Sorge wegen Drogenszene

In der Elisabethenanlage sind Dealer aktiv – nur wenige Meter von Schulhäusern entfernt. Laut Zeugen werden dort Drogen wie Heroin, Kokain und Cannabis verkauft.

Trügerische Idylle: Das Areal rund um den Pavillon nutzen Dealer zunehmend für ihre Geschäfte.

Trügerische Idylle: Das Areal rund um den Pavillon nutzen Dealer zunehmend für ihre Geschäfte.

Nina Jecker

Während auf der Terrasse des Restaurants Zum Kuss viele Basler ihr Feierabendbier geniessen, geht es ein paar Schritte weiter um andere Genussmittel. Rund um den Pavillon haben sich ein paar Dealer eingerichtet, die auf Kundschaft warten. Dort verkaufen sie laut Zeugen vor allem Cannabis, aber auch kleine Mengen Kokain und Heroin. Ihr Treiben ist Michael Hug, Präsident der Jungliberalen Basel-Stadt, ein Dorn im Auge. «Seit einigen Wochen gehen vermehrt Drogendealer und -konsumenten öffentlich ihren Geschäften nach», sagt er. Die Dealer sitzen auf den Bänken oder stehen um den kleinen Pavillon herum. Den Stoff lagern sie in den nahen Büschen. Ein einfaches Warnsystem soll dabei Ärger mit der Polizei verhindern: «Nähert sich eine Polizeistreife, hört man einen lauten Pfiff, die anderen sind dann auf der Hut», beschreibt Hug die Szene.

Markus Engeler, Betreiber des Restaurants Zum Kuss, das sich auch in der Elisabethenanlage befindet, hat ebenfalls eine Veränderung rund um den Pavillon beobachtet. «In den letzten paar Jahren hat sich die Situation dort merklich verbessert. Seit einigen Wochen stellen wir aber wieder zunehmend Gruppen fest, die sich dort aufhalten.» Um wen es sich dabei handle, könne er nicht sagen. «Es ist nur eine subjektive Beobachtung.»

Die Jungliberalen haben nun einen offenen Brief an die Behörden verfasst. Darin fordern sie, dass der Drogenhandel in der Elisabethenanlage unterbunden wird. Besonders im Hinblick darauf, dass sich in unmittelbarer Nähe des Parks zwei Schulhäuser befinden – das De-Wette-Schulhaus und das Kirschgartengymnasium. «Die Schüler verbringen oft ihre Mittagspause im Park und sollen vor der Drogenszene geschützt werden», findet Hug.

Vom Junkie-Park zur Grünanlage

Dafür, wie man das erreichen könnte, präsentiert er gleich selbst einen Vorschlag. Die Polizei solle ihren mobilen Posten rund um die Elisabethenanlage einsetzen. Bei der mobilen Wache handelt es sich um einen umgebauten Minibus der Polizei, mit dem diese in Quartieren Präsenz zeigen will. «Genau das bräuchte es jetzt bei der Elisabethenanlage», sagt Hug. «Auch deshalb, weil der Park für Fussgänger, die vom Bahnhof kommen, das Eingangstor zur Stadt ist.»

Zumindest bis zum Wintereinbruch könnte man so das Dealen verhindern und den Park als Visitenkarte wieder aufwerten», sagt Hug. Erfolgreich aufgewertet hat die Stadt die Anlage bereits einmal vor einigen Jahren. Abgeschlossen wurde das Projekt 2011 durch die Eröffnung des Betriebs «Zum Kuss».

Aus dem ehemaligen «Junkie-Pärkchen», das viele nur ungern betraten, wurde eine beliebte Grünanlage. «Dieser Erfolg darf nicht verloren gehen», findet auch Kathrin Meile. Die Kommunikationsfachfrau arbeitet beim Bankverein. Seit der Aufwertung gehe sie auf dem Arbeitsweg gerne durch die Anlage. Die Gruppen rund um den Pavillon störten sie dabei schon ein wenig. «Ich gehe da nie direkt vorbei.»

Polizei dementiert «Brennpunkt»

Die Kantonspolizei hat immer ­wieder in der Anlage zu tun, verneint aber die Bildung eines neuen Drogen-Hotspots: «Es ist bekannt, dass im De-Wette-Park immer wieder junge Erwachsene kiffen und dass dort auch Cannabis und Marihuana verkauft wird», sagt Martin Schütz, Sprecher des Justizdepartements. «Die Polizei ist dort – wie in anderen Parkanlagen auch – regelmässig uniformiert und zivil präsent, beobachtet, kontrolliert und handelt repressiv.» Regelmässig vor Ort ist zudem die Präventions- und Jugendpolizei.

Nicht bestätigen könne die Kantonspolizei jedoch, dass dort ein neuer «Brennpunkt» des Drogenhandels oder -konsums entstehe. «Die Kantonspolizei beurteile die Entwicklungen beim Drogenkonsum und -handel sowie den dafür bevorzugten Örtlichkeiten regelmässig und reagiere auf Veränderungen umgehend. «Aufgrund der derzeitigen Lagebeurteilung drängen sich aus ihrer Sicht beim De-Wette-Park keine weiteren Massnahmen auf», sagt Schütz.

Auch das Erziehungsdepartement sieht aktuell keinen Handlungsbedarf: «Die Schülerinnen und Schüler der erwähnten Schulhäuser halten sich tendenziell während der Pausen eher im Schulhof auf oder dann orientieren sie sich in Richtung Aeschenvorstadt», sagt Sprecher Simon Thiriet. Der dem Park zugewandte Eingang ins De-Wette-Schulhaus sei zudem geschlossen.

Basler Zeitung

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