Mit zivilem Ungehorsam gegen das Sterben der Stadt

Rauchverbot, leere Beizen, schlecht gefüllte Kassen. Was, wenn sich die Masse widersetzt? Kann der Staatsapparat dann noch greifen? Ein Kommentar.

Alles ist Sucht: Rauchen ist und bleibt ein Menschenrecht – auch wenn anderes behauptet wird.

Alles ist Sucht: Rauchen ist und bleibt ein Menschenrecht – auch wenn anderes behauptet wird.

(Bild: Pino Covino)

Es gibt nur eine Frage, die im Moment so verzehrend glimmt wie eine Zigarette nach dem ersten Zug: Wie bringt die Stadt den Rauch zurück in ihre Beizen und Bars in diesen Tagen und Nächten ohne Aschenbecher auf dem Tresen, ohne Menschen auf den Hockern? Wie bekämpft der vernünftige Teil der Bevölkerung ein Gesetz, das die abendliche Stadt aussterben lässt und Barmaids in die Arbeitslosigkeit schickt? Wie kann das Kulturgut des Stammtischs gerettet werden, seine soziale Funktion als Mittel gegen Vereinsamung und Dachschaden?

Es geht wohl nur über jenes Instrument der politischen Partizipation, das «ziviler Ungehorsam» heisst. Das ist ein Verstoss zur Beseitigung eines Unrechts in der Absicht, etwa ein Menschenrecht einzufordern. Und Rauchen ist und bleibt ein Menschenrecht, auch wenn die Rauchverhinderer behaupten, dass Passivrauch ein aggressiverer Killer sei als etwa Feinstaub oder das Leben. Es gibt, Genussmenschen wissen das, keinen grösseren Killer als Lustfeindlichkeit, und Rauchen ist das immer noch, Lust und Genuss. Es ist auch Sucht, aber das ist Vegetarismus auch.

Als hätten Wirte 30 Arme

Zur Rückgewinnung des Rechts auf Rauch wäre Folgendes zu tun: in Bars und Beizen gehen und rauchen, was auf die Lunge geht, und das Ganze als Rauch-Demonstrationsabend deklarieren. Wirte stellten keine Aschenbecher hin, damit wären sie fein raus. Die Wirte müssten nun, laut Gesetz, die Raucher rausschmeissen, aber wenn alle rauchen, ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Bleiben also die Raucher. Sie könnten gebüsst werden mit bis zu 1000 Franken.

Aber hat die Staatsmacht die Kapazität, zwei Dutzend Beizen und Bars mit über 1500 Rauchern gleichzeitig zu bestrafen? Hat sie nicht. Ein paar Raucher würden stellvertretend gebüsst, aber mit dem Hinweis auf Demonstrations- und Menschenrecht katapultierten sie den Tatbestand des verbotenen Rauchens in eine übergeordnete Rechtsliga. Vielleicht bräuchten die nun kriminalisierten Raucher Rechtsbeistand, aber da gäbs ja noch eine Fümoar-Kasse, die so voll ist wie einst ein Aschenbecher morgens um zwei.

Vielleicht drohten die Behörden – Wut der Ohnmacht im Bauch und gekränkte Eitelkeit im Hirn – mit der Schliessung eines Lokals, aber dieses Drohfeuer könnte der mutige Wirt mit dem Argument der nicht vorhandenen Aschenbecher und der zu wenigen Arme, um 30 Raucher rauszuschmeissen, löschen. Büssen die Behörden doch ein Lokal oder lassen es gar schliessen, müsste eine Solidarkasse des Wirteverbandes helfend eingreifen. Dass alle geschlossen werden, ist kaum denkbar, nicht mal in Basel: zu gross die negative Presse und der politische Schaden. So viel Mut haben die trotz Wut nicht. Und das sollte die Raucher und Wirte mutig machen.

Basler Zeitung

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