Quereinsteiger drängen ins Parlament

Auf den Listen der Basler Parteien findet sich manch unerwarteter Name. Haben prominente Kandidaten grössere Wahlchancen?

Angelo Gallina ist einer der prominenten Quereinsteiger.

Angelo Gallina ist einer der prominenten Quereinsteiger.

(Bild: Keystone)

Anfang Woche mussten die Parteien ihre Kandidatenlisten für die Wahlen am 23. Oktober einreichen. Ein Blick auf die Listen zeigt: Viele Parteien setzen auf prominente politische Quereinsteiger. Der bekannteste Name ist wohl Gianna Hablützel-Bürki. Die ehemalige Fechterin (Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 Einzel und im Team), die neben ihren sportlichen Erfolgen für Schlagzeilen sorgte, als sie eine Sperre des Verbands vor Gericht bekämpfte, tritt im Wahlkreis Grossbasel-Ost für die SVP an. Die Partei rechnet sich dort Chancen auf einen zusätzlichen Sitz aus, dabei könnte der Name der Olympionikin helfen.

Sie habe aufgrund mehrerer persönlichen Gespräche mit dem Vizepräsidenten der SVP, Eduard Rutschmann, Lust auf Politik bekommen, sagt Hablützel-Bürki. Wichtig sei ihr etwa das Thema Sicherheitspolitik: «Früher habe ich mich in Basel sicherer gefühlt.» Auch über die Verkehrspolitik der letzten Jahre nervt sie sich: «Die Linken vernichten unsere Stadt.» Dass sie auch aufgrund ihres Bekanntheitsgrades angefragt wurde, glaubt die ehemalige Spitzensportlerin nicht. «Das hat keine Rolle gespielt.»

Tatsächlich haben politische Quereinsteiger, die bereits bekannt sind, einen gewichtigen Vorteil, meint Politikwissenschaftler Michael Hermann: «Ein bekannter Name wird schneller kumuliert oder zumindest nicht von der Liste gestrichen.» Das gute Abschneiden von Roger Köppel, Magdalena Martullo-­Blocher und Tim Guldimann bei den Nationalratswahlen im vergangenen Jahr seien gute Beispiele dafür.

Allerdings ist es fraglich, ob prominente Kandidaten der Liste wirklich zusätzliche Stimmen bringen: «Man weiss, dass Bisherige vor allem zu einer Umverteilung innerhalb der Liste führen. Ich gehe davon aus, dass dies bei bekannten Namen ähnlich sein dürfte», sagt Hermann. Grundsätzlich sieht er Personen aus Politik-nahen Branchen, also Ökonomen, Juristen oder Journalisten, im Vorteil gegenüber Sportlern, Musikern oder Promis: «Ihnen wird ein Wechsel eher zugetraut.»

Fasnächtler und Verwandte

Auch andere bürgerliche Parteien setzen auf Prominente, die bisher politisch noch nicht aufgefallen sind. Bei der LDP kandidieren etwa die ehemaligen Telebasel-Moderatoren René Häfliger und Diana Bevilacqua. Auch die beiden ehemaligen Strafgerichtspräsidenten Jeremy Stephenson und Lukas Faesch sind bekannte Namen, Letzterer nicht zuletzt auch durch seine Tätigkeit als Präsident der Stiftungskommission der Christoph Merian Stiftung. Weitere «Promis» auf der LDP-Liste: Das Kleinbasler Urgestein Werner Blatter, der durch den Raucherverein Fümoar bekannt gewordene «Pinguin»-Wirt Mario Nanni, Felix Hauser, Präsident des Hotelierverbandes, RTV-Präsident Alex Ebi, der langjährige Rathaus-Abwart Peter Fischer und der Cartoonist und Laternenmaler Urs «Däge» Degen.

Auch bei der GLP kandidiert mit Esther Keller eine ehemalige Tele­basel-Moderatorin. Bei der FDP wiederum sorgte vor allem der Name Angelo Gallina für Aufsehen. Der umtriebige Boxtrainer und -manager ist ein typischer Polit-Quereinsteiger. Mit Comité-Mitglied Alexander Sarasin und Schnitzelbänkler Richard Hubler sind auch prominente Fasnächtler vertreten. Auffallend sind auch die klingenden Namen bei den Bürgerlichen. Bei der CVP kandidieren Tiziana und Elio Conti, die Kinder des ehemaligen CVP-Gesundheitsdirektors Carlo Conti. Bei der LDP finden sich mit Corinne Eymann-Baier und Annina von Falkenstein die Frau und Tochter des Erziehungsdirektors Christoph Eymann auf der Liste.

Auch bei der SP will mit Melanie Nussbaumer die Tochter des Baselbieter Nationalrats Eric Nussbaumer in die Fussstapfen ihres Vaters treten. Ebenfalls auf der SP-Liste findet sich der bekannte Blues-Musiker und Richter Cla Nett. Beim Grünen Bündnis kandidiert unter anderem Thomas Erlemann, der als vehementer Gegner der neuen Scientology-Kirche im Iselin-Quartier bekannt wurde.

Basler Zeitung

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