Linksautonome wollen Rheinhattan versenken

Die Vision für eine Umgestaltung der Klybeckinsel kommt nicht überall gut an. Die Anführerin der Aktivisten, Ekaterina Ekkert, zeigt sich wenig gesprächsbereit und hat eine erstaunliche Doppelrolle.

Urban: Die Vision Rheinhattan sieht vor, auf der Klybeckinsel ein Wohn- und Geschäftszentrum zu errichten. Eine kleine Minderheit wehrt sich dagegen.

Urban: Die Vision Rheinhattan sieht vor, auf der Klybeckinsel ein Wohn- und Geschäftszentrum zu errichten. Eine kleine Minderheit wehrt sich dagegen.

(Bild: zvg)

Wo heute noch Container auf Schiffe verladen werden, sollen dereinst Wohnungen und Arbeitsplätze für bis zu 10'000 Personen entstehen. Die Rede ist von der Vision Rheinhattan, die auf der Klybeckinsel bis ins Jahr 2030 realisiert werden soll. Obschon es sich dabei nur um eine Vision handelt, stossen die Pläne des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) bereits jetzt auf erbitterten Widerstand.

Eine kleine Gruppe von Aktivisten aus der links-autonomen Szene wehrt sich vehement. Höhepunkt war die Störung des SRF-Stadtgesprächs im Hotel Les Trois Rois letzten November, wo die Diskussion wegen Zwischenrufen unterbrochen werden musste. Ein Angebot der Organisatoren, ihre Anliegen auf dem Podium kundzutun, lehnten die Aktivisten aber ab.

Ausschluss von Ekkert vertagt

Die Hauptfigur im Widerstand gegen Rheinhattan ist Ekaterina Ekkert, erst seit rund drei Jahren in Basel wohnhaft und Studentin der Osteuropawissenschaften an der Universität Basel. TeleBasel machte mit einem Report Anfang Januar dann Erstaunliches publik: Ekkert ist neben ihrer Rolle als Anführerin des Widerstandes auch in einer Begleitgruppe des BVD aktiv, in der zusammen mit der Verwaltung und Quartierbewohnern die Entwicklung des Hafenareals diskutiert und vorangebracht werden soll. Im TeleBasel-Report zeigte sich Ekkert nicht besonders gesprächig, vielmehr drohte sie dem Kameramann, seine Ausrüstung kaputt zu machen, falls er nicht aufhören sollte, zu filmen.

Werner Loosli, Vizepräsident des Dorfvereins Pro Kleinhüningen, findet die Doppelrolle von Ekkert untragbar und wollte zusammen mit dem Präsidenten des Dorfvereins, Georges Böhler, deren Ausschluss aus der Begleitgruppe erreichen. «Es kann doch nicht sein, dass sie sich nur destruktiv verhält und dann doch mitreden will, das ist nicht demokratisch», sagt Loosli, der den Antrag an der Januarsitzung der Begleitgruppe eingereicht hat, nachdem die Mitglieder des Dorfvereins einen solchen in einer Konsultativabstimmung einstimmig gutgeheissen hatten. Ekkert gelobte an der vorhergehenden Sitzung im Dezember jedoch Besserung, weshalb darauf verzichtet wurde, den Antrag behandeln zu lassen. Loosli und Böhler konnten an der Sitzung vom Dezember nicht teilnehmen, da sie gleichzeitig Mitglieder der Begleitgruppe zur neuen Tramführung nach Weil sind und stattdessen einer Infoveranstaltung den Vorzug gaben, wie Loosli ergänzt.

Nicht im Sinne der Bevölkerung

Für Loosli ist es vor allem problematisch, dass sich diese lose Gruppe, die sich unter dem Motto «Rheinhattan versenken» im Internet formiert und dort mit Videos von ihren Störaktionen prahlt, herausnimmt, für ganz Kleinhüningen zu sprechen: «Diese Gruppierung bildet absolut nicht die Meinung der Dorfbevölkerung ab, zumal diese Personen auch nicht im Bann von Kleinhüningen wohnen», sagt Loosli.

Verdrängung ist das Schlagwort der Rheinhattan-Gegner. Sie haben Angst vor höheren Mieten, dem Abriss von alten Gebäuden, Luxussanierungen und Wohnungen, die sich nur gute Steuerzahler leisten können. Die Visualisierung einer Hochhaussiedlung auf der Klybeckinsel ist da nur Wasser auf die Mühlen der Gegner, gibt Loosli zu bedenken und hätte sich mehr Feinfühligkeit vom BVD gewünscht.

Konstruktive Arbeit trotz Ekkert

Marc Keller, Sprecher des BVD, hält dagegen fest, dass es sich erst um eine unverbindliche Vision handelt: «Es geht um räumliche Planungsideen, auf die eine kritische Minderheit lautstark reagiert.» Keller steht einem Ausschluss von Ekkert aus der Begleitgruppe kritisch gegenüber, auch wenn sie nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung steht, der Angst vor einer Gentrifizierung des Quartiers hat. «Die schweigende Mehrheit kann sich Veränderungen vorstellen, in welcher Form auch immer.»

Verharmlosen möchte Keller die Aktionen der Aktivisten dennoch nicht: «Das Verhalten ist undemokratisch, aber schlussendlich ist es eine kleine Gruppe, die sich in Szene zu setzen weiss.» Inwieweit Ekaterina Ekkert eine Doppelrolle innehat, möchte Keller nicht kommentieren. «Diese Frage ist doch müssig, ob mit oder ohne sie wird in der Begleitgruppe konstruktiv weitergearbeitet», sagt Keller.

Externer Coach glättet die Wogen

Dass der Haussegen in der Begleitgruppe trotzdem schief hängt, lässt sich aber nicht verhehlen, wie die neuste Entwicklung zeigt: Keller hat die Leitung der Sitzungen an einen externen Moderator abgegeben. Paul Krummenacher, ein auf Mediation und Konfliktmanagement spezialisierter Coach, versucht, die Wogen zu glätten: «Ich stelle ein grosses Misstrauen gegenüber der Verwaltung fest, hier versuche ich zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.» Dass die Stimmung in der Begleitgruppe zuweilen aufgeheizt ist, bestätigt auch Krummenacher: «Hier prallen Interessen aufeinander, und gewisse Gruppen befürchten, bei der Planung auf der Strecke zu bleiben.»

Trotz Mediation und Sistierung des Ausschlussantrages, viel gebracht haben die Beteuerungen Ekkerts nach Besserung nicht. Nach Looslis Antrag auf Ausschluss kam es zum Eklat: Ekaterina Ekkert stand wutentbrannt auf und verliess die Sitzung der Begleitgruppe.

Basler Zeitung

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