Raucher werden nicht vermisst

Seit eineinhalb Jahren müssen Basels Gastronomen nun mit dem Rauchverbot leben. Baz.ch fragte nach, wie es Nichtraucherbars und Clubs in der Basler Innenstadt ergeht - mit teilweise erstaunlichem Ergebnis.

Die «Cargo Bar»: Sie überrascht mit positiven Erfahrungen mit dem Rauchverbot.

Die «Cargo Bar»: Sie überrascht mit positiven Erfahrungen mit dem Rauchverbot.

Auf dem Kasernenareal haben die Gäste die Qual der Wahl: Wer rauchen möchte, kann seine Drinks in der «EG-Lounge» geniessen, diese gehört dem Verein «Fümoar» an. Wem jedoch der Rauch aus den Ohren qualmt, kann in die rauchfreie «KaBar» gehen. «KaBar»-Besitzer Dominik Bissegger ist aber über die wirtschaftliche Entwicklung, die das Rauchverbot mit sich brachte, gar nicht glücklich. Er verzeichnet vor allem im Winter einen massiven Gästerückgang. Seiner Meinung nach sei dies vor allem, weil die «EG-Loung» ein «Fümoar» sei, und so seine Gäste im Winter im EG loungen gingen. Weiter bestätigt er gegenüber baz.ch das Klischee, dass Raucher länger sitzenbleiben und mehr konsumieren würden als Nichtraucher. Somit hat er auch mit starken Umsatzeinbussen zu kämpfen. Trotz allem würde es für ihn nicht in Frage kommen, dem Verein «Fümoar» beizutreten. Eine richtige Erklärung dafür kann er baz.ch aber nicht geben.

Ein weiteres Nichtraucherlokal, das mit dem Rauchverbot nicht ganz zufrieden ist, ist die «Osteria Acqua» bei der Kuppel. PR-Verantwortliche Stefanie Klär erklärt, dass vor allem der Bar-und Loungebereich unter den Nichtraucherauflagen stark leide. Die Atmosphäre wäre einfach nicht wie zuvor. So würden sich die meisten Gäste draussen rauchend aufhalten, deshalb käme keine richtige Stimmung im Loungebereich auf. Anders sieht es aber im Essbereich der Osteria aus. Dort findet Klär, würden die Gäste das Rauchverbot sehr willkommen heissen.

Doch nicht alle sind negativ gestimmt

Überraschend klingt es hingegen in der «Cargo Bar». Geschäftsleiter Nikhil Bigler rühmt das Rauchverbot und sagt, dass die Bar entgegen der allgemeinen Befürchtungen trotz Rauchverbot keinen Gästerückgang zu verzeichnen habe. «Sicherlich haben ein paar Raucher dem Lokal den Rücken zugekehrt, doch durfte die «Cargo Bar» auch ein paar nichtrauchende Neulinge willkommen heissen», so Bigler. Diese hätten die Bar zuvor gemieden, weil ihnen der Raum zu verraucht gewesen wäre. Für den Geschäftsleiter steht fest, dass die «Cargo Bar» auf jeden Fall eine Nichtraucherbar bleiben wird. Die positiven Aspekte würden bei Weitem überwiegen. Der Raum würde nicht mehr unter der starken Rauchbelastung leiden und das Barpersonal fände es angenehmer, während der Arbeit nicht ständig zugequalmt zu werden, sagte Bigler.

Positiv klingt es auch beim «Des Arts» und der «All-Bar-One». Der Inhaber der beiden Lokale, Peter Opplinger, verzeichnet keinen Rückgang an Gästen, der auf das Rauchverbot bezogen werden kann. Er sagt, dass das «Des Arts» im Sommer einen Rückgang an Gästen verspürt, dies sei aber auf das grosse Alternativ-Angebot an Sommerbars zurückzuführen und nicht auf das Rauchverbot. Die in der Steinenvorstadt liegende «All-Bar-One», ebenfalls rauchfrei, hat sogar eher einen Zuwachs an Gästen erfahren. Der Gastronom Opplinger erklärt sich diese mit der Aufwertung der Steinenvorstadt mit einzelnen Restaurationsbetrieben, wie beispielsweise dem «Tibits» und dem «Burger King» - beides Nichtraucher-Restaurants.

Die Kommpromiss-Lösung

Ein gutes Beispiel für eine Kompromiss-Lösung ist die Kuppel. Sie versucht ihrem Publikum je nach Anlass gerecht zu werden, indem einzelne Parties so genannte «Fümoar»-Anlässe sind. Die Mehrzahl der Clubveranstaltungen sind aber rauchfrei, so zum Beispiel die beliebte «25UP»-Party-Reihe oder die traditionelle Salsa-Nacht am Dienstagabend.

Wie unsere kleine Umfrage zeigt, überwiegen die positiven Erfahrungen der Nichtraucherlokale. Dies ist überraschend, hat der Wirteverband Basel-Stadt doch im Vorfeld mit «verheerenden Folgen» und grossen Gäste- und Umsatzeinbussen gerechnet. Bei der Mehrzahl der befragten Lokale scheinen aber die befürchteten negativen wirtschaftlichen Effekte nicht eingetroffen zu sein. Das Rauchverbot scheint für sie kein Problem darzustellen. Im Gegenteil, einzelne Besitzer und Geschäftsführer sind überaus froh, rauchfrei zu sein.

baz.ch/Newsnet

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