«Pflanze des Glücks»

Der Botanische Garten Basel zeigt die farbenfrohe und mystische Welt der Mohnpflanzen, deren Bestäuber und ihre Verwandten.

Mohnblüten gehören zum Farbenprächtigsten, das die Flora zu bieten hat.

Mohnblüten gehören zum Farbenprächtigsten, das die Flora zu bieten hat.

(Bild: Keystone)

Ihr milchiger Saft begleitet die Menschen in Mitteleuropa schon seit Jahrtausenden. Bei Grabungen fanden Archäologen Samenkapseln an Orten, an denen vor 30 000 Jahren die Neandertaler gelebt hatten. Keine andere Pflanze hat die Menschheit so lange begleitet und wurde in der Antike so oft besungen wie der Schlafmohn. Die Pflanze war «das Symbol des Schlafes und des prophetischen Traumes schlechthin», schreibt Ethnobotaniker Christian Rätsch. Auf einer sumerischen Schreibtafel 3000 vor Christus heisst es über den Mohn: «Pflanze des Glücks».

Nicht nur in Mysterienkulten spielte Mohn eine wichtige Rolle, auch in der Medizin hatte er seinen festen Platz. Er wurde vor allem als Schmerz- und Schlafmittel eingesetzt oder zusammen mit Bilsenkraut als Narkosemittel.

Der Botanische Garten Basel hat am Montag eine Ausstellung eröffnet, die sich zwar auch dem Schlafmohn widmet, aber nichtberau nur. «Es geht um Mohn als Pflanze, die verschiedenen Mohnarten, die es gibt, sowie ihre Verwandten», sagt Heinz Schneider, Kurator des Botanischen Gartens.

Farbenprächtig

Die Ausstellungsmacher öffnen den Fächer absichtlich breit. Gezeigt werden bis Juni verschiedene Mohnpflanzen oder auch Verwandte dieser Pflanzengattung. Da die unterschiedlichen Arten ab jetzt und in den kommenden Wochen zu unterschiedlichen Zeiten blühen, gibt es beim Eingang einen Kalender zu sehen, der über die Blühabfolge der Arten informiert. Mohnblüten gehören zum Farbenprächtigsten, das die Flora zu bieten hat.

Da sind etwa die Frühblüher wie Lerchensporn oder Schöllkraut und andere Mohnarten wie zum Beispiel der Stachelmohn oder der Atlas-Mohn, die erst später im Frühling ihre Blütenpracht entfalten. Schön sind sie ja alle. Natürlich ist auch der im Sommer oft zu sehende Klatschmohn dabei.

Blick in ein Ameisennest

Da viele Mohnarten auf eine Verbreitung durch Insekten angewiesen sind, haben sich die Ausstellungsmacher etwas Besonderes einfallen lassen – den Blick in ein Ameisennest.

Ameisen sind wichtig für die Mohnverbreitung. Grund ist ein ölhaltiges Kügelchen, das an den Samen klebt. Die Ameisen trennen dieses ab und ernähren sich davon – die Samen fallen als «Abfallprodukt» weg. Auf diese Weise helfen Ameisen wesentlich mit, den Mohn zu verbreiten.

«Mohn & seine Verwandten», Botanischer Garten Basel, von Mitte März bis Juni 2019, Eintritt frei. www.botgarten.unibas.ch

Basler Zeitung

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