Stolpernde Handyphilos

Wie oft kommt es eigentlich zu Natel-Unfällen? Den Blick starr aufs Display … das nervt. Stadtnotizen aus Basel.

Im Bann des Handys: Wer auf sein Telefon starrt statt auf die Strasse, lebt gefährlich.

Im Bann des Handys: Wer auf sein Telefon starrt statt auf die Strasse, lebt gefährlich.

(Bild: Nicole Pont)

Wenn dann so einer, wie kürzlich beobachtet, hochkant und ungebremst die Drämmli-Treppe runterstolpert, dann, nun, die Geschichte soll niemandem vorenthalten werden. Es war also einer dieser regnerischen Fast-Wintertage, die in dieser Saison zahllos geworden sind. Der Tag war noch jung, die Leute dementsprechend müde und hektisch zugleich. Man strömte durcheinander über den Bahnhofplatz, jeder kompromisslos seinem Drämmli zu. Auf den Perrons stauten sich die Wartenden, viele von ihnen ins Mobiltelefon vertieft, manche mit der Nase in einer Gratiszeitung. Da kam das Drämmli angebraust.

Seine Passagiere drängten sich bereits vor den noch verschlossenen Türen, schliesslich weiss man nie, ob sie lange genug offen bleiben werden, um jeden rauszulassen. Als nun das grosse Hinausströmen begann, wurde auch ein junger Mann, komplett eingenommen von dem, was auf seinem leuchtenden und besonders grossen Telefondisplay geschah, Richtung Tramtreppe gespült. Kein Blick vom Handy weg, ein falscher Tritt, ein Stolpern, und schon kam uns Wartenden ein verdutzter Jüngling entgegen. Denn das hier war kein Niederflurtram.

Dunkelziffer Handy-Unfälle

Bilanz? Das wird Beulen geben. Ausserdem: Hand aufgeschürft, Schal schmutzig und Schimpfworte wieder mal gezielt zum Einsatz gebracht. Dem Handy, sehr wahrscheinlich Marke Samsung, ist übrigens nichts passiert. Glück gehabt! Wie oft kommt es eigentlich zu Natel-Unfällen? Wenn alle aufs Display schauen und niemand auf die Strasse, sollte es davon eigentlich wimmeln. Zusammenstösse und schmerzhafte Stürze, so weit das Auge reicht. Doch offenbar sind wir besser, als man denkt. Trotz festgeklebtem Display-Blick. Meine Erfahrung jedenfalls kann dem bereits rapportierten Sturz keine weiteren Beobachtungen anfügen. Doch auch die Notfallaufnahme der Uniklinik kann nicht weiterhelfen, denn hier müssen die Patienten den Grund ihres Sturzes nicht angeben.

Klar. Man gehe aber schon davon aus, dass es beim einen oder andern das Handy war. Vielleicht die Polizei? Nein, auch sie weiss nicht viel mehr über die stolpernden und unfallverursachenden Handyphilos. Zahlen zu wegen Telefonierens am Steuer gebüssten Automobilisten sagen leider auch nicht viel über das Fussgängerverhalten aus.

Ach ja, dass der Typ vor purlauterem aufs Mobiltelefonschauen gestolpert und auf den nassen Boden gepurzelt ist, musste ich natürlich meinen Freunden mitteilen. War halt lustig. Per Whats App, natürlich. Aber immerhin hatte ich da schon auf meinem Tramsitz Platz genommen. Und sonst blicke ich beim Tippen auch immer über meinen Natel-Rand hinaus. Von jetzt an zumindest …

Basler Zeitung

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