Platz für kreative Jungunternehmer

Im Bahnhof St. Johann wird fleissig gebaut. Aktuell werden Bewerber für die Ateliers des Gründerzentrums gesucht.

Zum Beispiel Modedesigner. Nino Bollag arbeitet momentan in einem der Stellwerk-Ateliers an seiner neuen Kollektion.

Zum Beispiel Modedesigner. Nino Bollag arbeitet momentan in einem der Stellwerk-Ateliers an seiner neuen Kollektion.

(Bild: Lucian Hunziker)

Täglich fahren viele Basler hier vorbei, am Bahnhof St. Johann, wo vor über einem Jahr das Stellwerk eingezogen ist. Seither ziert eine Bauplane das Gebäude. Künftig sollen hier kreative Jungunternehmer ihre Produkte herstellen. «Bald werden die ersten Ateliers bezogen», sagt Geschäftsführer Olivier Wyss (32). Man versteht ihn kaum hier in der Küche des Gebäudes, denn ein Geschoss höher, im Estrich, werden gerade die Stützbalken herausgesägt. Auf das Sägen folgt der Knall, als das Holzstück zu Boden fällt. An eine Wand gelehnt stehen die neuen Balken bereit. Sie sollen den Raum nicht mehr so stark unterteilen wie die frühere Konstruktion, denn hier entsteht eines von zwei Grossraumateliers – mit 330 Quadratmetern das grösste im Haus.

Langsam nimmt es also Form an, das «erste Gründerzentrum für kreative Jungunternehmen in der Schweiz», wie die Initianten es durchaus mit Stolz nennen. Die Räume sind fertig geplant, die Bauarbeiter fleissig zugange, einige Ateliers werden bereits zwischengenutzt, etwa von Modedesigner Nino Bollag (27) – nur die definitiven Mieter und Mieterinnen fehlen noch. Deshalb kann sich ab sofort bewerben, wer eines der Ateliers beziehen und von der Förderung des Gründerzentrums profitieren möchte. Wer für seine Arbeit Ruhe braucht, kann sich ein Einzelatelier aussuchen, für andere ist vielleicht ein Grossraumatelier ein Thema. Angeboten wird beides. «Die Grossraumateliers bieten die perfekte Möglichkeit für Synergien, wie wir sie uns wünschen», betont Wyss.

Architektur, Mode-, Produkt- und Interior-Design

Die Ausschreibung richtet sich bewusst an aufstrebende Jungunternehmen aus den Bereichen Mode-, Produkt- und Interior-Design sowie Architektur. «Basel bietet unserer Meinung nach einfach zu wenig für kreative junge Leute aus diesen Bereichen», erklärt Wyss. «Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass junge Talente nicht abwandern, weil sie in Basel nicht die richtigen Bedingungen vorfinden. » Ein sechsköpfiger Beirat, bestehend aus Olivier Wyss, Modedesignerin Angie Ruefer, Texter Michael Schär, Designmarkt-Initiantin Monica Guarnaccia, Innenarchitekt Magnus Zwyssig und Texter und Gestalter Jan Knopp, wird aus den Interessenten die richtige Mischung wählen.

Man hoffe auf möglichst viele Bewerbungen, denn das Angebot sei äusserst attraktiv. «Die Förderung beinhaltet unter anderem ein Mietzins-Subventionsmodell», führt Wyss aus. Konkret heisst das, dass die Räume im Stufenmodell angeboten werden: Anfangs sind die Mieten bis zu 50 Prozent reduziert, dann steigen sie jährlich, solange «bis es weh tut», sagt Wyss. Die Idee ist, dass die Ateliers so nach drei bis fünf Jahren wieder frei werden. «Wir haben uns ein Modell für eine funktionierende Fluktuation überlegt und dieses ausgesucht», so Wyss.

Ausstellungsmöglichkeit im Showroom

In der Miete eingeschlossen ist zudem die Benützung von Gemeinschaftsräumen. Weiter können in einem Showroom neben dem Bistro die Produkte gleich dem Publikum präsentiert werden. Michael Schär (33), einer der Verantwortlichen für den Laden, wünscht sich nur schon deswegen eine gute Durchmischung der Mieter: «Es wäre auch schön, wenn man im Bistro gleich auf einem im Haus gefertigten Tisch essen könnte. » Hier sollen die Kreativschaffenden vom Laufpublikum profitieren. Schliesslich soll das Stellwerk Leben ins Quartier bringen, das haben sich die Initianten auf die Fahne geschrieben. Nun gilt es nur noch die richtigen Leute zur Verwirklichung des Traumes zu finden.

baz.ch/Newsnet

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