Mehr Unfälle, weniger Trottoirs

Die Basler Regierung will die Fahrbahn in der St.-Alban-Vorstadt trotz Risiken für Fussgänger einebnen. SVP-Grossrat Joël Thüring ortet Widerspruch.

Vorbild für Umgestaltung. So wie die Rittergasse (Bild) soll auch die St.-Alban-Vorstadt umgestaltet werden; mit Mittelfahrbahn und Wackensteinen.

Vorbild für Umgestaltung. So wie die Rittergasse (Bild) soll auch die St.-Alban-Vorstadt umgestaltet werden; mit Mittelfahrbahn und Wackensteinen.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Die Sicherheit von Fussgängern soll auf sogenannten Mischflächen «oberste Priorität» geniessen. Zu dieser Antwort kommt die Basler Regierung auf eine Anfrage von Heiner Vischer. Der LDP-Grossrat verlangt von der Regierung, dass auch die schnellen E-Bikes mit Tempi bis zu 45 Kilometern pro Stunde auf sämtlichen Basler Radwegen fahren dürfen. Unter Mischflächen für den Verkehr zusammengefasst sind gemeinsame Rad- und Fusswege oder auch Begegnungszonen. In solchen geniessen die Fussgänger Vortritt vor Velos, E-Bikes, Autos und Lastwagen.

In diesen Begegnungszonen, welche mit einem blauen Schild mit einem spielenden Kind beschildert und oft mit Betonbänkli und Blumenkisten ausgerüstet sind, haben die Unfälle im Zeitraum zwischen 2014 und 2017 zugenommen. 15 Unfälle registrierte die Kantonspolizei Basel-Stadt im Jahr 2017. Das entspricht einem Anstieg seit 2014 um knapp 100 Prozent. Berücksichtigt werden muss allerdings, dass die Anzahl der Begegnungszonen in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. 90 Begegnungszonen gibt es laut dem Planungsamt in Basel-Stadt aktuell.

Eine zusätzliche Begegnungszone will das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) nun auch in der St.-Alban-Vorstadt gegen den Widerstand der dort wohnhaften Bevölkerung bauen. Die Stimmbevölkerung in Basel kann am 10. Februar darüber abstimmen, ob die Trottoirs abgeschliffen werden und eine durchgehende Ebene mit geschliffenen Wackensteinen links und rechts einer durch die Mitte führenden Fahrbahn gebaut wird. So soll eine Mischfläche entstehen, wie sie in der Rittergasse bereits realisiert ist.

Ältere Menschen mehr betroffen

SVP-Grossrat Joël Thüring nimmt die Schaffung dieser Mischfläche in der St.-Alban-Vorstadt und die Antwort der Regierung auf den Vorstoss von Heiner Vischer zu den E-Bikes nun mit Erstaunen zur Kenntnis. «Der Regierungsrat gibt in der Interpellationsbeantwortung ja zu, dass derartige ‹Mischbereiche› gefährlich sind.»

Deshalb sei es unverständlich, dass nun mit dem Rückbau der Trottoirs «gefährliche Verhältnisse» geschaffen würden. Thüring: «Auto- und Veloverkehr teilen sich den Strassenraum auf eingeebneter Fahrbahn mit Spaziergängern, Anwohnern und spielenden Kindern.» In der St.-Alban-Vorstadt seien nicht nur Anwohner, sondern auch Schulkinder und betagte Menschen aus dem Alters- und Pflegeheim «Ländliheim» durch die Abschaffung der Trottoirs betroffen. «Ich weiss von älteren Leuten, die zu Fuss durch die bereits umgestaltete Rittergasse gehen, dass sie sich unwohler fühlen, seit es keine Trottoirs mehr gibt.»

Grosses Gefahrenpotenzial sieht Thüring auch bei den E-Bikes, die sich geräuschlos nähern. «Die halten sich oft nicht an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten und fahren nicht so vorsichtig. Das erhöht die Gefahr, dass es auf Mischflächen zu Unfällen kommt.» Die Unfallzahlen mit E-Bikes auf Kantonsgebiet zeigen denn auch nach oben. In den letzten vier Jahren stiegen sie von zwölf auf 33 pro Jahr – schweizweit von 445 auf 813.

Thüring reicht nun einen Vorstoss mit Fragen an den Regierungsrat ein. Von SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels will er wissen, weshalb er die «teure Luxussanierung» für 3,1 Millionen in der «Dalbe» umsetzen will. Dies, obschon die Regierung zugebe, dass sie explizit eine Zunahme von Verkehrsunfällen auf solchen Flächen beobachte. Thüring fragt auch, ob nicht gerade Schulkinder und ältere Menschen in diesen Zonen besonders schutzbedürftig seien.

Basler Zeitung

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