Nur noch zwei Bummelsonntage

Die Regierung will die Polizeivorschriften betreffend die Fasnacht restriktiver fassen. Grund sind Klagen von Innenstadtbewohnern und Ladenbesitzern. Nun wollen Fasnächtler mobil machen.

Aufs Minimum reduziert: Die Polizeivorschrift betreffend Fasnacht soll geändert werden – und den Bummel einschränken.

Aufs Minimum reduziert: Die Polizeivorschrift betreffend Fasnacht soll geändert werden – und den Bummel einschränken.

(Bild: Dominik Plüss)

Seit der Fasnacht 2008 dürfen die Fasnächtler an den drei Bummelsonntagen eine Stunde früher, bereits ab 16 Uhr im Gross- und Kleinbasler Zentrum trommeln, pfeifen und musizieren. Die entsprechenden Polizeivorschriften die Fasnacht betreffend wurden geändert, nachdem CVP-Grossrat André Weissen im Herbst 2006 in einem breit abgestützten Vorstoss das Musizieren in Basel schon ab 14 Uhr gefordert hatte.

Das Bummelende wurde um 22 Uhr belassen. Weissen begründete seinen Anzug damit, dass viele Cliquen immer häufiger in Basel blieben und auf einen Ausflug in die nähere oder weitere Umgebung verzichteten, und dass «Basler Cliquen in einer Vielzahl von Ortschaften in der Umgebung gar nicht mehr erwünscht» seien.

Bummel statt Baselworld

Das scheint nun auch auf die Stadt Basel selber zuzutreffen – vor allem nach dem vergangenen Bummelsonntag. Neben den bereits alljährlich wiederkehrenden Lärmklagen von Innenstadtbewohnern ist in diesem Jahr die Kritik von Gewerbe und Messe hinzugekommen. Viele Ladenbesitzer konnten am verkaufsoffenen Sonntag unterdurchschnittlich viel Kundschaft begrüssen. «Die Kunden hatten wohl Angst vor dem Verkehrschaos, das nach 16 Uhr mit den vielen Cliquen in der Stadt entsteht», sagt der Sprecher einer Firma mit einem Laden an der Freien Strasse, der anonym bleiben will, zur BaZ. Demnach haben die Gewerbetreibenden bereits bei der Verwaltung interveniert und Massnahmen gefordert.

Auch die Messe habe ihre Kritik formuliert, habe er gehört, sagt der Sprecher. Dort seien an den Ständen der Baselworld ab 16 Uhr ebenfalls die Besucher ausgeblieben. Diese hätten sich lieber dem Spektakel in der Stadt gewidmet, das für viele Gäste aus entfernten Ländern sehr exotisch und deshalb besonders interessant gewesen sei. In der Regierungssitzung am Dienstag wurde das Problem erörtert. Regierungssprecher Marco Greiner bestätigt die Recherchen der BaZ. Die Überlegungen gingen dahin, den Bummel in Basel zeitlich und räumlich auf ein Minimum einzuschränken.

So soll es nur noch zwei Bummelsonntage geben, an denen von 18 bis 20 Uhr getrommelt, gepfiffen und musiziert werden darf. Ausserdem ist vorgesehen, das freie «Gässle» zu untersagen und nur noch die Strecke vom Bahnhof SBB über den Aeschenplatz, die Aeschenvorstadt und die Freie Strasse bis zum Marktplatz für die Fasnachtsformationen freizugeben. «Die Polizeivorschrift betreffend die Fasnacht könnte rasch und unbürokratisch angepasst werden», sagt Greiner. Angesprochen auf die Pläne der Regierung, reagiert Grossrat Weissen überrascht. Der Tambour der «Rhyschnoogge Rhyserva» will jetzt mit neuen Vorstössen aktiv werden.

«Es ist eine absolute Sauerei»

Aber auch die IG Pro Bummel, die sich nach Bekanntwerden der Pläne in der Fasnachtsszene formiert hat, will sich wehren. Der IG gehören rund zwei Drittel der Obleute von Stammcliquen an. Zudem sind die Vorstände der IG- und FG-Gugge in corpore vertreten. «Es ist eine absolute Sauerei, dass Basler Traditionen den Ansprüchen Einzelner weichen sollen», sagt Werner-Paul Müller, der die IG ins Leben gerufen hat.

Die IG will ihren Unmut heute kundtun. «Wir werden mit Trommeln und Piccolo vor dem Rathaus aufmarschieren und der Regierung den Marsch blasen», sagt Müller. Der Aufmarsch findet um 12.30 Uhr statt.

Basler Zeitung

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