Spanner in der Universitätsbibliothek

In der Herrentoilette der Uni-Bibliothek (UB) werden seit Jahren immer wieder die Trennwände durchbohrt. Die Spannerei durch die Wände ist aber nicht strafbar.

Blickt man in der Herrentoilette der UB auf die bunt beschriebene Trennwand, sieht man drei etwa ein Zentimeter grosse Löcher, die zum gegenüberliegenden vermeintlich stillen Örtchen führen. Der Geschichtsstudent Reto* berichtete der BaZ, dass ihm durch eines der Löcher zweimal ein Auge entgegenblickte. «Die Löcher gibt es spätestens seit 2004», erinnert sich der ehemalige Ethnologie-Student David*. Im Winter 2005 habe er einen jungen Mann in flagranti erwischt, wie er durch ein Loch in die andere Kabine guckte.

Dem Leiter der UB, Hannes Hug, «ist das Problem mit den Löchern in der Herrentoilette seit zwei bis drei Jahren bekannt», wie er auf Anfrage der BaZ sagt. Der Abwart schliesse die Löcher immer wieder mit Kitt. «Kurz darauf bohrt sie aber irgendjemand wieder nach», beklagt Hug. Sind die Löcher nicht zugekittet, helfen sich die WC-Benutzer selber und stopfen sie mit Toiletten-Papier zu.

Viele Reklamationen

Die Berichte über Spanner hielt Reto für Gerüchte, bis er im Herbst 2007 und am 17. November 2008 selbst Opfer eines Spanners wurde. In beiden Fällen schaute Reto im UB-WC im ersten Stock aus einer Kabine ein Auge entgegen. Wenige Minuten später sei jeweils derselbe etwa fünfzigjährige Mann aus der Toilette direkt zum Ausgang geeilt. Er folgte dem Mann und hoffte, unterwegs eine Polizeistreife zu treffen, verlor ihn aber bald aus den Augen. Anschliessend meldete er den Fall am UB-Empfang, wo man von ähnlichen Reklamationen zu berichten wusste, wie Reto sagt.

Am 19. November ging Reto auf den Polizeiposten im Gundeli, um die Vorfälle zu melden. Der Polizist ackerte das Strafgesetzbuch durch und befand, dass er bei der Polizei am falschen Ort sei. Das Strafgericht könne ihm vielleicht weiterhelfen. Dort sagte man Reto nach intensiven Abklärungen, es liege kein Tatbestand vor. Man habe ihm im Scherz noch geraten, «in diesem Fall das Faustrecht zu nutzen», wie Reto anmerkt.

Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Markus Melzl, bestätigt, dass der Spanner sich nicht strafbar gemacht habe. Durch ein bestehendes Loch zu spitzeln, verstosse «natürlich gegen unsere Anstandsregeln», sei aber keine sexuelle Belästigung und breche auch sonst kein Gesetz. Die UB könnte jedoch wegen Sachbeschädigung klagen.

Der Mediensprecher des Sicherheitsdepartements, Klaus Mannhart, empfiehlt Personen, die sich belästigt fühlen, den Notruf der Polizei zu wählen. Das Aufkreuzen der Polizei habe «zumindest eine abschreckende Wirkung». «Zweimal von der gleichen Person belästigt: Das ist ein unangenehmes Gefühl», sagt Reto. Trotzdem will er den Fall ruhen lassen. Für den Spanner wünscht er sich mehr Hilfe als Strafe. Handlungsbedarf sieht er bei der UB. Diese müsse für blicksichere Toiletten sorgen. Die Leitung der UB will die Löcher zwischen den Kabinen weiterhin zukitten. Diesen Mittwoch wurde dies zuletzt gemacht.

Sisyphus-Arbeit

Zudem verdeckt seit Monaten eine zusätzliche Porzellanwand ein Loch zwischen Kabine und Pissoir. Weitere Baumassnahmen plant die UB vorerst nicht. «Ein Baugeschäft riet uns davon ab, eine Metallwand einzusetzen», antwortet Hug auf einen entsprechenden Vorschlag. Die UB sei aber froh, wenn Spanner gemeldet werden. Falls ein solcher identifiziert werde, verhänge die UB ein Hausverbot.

* Namen geändert

Basler Zeitung

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