Weniger Fleisch, dafür teurer

Der Studierendenrat der Uni Basel verzichtet auf die Forderung einer komplett fleischfreien Mensa. Stattdessen hatte man sich nach langer Diskussion auf eine Kompromisslösung geeinigt.

Künftig soll den Studierenden der Uni Basel an zwei Tagen pro Woche kein Fleisch angeboten werden. Wer Burger oder Schnitzel will, muss auswärts essen.

Künftig soll den Studierenden der Uni Basel an zwei Tagen pro Woche kein Fleisch angeboten werden. Wer Burger oder Schnitzel will, muss auswärts essen.

(Bild: Keystone)

Das Wichtigste vorweg: Die Vegi-Initiative wurde abgelehnt, stattdessen entschied sich der Studierendenrat für einen Kompromiss, der nun als Forderung der Skuba in die Diskussion mit der Verpflegungskommission der Uni Basel getragen wird. Unter anderem soll die Mensa täglich ein veganes Menu anbieten und die Preise des Salatbuffets senken (siehe auch Box links). Ausserdem soll es pro Woche zwei fleischfreie Tage geben. Somit wird es keine Urabstimmung unter allen Studierenden geben. Mit einer solchen hatte Mario Metzler, Initiant des Gegenantrags, gedroht, sollte sich der Rat für die Verbannung von Fleisch und Fisch aus der Kantine entscheiden.

Der Kompromissentscheid kam nach stundenlanger Diskussion zustande. Begonnen hatten die Verhandlungen des Studierendenrats über den kontroversen Entscheid kurz nach 21 Uhr. Zuerst wurde noch einmal der Antrag für eine vegane Mensa präsentiert. Allerdings nicht von Jens Hermes, er an diesem Abend durch seine Abwesenheit glänzte, sondern von zwei Studierenden. Noch einmal legten die Veganer ihre Argumente auf den Tisch: Die Waldrodung, die nötig sei um die Nahrung für die Nutztiere zu anzubauen. Der Klimawandel, mitverursacht durch den CO2-Ausstoss der Tiere. Die Verschlimmerung des Welthungers. Und der hohe Wasserverbrauch bei der Aufzucht. Dann wurde noch einmal ein aufrüttelndes Video aus einem Schlachthaus gezeigt. Die sterbende Tiere sollen für sich selbst sprechen.

Immer die gleichen Argumente

In der nun folgenden, langen Diskussionsrunde wurden verschiedene Gegenvorschläge erstellt, geändert, und manchmal wieder zurückgezogen. Trotz der Hinweise, man müsse mit einer möglichst extremen Meinung an die Verpflegungskommission treten, um so einen annehmbaren Kompromiss zu erzielen, wurde in den folgenden Stunden – die Sitzung dauerte bis kurz nach Mitternacht – vor allem auf den immer selben Argumenten herumgeritten. Ganz vegan sei gesundheitlich bedenklich, aber Fleisch zu essen, sei halt auch schädlich. Gar ein Vergleich zum Rauchen fällt. Aber auch Formales wurde diskutiert: Die Redezeit wurde auf 90 Sekunden beschränkt, die laufend länger werdende Rednerliste begrenzt. Letzteres hatte wiederum zur Folge, dass die jedem zur Verfügung stehende Zeit wieder auf vier Minuten angehoben wurde.

Zwischendurch wurde auch um Fleisch oder nicht Fleisch gestritten. Die Aufforderung, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und stattdessen geschlossen eine Meinung zu vertreten. Der Wunsch, die «Gegner» vom eigenen Standpunkt zu überzeugen, formale Anliegen und schliesslich alles wieder von vorne. In der Diskussion fielen auch kuriose Argumente: Ein Vegetarier wollte festgehalten haben, dass Delfine, Elefanten und Schweine klüger seien als Hunde. Mit zunehmender Dauer und aufkommender Müdigkeit, begann die Diskussion ins Emotionale abzurutschen. Wie viel man erreicht habe sei toll, meinten Einige, sogar die Medien seien schliesslich auf die Geschichte aufmerksam geworden. So habe die Uni Basel Signalwirkung auf das ganze Land. Und man habe ja sowieso vor allem einen Denkanstoss geben wollen, und das sei gelungen, feierten Andere. Die Stimmung zu dieser späten Stunde ähnelte der von Schülern, die sich während ihrer ganzen Schulzeit nie richtig einig sind.

Studenten haben entschieden

Eine Studentin sprach schliesslich das Schlusswort: «Stimmt für den Antrag, den ihr wollt, aber enthaltet euch nicht eurer Stimme». Das wurde dann auch gemacht. Zur endgültigen Wahl stehen: Der ursprüngliche Antrag um eine fleischlose Mensa, die während des Abends ausgearbeiteten Gegenanträge «Daniel» und «Valentin» sowie Antrag «Nina», der in der letzten halben Stunde aus verschiedenen Anträgen zusammengeschustert wurde. Bei der Abstimmung per KO-System kurz nach Mitternacht wurde zuerst der ursprüngliche Antrag mit der Forderung einer komplett fleischfreien Mensa gestrichen. Anschliessend einigten sich die Studierenden auf den Kompromiss. Zwei fleischfreie Tage pro Woche, ein günstigere Salatbuffet und wenigstens eine Mensa der Uni, die Fleisch komplett vom Angebot streichen soll, waren die Kernforderungen, die nach einer langen Diskussionsnacht bestehen blieben. Als nächstes muss die Verpflegungskommission der Universität über diese Forderung befinden.

baz.ch/Newsnet

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