiten unter dem Oberbegriff «Narrenfreiheit» ein Sujet rund um die beiden Guggen ausspielen. Political Correctness gehört hier ebenso dazu wie Neutralität und die Haltung, lieber zu schweigen als etwas Falsches zu sagen.

«Narrenfreiheit muss hoch gewichtet werden», sagte Inderbitzin. «Das Comité will hier keine Zensurbehörde sein.» Und sie sei überzeugt, dass die Fasnachtsgruppierungen mit Fingerspitzengefühl vorgehen.

148 erkennbare Sujets

Insgesamt 148 erkennbare Sujets hat das Comité aus dem Fasnachtsführer «Rädäbäng» herauslesen können. 34 Mal wird die Muba respektive die Messe Basel genannt, 19 Mal das mit Plastik verschmutzte Meer und 15 Mal der heisse Sommer und seine Folgen. Als Sujets tauchen aber auch der Klimawandel auf, Nazis in Deutschland, Waffenexporte, das hektische Alltagsleben und der Tourismus. Und natürlich dürfen Jubiläen nicht fehlen: 50 Jahre Mondlandung, 100 Jahre Circus Knie, 90 Jahre Mickey Mouse, 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten, 50 Jahre Woodstock, 75 Jahre LSD oder 70 Jahre Knorrli.

An Basler Sujets zu nennen sind unter anderem: die Tesla-Beschaffung durch die Polizei, der Brand im Hafenareal, der Dreck in Basel und am Rhein, das Buschi im Grossratssaal, die Surfwelle im Rhein, Forellen in der «Walliser Kanne», BVB, zunehmende Kriminalität, Frauen in Zünften.

Die Zahl der beim Fasnachts-Comité angemeldeten Einheiten hat sich von 470 auf 490 erhöht; die Pfeifer- und Tambourengruppen, die Guggen und Gruppen haben hier zugelegt.

Interessant ist zu sehen, dass sich in den letzten Jahren mehr und mehr Partnerschaften unter den einzelnen Gruppierungen zu bilden beginnen: Unter anderem tun sich in diesem Jahr fünf Stammvereine mit je einem Wagen zusammen. Fünf Guggen haben sich ebenfalls dazu entschieden, mit einem Wagen auf die Piste zu gehen, und auch eine Chaise hat als Partner einen Wagen ausgesucht.

Bei der offiziellen Strassenfasnacht am Montag und Mittwoch behält man das Konzept der inneren und äusseren Route bei, hat aber wegen der Bauarbeiten für ein Parking beim Kunstmuseum eine kleine Änderung auf der äusseren Route vorgenommen: Die Strecke führt vom Bankenplatz nicht durch den St.-Alban-Graben, sondern neu durch die Aeschenvorstadt und via Brunngässlein und Dufourstrasse zur Wettsteinbrücke. Die innere Route führt weiterhin durch den St.-Alban-Graben. Gleich bleiben auch die drei Comité-Standorte am Steinenberg, in der Clarastrasse und auf der Wettsteinbrücke.

Pausenplätze für Pferde

Die im letzten Jahr erstmals erfolgten Massnahmen zum Wohle der Pferde werden weiterhin beibehalten: Für die Chaisen ziehenden Tiere sind entlang der Routen möglichst ruhige Pausenplätze definiert. Auch wird wieder eine Tierärztin anwesend sein und stichprobenartig Pferde auf ihre Gesundheit hin kontrollieren.

Zum Pièce de Résistence gehört seit Jahrzehnten die Laternenausstellung auf dem Münsterplatz. Die Wagen- und Requisitenausstellung auf dem Kasernenareal findet ebenfalls wieder statt – wegen des Um- und Neubaus der Kaserne allerdings nicht im gleich grossen Umfang. Und die Chaisen-IG wird am Fasnachtsmittwoch um 17.30 Uhr vor dem Hotel Les Trois Rois ihre Chaisete abhalten.

Seit Jahren ein immer wiederkehrendes Ärgernis am Morgestraich sind beleuchtete Schaufenster. Das Comité schickt deshalb erneut zwei Zweierequipen in die Stadt, die mit schwarzen Plastikplanen unterwegs sind, um beleuchtete Vitrinen zu verdunkeln. Zudem wird zuvor eine Delegation des Fasnachts-Comités die neuen Geschäfte in der Innenstadt sowie die «Sünder» des Vorjahres aufsuchen und ihnen die Wichtigkeit des Lichterlöschens am Morgenstreich klar machen.

Und schon jetzt macht das Fasnachts-Comité auch auf ihre Nachwuchsarbeit aufmerksam. Diese zeigt sich direkt nach der Fasnacht in der «1. Lektion», die am Freitag, 15. und Samstag, 16. März in einem grossen Zelt auf dem Barfüsserplatz stattfindet.

Der «Rädäbäng» ist für 8 Franken ab sofort in allen Sutter-Filialen erhältlich.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt