Neue Strahlenquelle für Kleinbasler

Eine geplante Handy-Antenne auf dem Hotel Basilisk sorgt für Ärger. Besorgte Anwohner denken bereits über Wegzug nach und Liegenschaftsbesitzer befürchten einen Wertverlust.

Mast mit sechs Sendern. Die geplante Swisscom-Antenne soll auf dem Dach des Hotels Basilisk direkt über die ­Dachgärten der Nachbarschaft in deren Schlafzimmer strahlen.Visualisierung zVg

Mast mit sechs Sendern. Die geplante Swisscom-Antenne soll auf dem Dach des Hotels Basilisk direkt über die ­Dachgärten der Nachbarschaft in deren Schlafzimmer strahlen.Visualisierung zVg

Daniel Wahl

Fast wäre es Swisscom und der Erbengemeinschaft Cavegn, die das Hotel Basilisk im Kleinbasel vis-à-vis des Kasernenareals betreibt, gelungen, ein Baugesuch für eine Mobilfunkantenne unter dem Radar der Bevölkerung – also ohne Einsprachen – auf dem Hoteldach durchzubringen. Aber just in den Sommerferien, am Sonntagabend, vier Tage vor Ablauf der Einsprachefrist ist dem Anwohner Daniel Hunziker das Schild des Basler Bau- und Gewerbe­inspektorats aufgefallen, das offenbar seit Wochen wie verloren auf Bodenhöhe am Hotelmäuerchen angelehnt war: «Neubau Antennenanlage für Mobilkommunikation mit Equipment-Containers Klingentalstrasse 1» stand darauf. Weder Profilstangen wurden errichtet noch irgendwelche schriftliche Informationen den anliegenden Liegenschaftsbesitzern zugestellt.

Dass hinter dieser unscheinbaren Annonce ein Baugesuch für eine sechs Meter hohe Strahlenantenne, ausgestattet mit sechs Sendern, steckt, musste Hunziker am Folgetag erfahren. Ein Schock für die ahnungslosen Anwohner, die auf dem Dach des Rappoltshofs 1 oder an der Unteren Rebgasse 22, Dachgärten, wahre Oasen mit Kinderspielplätzen, eingerichtet haben. Keine 25 Meter entfernt soll nun eine Antenne mittlerer Stärke die Wohnräume und Spielplätze direkt auf Augenhöhe bestrahlen.

Wertverlust für Liegenschaften

30 besorgte Kleinbasler haben indessen Einsprache erhoben, unterstützt vom Röntgenarzt und Liegenschafts­besitzer Andreas Nidecker. Auch die Liegenschaftsbesitzerin Welinvest AG strahlt nicht mehr und ist in letzter Minute auf den Zug aufgesprungen. «Wir haben Einsprache eingereicht, weil wir in erster Linie unsere 77 Mieter schützen wollen», sagt Markus Hermann von Welinvest. Dann befürchtet Hermann auch eine Wertminderung der Liegenschaft. Laut einer Sendung des «Kassensturz» von SRF gehen Schätzungsbeamte von Banken und Versicherungen von zehn bis 40 Prozent Wertverlust aus. Hermann beklagt, dass die Publikation in der Bleiwüste des Kantonsblatts geradezu versteckt war und hätte erwartet, dass Liegenschaftsbesitzer aktiv informiert worden wären.

Anwohner Daniel Hunziker ist indessen mehr als beunruhigt und zieht bereits einen Auszug vom Rappoltshof in Erwägung. «Während die Hotelgäste mit einem Strahlenschutzgitter auf dem Dach des «Basilisk» vor Emissionen geschützt werden – die Swisscom würde die Umbauarbeiten kostenlos übernehmen –, sind wir der Strahlung schutzlos ausgeliefert», sagt der zweifache Familienvater. Die prognostizierte Feldstärke liegt in seiner Wohnung bei gerade einmal acht Hundertstel (4,92 Volt pro Meter) unter dem Grenzwert.

Zugestanden wird dieser vom Lufthygieneamt beider Basel. «Den Mobilfunkbetreibern steht das Recht zu, den geltenden Grenzwert auszuschöpfen», erklärt Andreas Weber vom Lufthygieneamt. Eine Gefährdung schliesst er aber aus: «Die Anwendung des Vorsorgeprinzips auf den Mobilfunk bedeutet, dass die Grenzwerte nach dem Stand des Wissens so festgelegt sind, dass eine Gefährdung auch für empfindliche Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen werden kann.»

Ein Risiko für Versicherungen

Diesen Aussagen stellt Hunziker die jüngste Risikoanalyse des Rückversicherers Swiss Re entgegen. Im Papier aus dem vergangenen Jahr beruft sich der Konzern auf die Weltgesundheitsorganisation, die von einem «potenziellen Krebsrisiko» spricht und es in die «Klassse 2B-Carcinogen» einstuft. Die vielen Studien seien «inkonsistent», einen direkten Bezug zwischen Strahlung und gesundheitlichen Problemen sei aber zu machen. Das Risiko betrachtet der Versicherungskonzern als «hoch».

Hotelbetreiberin Priska Cavegn, die der Swisscom das Recht einräumte, auf dem Hoteldach die Antenne zu platzieren, ist der Aufruhr im Quartier sichtlich unangenehm: «Die Fachleute haben uns überzeugt, dass die Strahlung gar nicht so schlimm ist, wie es in der Bevölkerung immer heisst.» Und trotzig fügt sie bei: «Wenn wir es nicht gemacht hätten, dann hätte jemand anders die Antenne auf dem Hausdach installieren lassen.» Jeder habe doch inzwischen zwei, drei Mobilfunkgeräte und wolle immer online sein. Man sei heute auf den Ausbau der Bandbreite angewiesen. Immer mehr Handys griffen immer öfter auf sogenannte Cloud-Dienste zu.

Der ganzen Mobilfunkbranche traut Hunziker nicht. So hat er sich bei den Behörden informiert, dass die vorhandenen Strahlungs-Messgeräte mit einer Ungenauigkeit von 45 Prozent arbeiteten. «Die können gar keine glaubwürdigen Aussagen machen», erklärt er.

Die Branche werde kontrolliert, beschwichtigt aber Weber. Die Mobilfunkbetreiber hätten Kontrollmechanismen, welche von akkreditierten Firmen zertifiziert würden. Zweitens würden die behördlichen Fachstellen die Anlagen vor der Inbetriebsetzung kontrollieren und durch akkreditierte Messfirmen Abnahmemessungen durchführen lassen. Zur Sicherstellung der langfristigen Grenzwerteinhaltung würden zudem Stichprobenkontrollen an den Anlagen durchgeführt. «Das funktioniert sehr gut», sagt Andreas Weber. Bei sämtlichen Inspektionen an den Anlagen wurden keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt.

Ob der Kampf der Kleinbasler aussichtsreich ist, bezweifeln diese angesichts der herrschenden Rechtslage. Man wolle das Projekt aber über alle rechtlichen Instanzen bekämpfen.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt