SP will Stadt mit Hunden beleben

Die Genossen wollen einen Hundepark vor dem Rathaus, um die Basler Innenstadt attraktiver zu machen. Das sei «billigste Wahlpropaganda», sagen die Bürgerlichen.

Geht es nach der SP, soll es auf dem Marktplatz bald einen Hundepark geben.

Geht es nach der SP, soll es auf dem Marktplatz bald einen Hundepark geben.

(Bild: Jérôme Depierre)

Martin Regenass

«Für alle statt für wenige» lautet das Motto der SP. Mit den Worten will sie verdeutlichen, dass sie für soziale Gerechtigkeit kämpft wie keine andere Partei. SP-Grossrätin Tanja Soland nun stellt mit einem parlamentarischen Vorstoss diese Maxime auf den Kopf, indem sie auf dem Markt- oder Münsterplatz für die Gruppe von 4783 Basler Hundehaltern einen Hundepark wie im Horburgpark einrichten will. Hunde und Hundebesitzer sollen sich dort treffen. «Die Hunde können sich ungeniert austauschen und Herrchen und Frauchen ebenso», schreibt Soland in dem Anzug. Die Idee begründet sie folgendermassen: «Eine attraktive Innenstadt, die immer lebendig ist und nicht nur als Shoppingmeile benutzt wird, braucht attraktive Treffpunkte für die Basler Wohnbevölkerung.»

Als zusätzlicher Service könnte zu bestimmten Zeiten Hundesitting angeboten werden, damit «Herrchen und Frauchen in Ruhe shoppen gehen können». Neben Soland haben diesen Vorstoss die SP-Grossräte Franziska Reinhard, Thomas Gander, Georg Mattmüller, Beatriz Greuter, Salome Hofer, Edibe Gölgeli, Jürg Meyer, Brigitte Heilbronner, Toya Krummenacher, Christian von Wartburg sowie Tobit Schäfer unterschrieben. Der Hundevorstoss ist einer von mehreren, mit denen die Genossen die Stadt beleben wollen. So soll der Kanton etwa auch Buvetten auf dem Theater- oder Claraplatz schaffen oder einmal im Monat die Wettsteinbrücke für den Verkehr sperren. Grossräte von anderen Parteien finden sich auf dem Hunde-Anzug nicht. Sie sind aber für die Idee von Soland und Co. gar nicht Feuer und Flamme.

Robispielplatz wäre besser

CVP-Grossrätin Andrea Knellwolf sagt, dass es genug Spazierzonen für Hundehalter gäbe in der Stadt. «Darum ergibt es keinen Sinn, einen Hundepark an bester Lage in der Stadt zu bauen.» Zwar braucht es laut Knellwolf originelle Ideen, um die Stadt zu beleben, denn Plätze wie der Münsterplatz und der Barfüsserplatz hätten «Wüstencharakter». «Ein wichtiger Schritt wären zum Beispiel die Vereinheitlichung der Ladenöffnungszeiten, aber sicher nicht ein Gehege für Hundehalter. Da wäre ein Robispielplatz für Kinder und Erwachsene eine viel bessere Idee, denn davon könnten mehr Leute profitieren.» Knellwolf sieht hinter dem Vorstoss als einzige Absicht, dass die SPler die Hunde­halter für den kommenden Wahlkampf auf ihre Seite bringen wollen. «Ein Hundepark am Markt- oder Münsterplatz ist sicher kein dringliches Bedürfnis», hält Knellwolf fest.

Vor ein paar Jahren hatten André Auderset und Carmen Kolp von der LDP Kleinbasel eine Petition gestartet, um Hundebäder am Rhein oder den Hunde­park im Horburgpark zu realisieren. Auderset nennt den SP-Vorstoss «billigste Wahlpropaganda»: «Der Markt- oder Münsterplatz ist bestimmt die hundeunfreundlichste Zone in der ganzen Stadt und damit der dümmste Ort, weil es viele Leute und weder Naturboden noch Schatten hat», sagt Auderset. Ein Sprichwort besage, dass wer die Hündeler, die Fasnächtler sowie die FCB-Fans hinter sich habe, bei Wahlen in Basel-Stadt auch gewählt werde.

Grundsätzlich finde er aber den Ansatz der SP-Grossräte nicht schlecht. «Sie haben die ganzen Parkplätze gestrichen und die Innenstadt verkehrsfrei gemacht und bemerken jetzt, dass die Stadt belebt werden muss.» Besser wäre es dafür allerdings, die hohen Hürden für Bewilligungen zu senken und private Initiativen zu fördern, ganz nach dem Motto: ermöglichen anstatt verhindern, so Auderset.

Bevölkerung wird ausgeschlossen

Von einer «Katastrophe» spricht der SVP-Grossrat Oskar Herzig-Jonasch zu dem Vorstoss. «Der öffentliche Raum ist für alle Bürger da und sicher nicht nur für die Interessen einer kleinen Gruppe.» Obschon die Freiräume in der Stadt immer weniger würden, wolle man nun mit Reglementierungen die Nutzungen vorschreiben. Herzig-­Jonasch: «Das ist eine Entwicklung, die völlig in die falsche Richtung geht.»

Auch FDP-Präsident Luca Urgese sieht mit Hunden keine Attraktivitätssteigerung in der Innenstadt. Der Grossrat befürchtet «negative Immissionen», weil die Hunde dort ihr Geschäft erledigen würden. «Für mich ist dieser Vorstoss ein plumper Versuch, die schlechte Umsetzung der autofreien Innenstadt zu vertuschen», sagt Urgese. Dies gelänge aber sicher nicht mit einem Hundepark auf dem Marktplatz. «Das ist nicht belebend, da ein Hundepark nur für einen Teil der Bevölkerung gedacht ist und ein anderer Teil davon ausgeschlossen wird.»

Nach diesen Aussagen benannt, könnte das neue Motto der SP lauten: «Für wenige, anstatt für alle.»

Basler Zeitung

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