Inserat zurückgezogen - FCZ klagt, FCB verzichtet

Der Versicherer Smile Direct hat sich für das umstrittene Inserat mit FCB-Fans entschuldigt und zahlt 10'000 Franken. Dafür verzichtet der FC Basel auf rechtliche Schritte. Nicht so der FC Zürich.

«Suggeriert Gewalt»: Umstrittene Werbung der National-Tocher smile-direct.

«Suggeriert Gewalt»: Umstrittene Werbung der National-Tocher smile-direct.

Von einer Provokation der Fans war die Rede. Fanprojekt und FC Basel intervenierten bei der Versicherungsfirma Smile Direct aus Wallisellen, einer Tochter der Basler National Suisse. Das Inserat, welches in verschiedenen Medien geschaltet wurde, wirbt für eine Autoversicherung und zeigt ein Gruppe johlender FCB-Fans, die in einer Seitenstrasse auf einen gediegenen, weissen Porsche, geschmückt mit dem Logo des FC Zürich, trifft.

Die Versicherung Smile Direct hat nun reagiert. Sie hat das Inserat am Dienstag zurückgezogen und sich beim FC Basel dafür entschuldigt, wie Daniel Briel, Verantwortlicher für Marketing und Kommunikation, zu baz.online sagte. Dem Club werden ausserdem 10'000 Franken für die Junioren gezahlt. Damit ist die Angelegenheit für den FCB erledigt, wie Pressesprecher Josef Zindel erklärte. Auf rechtliche Schritte wird verzichtet – auch die Verwendung des Logos des FC Basel ohne Absprache mit dem Verein hat somit keine Konsequenzen.

FC Zürich geht rechtlich vor

Beim FC Zürich sieht man das offenbar weniger entspannt. Dieser hat am Dienstag angekündigt, rechtlich gegen Smile Direct vorzugehen, und erklärt, den Fall bereits seinem Rechtsanwalt übergeben zu haben. Stein des Anstosses ist für den FCZ der Porsche auf dem Inserat, welcher mit Signeten und Fähnchen des Clubs ausgestattet ist: «Das FCZ-Logo wurde ohne Wissen, geschweige denn mit Einverständnis des FC Zürich verwendet.»

Beim FC Zürich geht man davon aus, dass Werbeagenturen gelegentlich die Verletzung von Marken- oder Personenrechten in Kauf nehmen. Solches will der FCZ nicht hinnehmen: «Mit einem allenfalls bereits zum vorne herein angedachten und einkalkulierten Strafbeitrag von ein paar Tausend Franken in die Juniorenkasse wird sich der FC Zürich auf alle Fälle nicht zufrieden geben.»

«Das Inserat suggeriert Gewalt»

Mit den heftigen negativen Reaktionen wurde bei Smile Direct offenbar nicht gerechnet. Das Inserat hat zwar viel Publizität erzeugt, aber laut Briel zählt nicht nur dies allein. Zu negative Reaktionen seien schlecht für ein Unternehmen. Deshalb meint Briel persönlich: «Ich würde es so nicht mehr machen.» Das Inserat wurde zusammen mit anderen aus Vorschlägen der Ruf Lanz Werbeagentur in Zürich ausgewählt.

«Das Inserat suggeriert Gewalt», empörte sich der Präsident des Basler Fan-Projekts, Markus Lehmann, gegenüber baz.online. Er habe bei der Geschäftsleitung der National Suisse interveniert und gegen das Inserat protestiert. Auch der FC Basel hatte sich beschwert – direkt bei Smile Direct. «Wir haben unser grosses Befremden ausgedrückt», sagte FCB-Sprecher Josef Zindel. Er bezeichnete das Inserat als «geschmacklos» und «unsensibel».

Reaktionen gemässigt

Sowohl der FCB wie das Fanprojekt sind verärgert, weil man in den letzten Jahren sehr viel zur Bekämpfung der Gewalt rund um den Fussball getan habe. Das Inserat stelle jetzt unterschwellig eine Provokation für die FCB-Fans dar. Markus Lehmann hofft, dass die Emotionen vor dem Spiel FCB-FCZ vom Sonntag durch das Inserat nicht angeheizt werden.

Nimmt man die Kommentare auf baz.online zum Nennwert, sollte diese Gefahr nicht allzu gross sein. Viele User plädieren dafür, das Ganze nicht zu ernst oder gar mit Humor zu nehmen. So schrieb der «Anti Stänkerer»: «Was soll denn wieder die ganze Aufregung? Das Leben ist doch wirklich nicht fair. Der FCB-Fan geht am Sonntag an einen Fussballmatch, der unbekannte Zürcher fährt mit dem Porsche rum.»

Fairness-Preis

Und der «FCB Fan» meinte: «Fantastisch! So tarnen FCB-Fans ihre Autos bei den Auswärtsspielen in Zürich!». Der Kommentar von «meise vogel»: «Diese Werbung zeigt doch nur auf, dass der FCZ kein Arbeiterclub mehr ist, sondern den Status von GC übernommen hat. Snobs eben, wogegen wir immer noch zu Fuss unterwegs sind, um unseren Club zu unterstützen.»

Die suggestive und verallgemeinernde Darstellung von FCB-Fans als potenzielle Autobeschädiger ist sicherlich unfair. Dass dies von einer Versicherung stammt, welche in diesem Jahr den Schweizer Fairness-Preis lanciert hat und sich rühmt, die erste Versicherung mit Fairness-Garantie zu sein, ist besonders bemerkenswert.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt